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19.02.2016

BWL Studium: Mitbestimmung ist in der Manager-Ausbildung ein Fremdwort

Arbeitgeber rekrutieren ihr Führungspersonal zu einem guten Teil aus BWLern - "und stellen Leute ein, die von Mitbestimmung bislang kaum etwas gehört haben". Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Europäischen Akademie der Arbeit in Frankfurt. Der "blinde Fleck" bei den Managern sei "hochproblematisch".

Obwohl die Mitbestimmung der Arbeitnehmer die Unternehmenskultur, die Entscheidungsprozesse und den betrieblichen Alltag prägten, komme sie in der Ausbildung künftiger Manager "fast nicht vor", zeigt die von der arbeitnehmernahen Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie, für die mehr als 50 Studiengänge an 25 Hochschulen analysiert wurden. Professor Dr. Martin Allespach und Birgita Dusse haben dazu unter anderem in Studienordnungen und Modulhandbüchern nach Lehreinheiten zum Thema gesucht.

Mitbestimmung nur am Rande

Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Mitbestimmung zwar "nicht völlig ausgeklammert" wird, aber auch kein "grundsätzlicher Bestandteil" der Lehrpläne ist. Wenn sie erwähnt wird, dann meist im Zusammenhang mit Arbeitsrecht, Personalmanagement oder Corporate Governance. "Die entsprechenden Veranstaltungen sind in der Regel nicht verpflichtend für alle Studierenden", heißt es in der Studie weiter.

Vor allem in den personalwirtschaftlichen Lehrplänen sei vielfach ein Grundverständnis der Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Beziehungen verankert, das "keinen Raum für kollektive Interessenvertretung" lasse. Der "Human-Resource"-Ansatz unterstelle schlicht die Interessengleichheit von beiden oder betrachte nur Verhältnisse zwischen einzelnen Beschäftigten und dem Management.

BWLer haben distanzierte demokratische Grundhaltung

Problematisch ist, dass die Lernstoffe mit den Ansichten vieler Studierender korrespondieren. So hätten Befragungen gezeigt, dass sich BWLer überdurchschnittlich häufig durch eine "distanzierte demokratische Grundhaltung" auszeichneten und vor allem materielle Gründe als Studienmotiv angeben würden. Die Wissenschaftler fordern, Themen der Mitbestimmung mehr Raum in der Ausbildung zu geben. Sie sollte als Element von Wirtschaftsdemokratie "vor dem Denken nach Kosten-Nutzen-Kalkülen stehen und diesen nicht untergeordnet werden."

Die Studie kann hier kostenfrei als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.



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