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26.02.2016

Mindestlohn: Hinweise auf negative Beschäftigungseffekte verdichten sich

Hat der 2015 eingeführte flächendeckende gesetzliche Mindestlohn negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt? Zumindest deutet einiges darauf hin: Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) geht von möglichen Beschäftigungsverlusten aus. Unabhängig davon hat das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) einen Rückgang der Arbeitszeit von ungelernten Arbeitnehmern festgestellt.

"Es gibt deutliche Hinweise auf Beschäftigungsverluste durch die Einführung des Mindestlohns", schreibt das IfW. Zum einen seien 167.000 Minijobs abgebaut und lediglich 56 Prozent davon in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse umgewandelt worden. Die restlichen 74.000 Stellen seien durch Entlassungen oder verminderte Neueinstellungen weggefallen. Zum anderen seien weniger neue Minijobs entstanden, was die Stellensuche erschwere. Ein Aspekt, der den Forschern zufolge noch zu wenig Beachtung in der Mindestlohn-Debatte finde.

"Es ist davon auszugehen, dass der Mindestlohn für diese Entwicklung ursächlich ist", sagt Arbeitsmarktforscher Dominik Groll vom IfW. Es deute wenig darauf hin, dass der Stellenabbau und die verminderten Neueinstellungen auch ohne den Mindestlohn zu beobachten gewesen wären. Dass dieser kaum Spuren bei der Arbeitslosenzahl hinterlässt, führt Groll darauf zurück, dass viele typische Minijobber entweder per Definition nicht in der Statistik auftauchen oder keinen Anspruch auf Grundsicherung hätten.

Auch das IWH hält negative Auswirkungen des Mindestlohns für möglich. Zwar sprächen die momentan verfügbaren Daten nicht dafür, dass Arbeitsplätze in großem Umfang weggefallen seien, heißt es dort im Gegensatz zum IfW. Aber die wöchentliche Arbeitszeit Ungelernter sei in vom Mindestlohn besonders betroffenen Bundesländern gegenüber dem Vorjahr gesunken. Negative Effekte des Mindestlohns auf das in Stunden gemessene Arbeitsvolumen seien daher zumindest nicht auszuschließen.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.