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27.04.2017

ZEW-Studie: Jeder siebte Absolvent ist nach zehn Jahren inadäquat beschäftigt

Nach zehnjähriger Berufserfahrung arbeitet jeder siebte Hochschulabsolvent in Deutschland in einem Job unterhalb des eigenen Bildungsniveaus. Das geht aus einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hervor. Das Risiko hängt jedoch stark von der Fachrichtung, der Studienleistung sowie dem vorangegangenen Arbeitsmarkterfolg ab.

Für die Studie wurden Hochschulabsolventen der Jahre 1997 und 2001 befragt, und zwar ein Jahr, fünf sowie zehn Jahre nach ihrem Abschluss. Nach zwölf Monaten arbeitete etwa jeder sechste Absolvent in einem Job unterhalb seines Bildungsniveaus. Der Anteil der unterwertig Beschäftigten verringert sich zwar mit zunehmender Berufserfahrung, jedoch nur moderat.

Das geringste Risiko tragen Medizin-, Jura- und Lehramtsstudenten

Das geringste Risiko einer inadäquaten Beschäftigung tragen Medizin-, Jura- und Lehramtsstudenten mit vier Prozent. In den MINT-Fächern beläuft sich der Anteil auf zwölf Prozent. Die Ergebnisse deuten laut Studienautor Dr. Daniel Erdsiek darauf hin, dass noch Spielraum dafür besteht, offene Stellen im MINT-Bereich durch eine verbesserte Zuordnung von verfügbaren Absolventen zu besetzen. Noch stärker ausgeprägt ist das Risiko der Überqualifikation aber in der Fächergruppe Sozial- und Kulturwissenschaften - dort liegen die Quoten bei 26 und 22 Prozent.

Unterwertige Beschäftigung auch von individueller Studienleistung abhängig

Die individuelle Studienleistung stellt einen weiteren wichtigen Faktor für eine unterwertige Beschäftigung dar: Von jenen, die mit ihrer Studiennote zu den besten 25 Prozent gehörten, fand zu Beginn der Karriere nur etwa jeder Zehnte keine adäquate Beschäftigung. Bei den Studenten mit einer Note, die innerhalb der schlechtesten 25 Prozent fiel, war fast jeder Vierte überqualifiziert beschäftigt.

Oft entscheidet schon der Start ins Berufsleben über das spätere Beschäftigungsniveau

Nur neun Prozent der Absolventen, die bereits beim Einstieg adäquat beschäftigt waren, arbeiteten nach zehn Jahren überqualifiziert. Wer mit einer unterwertigen Stelle begann, wird diese mit einer Wahrscheinlichkeit von 42 Prozent auch nach zehn Jahren innehaben. "Einige dieser Absolventen könnten sich aber auch aufgrund ihrer Präferenzen freiwillig für eine weniger anspruchsvolle Beschäftigung entschieden haben", hebt Erdsiek hervor.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.


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