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26.09.2017

Management-Studie: Gruppenmitgliedschaft verleitet zum Lügen

Menschen lügen seltener, wenn sie alleine entscheiden. Das ist das Kernergebnis einer Management-Studie von Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Der Grund dafür ist, dass sich die Mitglieder von Gruppen aufeinander abstimmen, was ihrer Vorstellung nach richtig oder nicht richtig ist. Die Forscher empfehlen Unternehmen, einen Ethik-Kodex einzuführen.

Für die Studie nahmen 273 Menschen an einem Laborexperiment teil. Sie sollten das Video eines Würfelwurfs beobachten und anschließend die gewürfelte Zahl nennen. Je höher diese war, desto größer war auch eine dafür versprochene Gratifikation. Damit bestand ein Anreiz, zu lügen. Die Aufgabe wurde sowohl einzelnen Probanden als auch solchen gestellt, die sich in einem anonymen Gruppenchat über ihr Ergebnis abstimmten.

Das Ergebnis sei eindeutig, sagt Martin Kocher, Inhaber des Lehrstuhls für Verhaltensökonomik an der LMU. Selbst Teilnehmer, die sich zuvor in Einzelentscheidungen ehrlich verhalten hatten, flunkerten später im Team. Die Forscher nennen dieses Phänomen "dishonesty shift": Die Mitglieder einer Gruppe stimmen sich über ihre Normvorstellungen und die Argumente dafür und dagegen ab. "Dadurch gelingt es den einzelnen Beteiligten eher, die Norm umzuinterpretieren, als wenn sie allein entscheiden müssten", erläutert Lisa Spantig, Laborleiterin und Doktorandin am Lehrstuhl, den Prozess. Die Studie zeigte darüber hinaus, dass die Teilnehmer nach solchen Gruppenprozessen eher davon ausgehen, dass andere auch lügen - und sich dann entsprechend verhalten.

Eine Lehre für Unternehmen aus den Studienergebnissen könnte den Forschern zufolge sein, besonders auf solche unerwünschten Teamprozesse zu achten. "Es ist auffallend, dass in den großen Wirtschaftsskandalen meist Gruppen unrecht gehandelt haben", sagt Spantig. Um dem vorbeugen, könnte beispielsweise ein Ethik-Kodex helfen. Firmen sollten starke Verhaltensregeln aufstellen und überprüfen, um "die Erosion wesentlicher Normvorstellungen und ehrlichen Verhaltens in Gruppen zu verhindern", rät Assistenzprofessor Simeon Schudy.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.


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