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04.10.2017

Studie: Sinnlose Arbeit gefährdet die Produktivität

Wer erfährt, dass seine bisherige Arbeit sinnlos war, geht künftige Aufgaben demotiviert an. Der Effekt kann jedoch vermieden werden, wenn ein neuer Zweck für die bereits erledigte Aufgabe kommuniziert wird. Eine Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) weist nach, dass die Kommunikation von Vorgesetzten direkten Einfluss auf die Produktivität der Mitarbeiter hat.

140 Hilfskräfte hatten einer Forschungseinrichtung bei der Inventarisierung von Geschäftsberichten geholfen. Als das Projekt unerwartet eingestellt wurde, ermöglichte das einem Forscherteam um Sabrina Jeworrek ein Experiment: Eine Woche nach Ende der Inventur teilten sie die Beschäftigten in drei Gruppen ein und befragten sie.

Eine Gruppe wurde daran erinnert, wie bedeutungsvoll die Aufgabe war, während der zweiten mitgeteilt wurde, dass ihr geleisteter Arbeitseinsatz so gut wie umsonst war. Einer dritten Gruppe sagte man, dass die Arbeit ihren ursprünglichen Sinn verloren hatte, die Daten aber einem neuen Zweck dienen würden. Allesamt erhielten die Teilnehmer eine leistungsunabhängige Bezahlung, um finanzielle Anreize auszuschließen.

Das Kernergebnis der Studie: Arbeit ohne Sinn gefährdet die Produktivität. Die Daten des Experiments zeigten, dass sich die Bedeutsamkeit einer vorangegangenen Aufgabe sehr stark darauf auswirkt, wie motiviert Angestellte in Zukunft arbeiten. "Außerdem scheinen die Beschäftigten ihren Führungskräften sogar das Scheitern eines Projekts zu verzeihen, wenn ein neuer Zweck glaubhaft kommuniziert wird", erklärt Jeworrek. Das könne den Verlust des ursprünglichen Sinns sogar vollständig kompensieren. Vorgesetzte wären gut beraten, diesen Umstand zu beachten.

"Ein Unternehmen sollte kurzfristige Verluste in Kauf nehmen und eine neue Verwendungsmöglichkeit für die bereits erledigte Arbeit suchen", rät Jeworrek. IWH-Präsident Reint E. Gropp ergänzt: "Die Untersuchung zeigt zum ersten Mal systematisch, dass die Kommunikation von Vorgesetzten zu Beschäftigten direkte Effekte auf deren Produktivität hat, und zwar vor allem in schwierigen Situationen."

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.


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