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01.07.2019

Ausbildung im Handwerk: Betriebe setzen auf Studienabbrecher

Circa jeder dritte Bachelorstudent in Deutschland erkennt im Lauf der Zeit, dass die Entscheidung für die akademische Laufbahn doch nicht richtig war und bricht das Studium ab. Vielen fehlte der Praxisbezug. Für sie kann die berufliche Ausbildung im Handwerk eine Alternative sein und Ausbildungsbetrieben wären die Studienabbrecher durchaus willkommen.

Junge Menschen, die ihr Bachelorstudium abbrechen, nennen als Gründe unter anderem Leistungsprobleme, finanzielle Engpässe, mangelnde Motivation und fehlenden Praxisbezug. Das geht aus einer Untersuchung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) hervor. Für die jungen Menschen stellt sich die Frage nach Alternativen zur Hochschule. Offenbar interessieren sich Studienabbrecher verstärkt für eine berufliche Ausbildung im Handwerk, denn immer mehr Handwerksbetriebe stellen Auszubildende ein, die zuvor aus dem Studium ausgestiegen sind.

Studienaussteiger gegen Bewerberengpässe

Laut der Handwerkskammer Region Stuttgart ist die Übernahme der Studienabbrecher in Ausbildung auch ein Weg, auf die angespannte Bewerbersituation zu reagieren, außerdem freuten sich die Betriebe über Bewerber mit unterschiedlicher Lebenserfahrung, sagt Patrick Wolf, Ausbildungsexperte bei der Handwerkskammer Region Stuttgart.

Meisterbrief ist dem Bachelorabschluss gleichgestellt

Das Handwerk bietet technisch Interessierten und handwerklich Begabten über 130 Ausbildungsberufe. Für viele Studienabbrecher sei eine berufliche Ausbildung im Handwerk eine positive Perspektive, die mit dem vorher vermissten Praxisbezug punkte, so Wolf. Auch schätzten leistungsstarke und motivierte junge Menschen die intensive Betreuung im Betrieb und dass die Ausbildung es ihnen ermögliche, "jeden Tag Ergebnisse zu sehen". Zudem hätten die Azubis ein eigenes Gehalt und gute Aufstiegschancen. Für Studienaussteiger gibt es die Möglichkeit, die Ausbildung um ein Jahr zu verkürzen. Parallel zur Berufsschule können sie außerdem den Titel "Management im Handwerk" (MiH) erwerben, der auch als Teil der Meisterprüfung anerkannt wird. Mit dem Meisterbrief, so der Ausbildungsexperte, hätten die Ex-Studenten überdies einen Abschluss in der Tasche, der dem Bachelor gleichgestellt ist. "Wer mit dem Studium nicht klarkommt, sollte sich rasch beraten lassen. Ein Praktikum in einem Handwerksbetrieb, beispielsweise in den Semesterferien, schafft Klarheit, wie es weitergehen kann", empfiehlt Patrick Wolf. Für Studienabbrecher werden in Kooperation mit Universitäten und Arbeitsagentur Beratungen angeboten, etwa zur verkürzten Ausbildung und zu passenden Ausbildungsbetrieben. Wolf plädiert jedoch dafür, Studienabbrüche durch eine bessere Berufsorientierung bereits im Vorfeld zu vermeiden.

Quelle: Personalwirtschaft.de


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