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16.02.2016

Digitale Tendenzen - Report "FJORD Trends 2016"

Die fortschreitende Digitalisierung der Welt bringt Veränderungen mit sich, die praktisch jeden betreffen, egal ob man sie als Staatsbürger, Mitarbeiter, Kunde oder Patient erlebt. Im aktuellen Report der globalen Design- und Innovationsberatung FJORD wurden jetzt exemplarisch digitale Entwicklungen daraufhin untersucht, wie sie unser Leben von der öffentlichen Verwaltung über Unternehmen bis hin zum Privatbereich beeinflussen.

Im Internet einkaufen oder sich von Musik und Video unterhalten lassen - das Online-Angebot ist riesig und wird ständig größer. Jeder kann dort suchen und finden, was seinem persönlichen Geschmack entspricht. Dank spezieller Dienste wie Google Now und anderer kennt das Netz die Vorlieben des Besuchers so gut, dass es ihm passende Vorschläge machen kann, damit er das Gewünschte noch schneller findet. Maßgeschneiderte Angebote erleichtern die Kaufentscheidung erheblich, öfter Benötigtes lässt sich auch gleich abonnieren und wird dann regelmäßig ins Haus geliefert

Geräte, die unsere Vorlieben kennen

Auch intelligente Geräte, die sich stets in unserer Nähe befinden, wie die Smartwatch am Handgelenk oder Bestellbuttons à la Amazon Dash zu Hause neben dem Kühlschrank, können uns mit individuell zugeschnittenen Angeboten versorgen, da sie unsere Vorlieben kennen. Wer also mit Hilfe dieser sogenannten "Wearables" und "Nearables" seine Informationen einholt oder einkauft, möchte nicht mehr selber aufwändig recherchieren und erhält auch ohne unerwünschten Zeitaufwand alles ganz nach seinem persönlichen Bedarf. In den kurzen Augenblicken der Auswahl und Kaufentscheidung, von FJORD "Mikromomente" genannt, sollten Anbieter in Zukunft mit entsprechend angepassten Produkten oder Dienstleistungen präsent sein, um erfolgreich bleiben zu können.

Fit ist in und profitabel

Wer seine körperliche Fitness und andere Befindlichkeiten mit Hightech-Messgeräten nicht nur kontrolliert, sondern die Messdaten darüber hinaus z. B. an seine Krankenkasse schickt, kann finanziell davon profitieren, etwa durch vergünstigte Tarife. Für die Technik muss der Verbraucher nicht einmal tief in die Tasche greifen, die Anbieter entsprechender Produkte und Service-Leistungen erfreuen sich steigernder Nachfrage.

Eine Etikette für "Big Data"

Auf welche Weise könnte man wohl einen Unbekannten auf der Straße nach seinen persönlichen Informationen fragen? Unternehmen müssen sich für ein behutsames Erfassen von Kundendaten sensibilisieren. Ebenso wichtig sollte ihnen das Vertrauen der Kunden in Hinblick auf den Umgang mit diesen Daten sein. Um langfristig keine Kundschaft einzubüßen, ist daher eine Etikette für "Big Data" unabdingbar. Wie bereits in der bevorstehenden EU-Datenschutz-Grundverordnung vorgesehen, kann ein erster Schritt im sogenannten "privacy-by-design" bestehen, nämlich schon bei der Entwicklung von Produkten und Technologien den Datenschutz mit einzubeziehen, was beispielsweise von Microsoft praktiziert wird.

Luxus für jedermann

Die Anwendungsvielfalt per Fingerstrich auf heutigen Smartphones, Tablets und anderen digitalen Geräten lässt sich zu Recht als luxuriös bezeichnen und kann praktisch weltweit für jedermann passgenau und bezahlbar hergestellt und angeboten werden - bis hin zu intelligenter Benutzerführung, mit der sich der Anwender sogar verbal unterhalten kann, wie der persönliche Assistent Facebook M oder vergleichbare Produkte.

Apps in Gefahr

Bleiben Apps lediglich auf eine einzige Funktion beschränkt, laufen sie Gefahr, in Online-Plattformen oder breiter gefächerten Angeboten aufzugehen. So existieren z. B. für den chinesischen Messaging-Dienst WeChat inzwischen 10 Millionen Dritt-Apps. Auch angesichts neu entstehender Internet-Plattformen für Themenbereiche wie "Vernetztes Auto" und "Smart-Home" muss bei der Planung digitaler Dienstleistungen zunächst geklärt werden, unter welchen Umständen und von wem sie genutzt werden sollen, ob für die Zielgruppe bereits Plattformen existieren und in welcher Form das eigene Programm dort eventuell eingesetzt werden kann.

Nur noch mit VR-Brille

Um die virtuelle Realität, kurz VR, realistisch zu erleben, wird eine VR-Brille benötigt, die schon jetzt oder in Kürze von mehreren Herstellern zu einem erschwinglichen Preis angeboten wird. Unternehmen sollten die Technologie im Auge behalten, da zukünftig neben vielfältigen Möglichkeiten im Unterhaltungssektor auch zahlreiche ernsthafte Anwendungen in den Bereichen Medizin und Bildung, der Tourismusbranche oder der gemeinsamen Arbeit an Projekten zunehmend bedeutsam sein werden.

Die Zielgruppe beachten

Mit der fortschreitenden Digitalisierung wandeln sich auch die Kundenerwartungen immer schneller. Will also ein Start-Up-Unternehmen etwas Neues auf den Markt bringen, so ist es gut beraten, sich bei der Gestaltung des Produkts oder der Dienstleistung kompromisslos an den aktuellen Anforderungen der Zielgruppe zu orientieren, mit der Sicht des Nutzers als alleiniger Maßstab. Die Investition in das sogenannte "Design Thinking" ist vielen Unternehmen sogar die Einrichtung eigener Abteilungen wert.

Digitale Erwartungen

Wer als Arbeitgeber Wert legt auf Spitzen-Personal, sollte bei der Arbeitsplatzgestaltung die Perspektive der Mitarbeiter stets im Blick behalten: "Employee Experience Design" orientiert sich konsequent daran, wie ein Mensch seine Arbeitsumgebung erlebt, und trägt einer fortschreitenden digitalen Veränderung der Arbeitswelt hin zu mehr Flexibilität und Selbstständigkeit Rechnung - erfordert aber auch Investitionen, zum Beispiel in die entsprechend ausgestattete Technik. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Ansprüche von Arbeitnehmern verschiedener Altersgruppen nicht unbedingt deckungsgleich sind.

Mehr Nähe zu Behörden

Auch die Behörden versuchen mehr und mehr, dem Bürger mit attraktiven digitalen Angeboten entgegenzukommen, nicht zuletzt, um die öffentliche Verwaltung für beide Seiten zu vereinfachen. Dazu wurden in den USA und Großbritannien eigene Richtlinien geschaffen, welche das digitale Design so vorbildlich regeln, dass sich die Wirtschaft ein Beispiel daran nehmen könnte. Andererseits kann eine private bzw. privatwirtschaftliche Initiative wie "Refugees Welcome" auf aktuelle Ereignisse spontan und schnell reagieren, indem sie Digital-Angebote zur Verfügung stellt, die auf öffentlich-rechtlicher Seite noch gar nicht existieren oder zu wünschen übrig lassen, und so die Behörde in Zugzwang bringen.

Der jährliche FJORD-Trends-Report untersucht die Auswirkungen digitaler Entwicklungen auf den Menschen - in seiner Eigenschaft als Bürger, Kunde und Mitarbeiter. Dazu werden persönliche und professionelle Erfahrungen der über 750 FJORD-Mitarbeiter ausgewertet sowie vertiefende Recherchen, Workshops und Diskussionen mit Kunden herangezogen.

Der komplette FJORD-Trends-Report steht hier zum Download bereit.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Dr. Frank Holger Walpuski.