Nachrichten

11.03.2019

Flexible Arbeitsmodelle können klassische Rollenverteilung verstärken

Durch flexiblere Arbeitszeiten haben weder Mütter noch Väter mehr Freizeit. Wie sie Modelle wie Gleitzeit und Homeoffice allerdings nutzen, ist unterschiedlich: Väter stecken ausschließlich mehr Zeit in den Job, während sich Mütter intensiver um die Kinderbetreuung kümmern - und zusätzlich noch etwas mehr arbeiten. Das sind Kernergebnisse einer Studie der arbeitnehmernahen Hans-Böckler-Stiftung.

Auf Grundlage von Daten der repräsentativen Langzeitbefragung "Sozio-oekonomisches Panel" fand Dr. Yvonne Lott heraus, dass Mütter, die im Homeoffice arbeiten, wöchentlich eine zusätzliche Überstunde machen sowie drei Stunden mehr in die Betreuung ihrer Kinder investieren als Mütter, die nicht von Zuhause arbeiten können. Väter machen im Homeoffice zwei Überstunden, nehmen sich aber nicht mehr Zeit für die Kinder.

Ähnlich sieht es bei selbstbestimmten Arbeitszeiten aus: Hier machen Väter im Schnitt sogar vier Überstunden mehr als solche ohne flexible Arbeitszeiten. "Um die Kinder kümmern sich Väter mit derartiger ,Vertrauensarbeitszeit' hingegen sogar geringfügig weniger lang als Männer mit Kindern und festen Arbeitszeiten", berichtet Lott. Bei Müttern entfallen eine knappe Stunde mehr auf die Erwerbsarbeit und anderthalb Stunden zusätzlich auf die Kinder.

Unter dem Strich führen flexible Arbeitsmodelle der Studie zufolge also bei beiden Geschlechtern zu längeren Arbeitszeiten, jedoch zu keiner zusätzlichen Erholungszeit. Mütter seien jedoch durch die Mehrarbeit und die zusätzliche Kinderbetreuungszeit häufig doppelt belastet.

Die Forscherin macht mehrere Vorschläge zur Förderung der Gleichstellung und zur Reduzierung der Belastung von Eltern. So könnte beispielsweise die Zahl der Partner-Monate beim Elterngeld von zwei auf sechs erhöht werden. Da das Ehegattensplitting "offensichtlich eine ungleiche Verteilung zwischen den Partnern" fördere, solle es abgeschafft werden. Führungskräften rät Lott, lange Präsenz im Betrieb nicht länger mit hoher Motivation gleichzusetzen. Darüber hinaus sollten klarere Regeln für das Homeoffice und selbstbestimmte Arbeitszeiten geschaffen werden.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.


Top-Themen

Arbeitsrecht

Aus- und Fortbildungskosten: Was darf der Arbeitgeber zurückfordern?


Foto: © Zerbor - Fotolia.com
Arbeitgeber benötigen qualifizierte Mitarbeiter. Diese zu finden ist nicht immer leicht. Das bringt Unternehmen dazu, Aus- und Fortbildung selbst in die Hand zu nehmen – und damit gehen sie ein teures Wagnis ein.

mehr...
 
Personalbeschaffung

Active Sourcing als Recruiting-Instrument


Foto: © Africa Studio - Fotolia.com

Recruiting-Strategien gibt es viele. Stellenanzeigen in Jobbörsen oder auf der eigenen Homepage erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Doch auch Active Sourcing kann sich für Arbeitgeber als erfolgreiche Variante der Personalbeschaffung erweisen.

mehr...

 
Arbeitsrecht

Mitarbeitergespräche: Pflicht zur Teilnahme – aber nicht in jedem Fall!


Foto: © BartPhoto - Fotolia.com

Arbeitgeber haben das Weisungsrecht, Mitarbeitergespräche anzuordnen. Dieser Anordnung müssen Arbeitnehmer aber nicht immer Folge leisten. In welchen Fällen Arbeitgeber kein Gespräch verlangen dürfen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

mehr...

 
Digitalisierung

Big Data: Brauchen wir eine Rechenschaftspflicht für Algorithmen?


Foto: ©  kentoh - Fotolia.com

Entscheidungen, mitunter auch lebenswichtige, werden zunehmend mit Unterstützung von Algorithmen getroffen. Der rechtliche Regelungsrahmen hinkt ihrem tatsächlichen Einfluss bislang stark hinterher. Daher fordern nicht nur IT-Experten immer lauter, die Entwickler für ihre Software verantwortlich zu machen – etwa mit einer Rechenschaftspflicht für Algorithmen.

mehr...

Recruiting

Bewerbungsprozess: Unternehmen müssen mit offenen Karten spielen

Junge Frau unterschreibt Arbeitsvertrag
Foto: © nd3000 - Fotolia.com

Der Arbeitgeber ist rechtlich verpflichtet, den Bewerber auf Umstände hinzuweisen, die von erheblicher Bedeutung für die Entscheidung zum Abschluss eines Arbeitsvertrages sein können. Verletzt er diese „Aufklärungspflicht“, hat das rechtliche Konsequenzen. Welche das sind, zeigt unser Beitrag.

mehr...

 
Softwareprozesse

Digitale Transformation zu Ende gedacht


Foto: © kentoh - Fotolia.com

Wenn die Abläufe in einer Personalabteilung auf elektronischen Workflow umgestellt werden, kann es zu Schwierigkeiten kommen. Worauf Personalabteilungen bei der Suche nach Softwareunterstützung für ihre HR-Prozesse achten müssen.

mehr...

   
Empfehlungsmarketing

Recruitingstrategie: Mitarbeiterempfehlungsprogramm

Zwei junge Frauen sitzen vor einem Laptop
Foto: © Antonioguillem - Fotolia.com

Viele Personaler setzen bei der Suche nach Talenten auf das Prinzip "Mitarbeiter werben Mitarbeiter" – aus gutem Grund. Von diesem Empfehlungsmarketing profitiert nicht nur das Recruiting, sondern das Unternehmen als Ganzes.

mehr... 

 

Entgeltfortzahlungsgesetz

Arbeitsunfähig im Ausland: Regeln beachten, Konflikte vermeiden

Arzt sitzt Patient gegenüber
Foto: © Syda Productions - Fotolia.com
Wenn Beschäftigte im Ausland erkranken, schreibt ihnen das Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) besondereVerhaltensregeln vor. Halten sie sich nicht an diese gesetzlichen Vorgaben, kann der Arbeitgeber zum Beispiel die Lohnfortzahlung einstellen. So weit muss es nicht kommen, wenn beide Seiten die im Beitrag aufgeführten Regeln beachten. 

mehr... 

 

>Weitere Top-Themen