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04.01.2018

Bewerbungsverfahren müssen DSGVO-konform gestaltet werden

Die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) tritt am 25. Mai in Kraft - gleichzeitig mit dem neuen Bundesdatenschutzgesetz (BDSG-neu). Für Unternehmen bedeutet das, sich auch bei Bewerbungsverfahren auf neue Anforderungen einstellen zu müssen. Darauf weist Klaus-Dieter Franzen, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Landesregionalleiter des Verbandes deutscher Arbeitsrechts-Anwälte (VDAA) hin.

So müssen Bewerber bereits beim Eingang der Unterlagen über die Art der Datenerhebung informiert werden. Dabei sind unter anderem Angaben zum Namen und den Kontaktdaten des Verantwortlichen sowie zum Zweck und der Dauer der Speicherung und Verarbeitung personenbezogener Daten zu machen. Auch Hinweise auf das Auskunftsrecht und das Recht, eine erteilte Einwilligung zur Datenverarbeitung jederzeit zu widerrufen, dürfen nicht fehlen.

"Auch weiterhin dürfen im Bewerbungsverfahren Fragen nach Grunddaten gestellt sowie tätigkeitsbezogene Unterlagen angefordert werden, wie etwa Zeugnisse früherer Arbeitgeber und Qualifikationsnachweise", erklärt Franzen. Es sei aber nach wie vor nicht erlaubt, Auskünfte über das Privatleben, die sexuelle Orientierung sowie über politische Ansichten oder die Weltanschauung abzufragen.

Ob es dem Unternehmen datenschutzrechtlich erlaubt ist, Daten und Informationen des Bewerbers im Internet zu suchen, sei strittig. Die Recherche in berufsbezogenen Netzwerken dürfte dem Fachanwalt zufolge zulässig sein. Nachforschungen in privaten sozialen Netzwerken würden jedoch überwiegend für unzulässig gehalten.

Wird die Stel­le besetzt, müs­sen die Bewer­bungs­un­ter­la­gen ver­nich­tet oder zurück­ge­ge­ben wer­den. Auch die Daten der abge­lehn­ten Bewer­ber müssen gelöscht wer­den. "Dies muss aller­dings nicht umge­hend gesche­hen", hebt Franzen hervor: Soll­te ein abge­lehn­ter Bewer­ber Ansprü­che wegen einer Dis­kri­mi­nie­rung aus dem All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­z gel­tend machen, müs­sen den Unter­neh­men die Daten aus dem Bewer­bungs­ver­fah­ren zur Ver­fü­gung ste­hen. Daher werde eine Spei­che­rung für die Dau­er von bis zu sechs Mona­ten nach Beset­zung der Stel­le als zuläs­sig ange­se­hen.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.


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