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10.09.2008

Martini plädiert für ein faires Miteinander in Unternehmen

Zusammenfassung von "Fair geht vor!" von RAin Silke Martini, original erschienen in: AiB 2008 Heft 9, 475 - 479.

Martini befasst sich mit den Auswirkungen von Stress auf das Arbeitsklima. Sie belegt, dass die Nichtbefriedigung sozialer Bedürfnisse am Arbeitsplatz zu einem ungesunden Arbeitsklima (Mobbing etc.) führt. Sie zeigt auf, wie "faire" Arbeitsbedingungen Dauerstress bei den Mitarbeitern verhindern können.

Der Anteil der psychischen Erkrankungen am Gesamtkrankenstand betrage mittlerweile 9%. Das stelle eine Zunahme von 25% seit 2000 dar. Häufige Ursache sei ein Wandel im sozialen Klima eines Betriebes. Die Angst, den Belastungen des Arbeitsalltages nicht mehr gewachsen zu sein, verursache Stress, so die Autorin. Dies wirke sich auch auf das Verhalten der Mitarbeiter untereinander aus. Auch die Angst um den Arbeitsplatz spiele als Ursache für Stress ein besonders große Rolle; gerade jüngere Mitarbeiter und Arbeitnehmer über 50 Jahren seien von der Sorge betroffen, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Auch die Einteilung der Belegschaft in "High Potentials" and "Low Potentials" tue ihr Übriges. Mobbing werde von Teilen der Belegschaft zum eigenen Stressabbau betrieben, um sich von den eigenen psychischen Stressfaktoren zu entlasten. Problematisch sei in diesem Zusammenhang insbesondere, dass Selbsterhaltung auf Kosten anderer inzwischen als "normal" angesehen werde. Dies zeige sich nach Ansicht der Autorin z.B. durch nahezu tägliche "Casting- Shows".

Mobbing habe jedoch erklärbare Ursachen. Schon der Psychologe Maslow habe mit seiner "Bedürfnispyramide" gezeigt, dass der Mensch erst nach Befriedigung seiner eigenen Grundbedürfnisse etwas wie Verantwortungsbewusstsein für die soziale Gemeinschaft zeige. Es sei dringend notwendig, dass "faire Arbeit" als Leitbild einer Unternehmenskultur etabliert werde. Arbeit sei fair, wenn Arbeitsplätze durch sozial gerechte Unternehmensstrategien gesichert würden, Arbeitsplätze nicht aus Profitgründen gefährdet würden und die Bezahlung gerecht ist. Das Unternehmen müsse am Mitarbeiter orientiert und familienfreundlich sein. Die Bedrohung menschlicher Bedürfnisse, z.B. Selbstverwirklichung und Selbstachtung sowie sozialer Wärme und Sicherheit führe zu psychischen Dauerstress, der sich ungesund auf Mitarbeiter und das betriebliche System auswirke.

Bewertung:

Der Beitrag liefert einen nachvollziehbaren Ansatz für die Entstehung von Konflikten am Arbeitsplatz und bietet Lösungen an. Die juristischen Aspekte des Themas "Mobbing" werden nicht beleuchtet.

Dieser Beitrag wurde erstellt von RA Michael Rohe.


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