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01.04.2019

EU stellt Allrounder arbeitsrechtlich ins Abseits: Profi-Fußballer müssen künftig feste Stellenbeschreibungen haben

Für Vereinsverantwortliche und Fans wäre es der Super-GAU: Doch nach bislang unveröffentlichten Plänen der EU-Kommission sollen Profi-Fußballer offenbar in Zukunft bei Vertragsabschluss eine verbindliche Stellenbeschreibung bekommen, die fester Bestandteil des Arbeitsvertrages würde. Spieler könnten damit von ihren Trainern ohne Zustimmung nicht mehr auf beliebigen Positionen eingesetzt werden.

Wie aus einem Eckpunktepapier, das BetriebsratPraxis24.de exklusiv vorliegt, hervorgeht, sei geplant, dass Arbeitsverträge "von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Bereich des sog. Profisportes rechtsverbindliche und abschließende Beschreibungen hinsichtlich der im Rahmen des Arbeitsverhältnisses konkret zu leistenden Tätigkeiten enthalten" sollen. Ziel sei es, mehr Transparenz für die Beschäftigten und Planungssicherheit für die entsprechenden Vereine und Lizenzspielabteilungen zu schaffen, heißt es in dem Dokument.

Aus Kommissionskreisen verlautbarte weiter, eine eigens gegründete Task-Force arbeite derzeit "mit Hochdruck" an einer Novelle der Richtlinie 91/533/EWG des Rates vom 14. Oktober 1991. Diese regelt "die Pflicht des Arbeitgebers zur Unterrichtung des Arbeitnehmers über die für seinen Arbeitsvertrag oder sein Arbeitsverhältnis geltenden Bedingungen". Wann mit einem Entwurf der neuen Richtlinie zu rechnen ist, sei derzeit noch offen. Eine Einführung des neuen Regelwerks bereits zur Fußballsaison 2019/20 sei angesichts der "erheblichen administrativen Vorlaufzeit jedoch eher unwahrscheinlich".

Sollten die Pläne tatsächlich umgesetzt werden, könnten Fußballer, die als Außenverteidiger verpflichtet wurden, z.B. bei einem verletzungsbedingten Ausfall von Teamkameraden nicht mehr als Innenverteidiger eingesetzt werden. Arbeitsrechtsexperten warnen angesichts dessen vor einer "möglichen Flut von Gerichtsprozessen wegen zu erwartender Änderungskündigungen", sollten Spieler außerhalb ihres arbeitsvertraglich vorgesehenen Mannschaftsteils eingesetzt werden.

Auch ästhetische Bedenken führen Kritiker an. "Wenn das so kommt, gibt es für Trainer keine Möglichkeit mehr, vor einem Spiel zu taktieren", befürchtet etwa Stéphane Avrilon, Sprecher des europäischen Dachverbandes der Fußballfans (FEFF): "Zudem würden Spielertypen wie Eden Hazard, Serge Gnabry oder Lucas Hernández auf eine einzige Position reduziert. Das macht das ganze Spiel kaputt!"

Sportfunktionäre in Deutschland zeigten sich von der Entwicklung "völlig überrascht". Wie ein ranghoher Fußballverbandsmanager, der nicht namentlich zitiert werden möchte, gegenüber unserer Redaktion sagte, müsse man zunächst das Ausmaß der geplanten Neuregelungen "juristisch prüfen". Erst dann sei mit offiziellen Stellungnahmen zu rechnen. Zudem müsse nicht alles "so heiß gegessen werden, wie es gekocht werde".


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