Nachrichten

16.04.2019

Kritik vom Chef kann die Kreativität hemmen

Kritik an der eigenen Arbeit kann die Kreativität entweder beflügeln oder hemmen: Es kommt darauf an, von wem sie geäußert wird. Wissenschaftler der Universität Toronto fanden heraus, dass negatives Feedback eher hinderlich ist, wenn es von einem Vorgesetzten oder einem Kollegen kommt. Bemängelt dagegen ein Mitarbeiter mit niedrigem Rang die Arbeit, werden die Kritisierten kreativer.

Dass Kritik vom Chef die Betroffenen eher hemmt, erklärt Ko-Autor Yeun Joon Kim damit, dass diese großen Einfluss auf Beförderungen oder Gehaltserhöhungen haben. Haben sie viel an der Arbeit auszusetzen, könnte dies zu Verunsicherung führen. Negative Rückmeldungen von Personen, die im Unternehmen gleichrangig sind, könnten indes als Drohung oder Warnung verstanden werden - sind sie doch diejenigen, mit denen die Kritisierten um Karrierechancen und Beförderungen kämpfen. Beide Gruppen sind folglich in der Position, Druck auszuüben.

Überraschend war für Kim dagegen, dass die Teilnehmer der zwei durchgeführten Studien tendenziell davon profitierten, wenn die Kritik von Personen kam, die im Organigramm unter ihnen selbst positioniert waren. "Das Ergebnis widerspricht zunächst der eigenen Intuition, weil viele Menschen glauben, dass man den Chef nicht kritisieren sollte." Tatsächlich waren die meisten von ihnen aber offen für Verbesserungsvorschläge und die Möglichkeit, aus ihnen zu lernen. Es sei zwar keinesfalls so, dass Vorgesetzte ihre Freude an Kritik hätten. Sie seien aber in einer Machtposition, die es ihnen erleichtert, mit dem Unbehagen eines negativen Feedbacks umzugehen.

"Das Schwierige am Managerdasein ist, auf schlechte Leistungen oder Schwachstellen von Mitarbeitern hinzuweisen", so der Wissenschaftler weiter. Das sei zwar Teil des Jobs, doch sollten sie daran denken, dass sie damit die Kreativität des Kritisierten hemmen könnten. Rangniedere Mitarbeiter würden dazu tendieren, Kritik persönlich zu nehmen. Kim empfiehlt Führungskräften daher, sie aufgabenbezogen zu formulieren und nicht die Person selbst ins Kreuzfeuer zu nehmen. Negatives Feedback sollte zudem nicht rücksichtslos, sondern sensibel und diskret geäußert werden.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.


Top-Themen

Arbeitsrecht

Aus- und Fortbildungskosten: Was darf der Arbeitgeber zurückfordern?


Foto: © Zerbor - Fotolia.com
Arbeitgeber benötigen qualifizierte Mitarbeiter. Diese zu finden ist nicht immer leicht. Das bringt Unternehmen dazu, Aus- und Fortbildung selbst in die Hand zu nehmen – und damit gehen sie ein teures Wagnis ein.

mehr...
 
Personalbeschaffung

Active Sourcing als Recruiting-Instrument


Foto: © Africa Studio - Fotolia.com

Recruiting-Strategien gibt es viele. Stellenanzeigen in Jobbörsen oder auf der eigenen Homepage erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Doch auch Active Sourcing kann sich für Arbeitgeber als erfolgreiche Variante der Personalbeschaffung erweisen.

mehr...

 
Arbeitsrecht

Mitarbeitergespräche: Pflicht zur Teilnahme – aber nicht in jedem Fall!


Foto: © BartPhoto - Fotolia.com

Arbeitgeber haben das Weisungsrecht, Mitarbeitergespräche anzuordnen. Dieser Anordnung müssen Arbeitnehmer aber nicht immer Folge leisten. In welchen Fällen Arbeitgeber kein Gespräch verlangen dürfen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

mehr...

 
Digitalisierung

Big Data: Brauchen wir eine Rechenschaftspflicht für Algorithmen?


Foto: ©  kentoh - Fotolia.com

Entscheidungen, mitunter auch lebenswichtige, werden zunehmend mit Unterstützung von Algorithmen getroffen. Der rechtliche Regelungsrahmen hinkt ihrem tatsächlichen Einfluss bislang stark hinterher. Daher fordern nicht nur IT-Experten immer lauter, die Entwickler für ihre Software verantwortlich zu machen – etwa mit einer Rechenschaftspflicht für Algorithmen.

mehr...

Recruiting

Bewerbungsprozess: Unternehmen müssen mit offenen Karten spielen

Junge Frau unterschreibt Arbeitsvertrag
Foto: © nd3000 - Fotolia.com

Der Arbeitgeber ist rechtlich verpflichtet, den Bewerber auf Umstände hinzuweisen, die von erheblicher Bedeutung für die Entscheidung zum Abschluss eines Arbeitsvertrages sein können. Verletzt er diese „Aufklärungspflicht“, hat das rechtliche Konsequenzen. Welche das sind, zeigt unser Beitrag.

mehr...

 
Softwareprozesse

Digitale Transformation zu Ende gedacht


Foto: © kentoh - Fotolia.com

Wenn die Abläufe in einer Personalabteilung auf elektronischen Workflow umgestellt werden, kann es zu Schwierigkeiten kommen. Worauf Personalabteilungen bei der Suche nach Softwareunterstützung für ihre HR-Prozesse achten müssen.

mehr...

   
Empfehlungsmarketing

Recruitingstrategie: Mitarbeiterempfehlungsprogramm

Zwei junge Frauen sitzen vor einem Laptop
Foto: © Antonioguillem - Fotolia.com

Viele Personaler setzen bei der Suche nach Talenten auf das Prinzip "Mitarbeiter werben Mitarbeiter" – aus gutem Grund. Von diesem Empfehlungsmarketing profitiert nicht nur das Recruiting, sondern das Unternehmen als Ganzes.

mehr... 

 

Entgeltfortzahlungsgesetz

Arbeitsunfähig im Ausland: Regeln beachten, Konflikte vermeiden

Arzt sitzt Patient gegenüber
Foto: © Syda Productions - Fotolia.com
Wenn Beschäftigte im Ausland erkranken, schreibt ihnen das Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) besondereVerhaltensregeln vor. Halten sie sich nicht an diese gesetzlichen Vorgaben, kann der Arbeitgeber zum Beispiel die Lohnfortzahlung einstellen. So weit muss es nicht kommen, wenn beide Seiten die im Beitrag aufgeführten Regeln beachten. 

mehr... 

 

>Weitere Top-Themen