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22.05.2019

Mutterschaft kostet Frauen viel Lohn

Flexible Arbeitszeiten erleichtern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie können jedoch nicht verhindern, dass Mütter erhebliche Einbußen beim Lohn erleiden. Um daran etwas zu ändern, brauche es Reformen bei der Elternzeit und im Steuerrecht sowie einen weiteren Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuung, heißt es in einer neuen Studie. Zudem sei ein Mentalitätswechsel vonnöten.

Datenbasis des Reports, den das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlicht hat, ist die repräsentative Langzeitbefragung Sozio-Oekonomisches Panel. Die Wissenschaftlerinnen fanden heraus, dass Mütter, die Elternzeit genommen haben und in Gleitzeit wechseln, im Schnitt noch weniger als vorher verdienen.

Ein Grund dafür könnte darin liegen, dass Arbeitgeber die Qualifikationen der Frauen durch die längeren Auszeiten als entwertet ansehen. "Das ist vor allem für höher qualifizierte Beschäftigte ein Problem", berichten Dr. Yvonne Lott und Lorena Eulgem. Des Weiteren würden viele Unternehmen Mutterschaft als Ausdruck fehlender Karriereorientierung werten. Es müsse zudem davon ausgegangen werden, dass Vereinbarkeitsprobleme Stress verursachen und dadurch die Produktivität beeinträchtigen.

Grundsätzlich habe Gleitzeit einen positiven Effekt auf die Löhne von Frauen, heißt es in der Studie weiter: "Das Vorzeichen ändert sich jedoch, wenn es um Mütter geht: Frauen, die eine längere Elternzeit hinter sich haben, verdienen 16 Prozent weniger, wenn sie in Gleitzeit wechseln." Anders als beispielsweise in den USA scheine Gleitzeit in Deutschland das "Stigma" von Mutterschaft noch zu verstärken.

Um den "offenbar stark ausgeprägten Vorurteilen" gegenüber erwerbstätigen Müttern gegenzusteuern, empfehlen die Autorinnen unter anderem die Abschaffung des Ehegattensplittings und eine Verlängerung der Partnermonate bei der Elternzeit. Zudem sollte ihrer Auffassung nach ein Recht auf Familienarbeitszeit eingeführt werden, bei der beide Partner ihre Arbeitszeit reduzieren. Progressive soziale Normen und ein gut ausgebautes Betreuungsangebot könnten viel bewirken, wie der Blick nach Schweden zeige: Dort würden Mütter ab dem 40. Lebensjahr im Schnitt mehr verdienen als kinderlose Frauen.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.


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