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11.07.2019

Deutsche Industrie mit wachsenden Digital-Kompetenzen

Laut einer aktuellen Studie des ifo Instituts lässt sich in der deutschen Industrie eine deutliche Zunahme digitaler Kompetenzen verzeichnen, wie Daten des beruflichen Netzwerks LinkedIn nahelegen.

Demnach seien in den vergangenen drei Jahren digitale Kompetenzen immer häufiger auch in den Lebensläufen von Mitarbeitern zu finden - dennoch betrage etwa bei LinkedIn die Kompetenzquote lediglich 48 Prozent. "Das ist ein überraschend niedriger Wert. In einem Land mit hoch digitalisierter Produktion würde man erwarten, dass alle Mitarbeitenden zumindest über Anwendungskompetenzen verfügen", so die Meinung des ifo Instituts. "Ein gutes Drittel (36 Prozent) der Mitglieder besitzt sogenannte digitale Fachkompetenzen. Das sind genau die Fähigkeiten, die es ermöglichen, die Digitalisierung in Unternehmen voranzutreiben und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln." Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) ergänzt: "Digitale Kompetenzen sind entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Die Studie zeigt, dass es noch Luft nach oben gibt."

Ähnlich sehen es die Experten von LinkedIn: "Die Ergebnisse zeigen, dass es in Deutschland Aufholbedarf gibt", wie aus der Geschäftsführung für Deutschland, Österreich und die Schweiz zu hören ist. "Um im globalen Wettbewerb bestehen zu können, müssen wir die Chancen der Digitalisierung nutzen, diese gestalten und vorantreiben. Dazu brauchen wir Mitarbeiter und Führungspersönlichkeiten, die neue Technologien auf der einen Seite verstehen und anwenden, sie auf der anderen Seite aber auch eigenständig entwickeln können. Es ist Aufgabe von Politik, Bildungsinstitutionen, aber auch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, sicherzustellen, dass wir bei diesem Thema den Anschluss nicht verlieren und dass alle von den Chancen der Digitalisierung profitieren."

Während in der Studie nur 25 Prozent der Vorstände digitale Fachkompetenzen angegeben hätten, seien es bei den Managern 30 Prozent, bei Angestellten 40 Prozent und bei Berufseinsteigern immerhin 41 Prozent. Mit der Höhe der Hierarchie nehme also die Fachkompetenz im Digitalbereich ab. "Das ist bedenklich, denn digitaler Wandel ist in der Regel erfolgreicher, wenn er von der Unternehmensspitze her vorangetrieben wird", darin sind sich die Fachleute einig. "Lebenslanges Lernen ist dabei das A und O. Wir brauchen eine neue Weiterbildungskultur, die lebenslanges Lernen für jeden und jede unabhängig der Branche oder der beruflichen Tätigkeit selbstverständlich sein lässt."

Innerhalb der Berufsgruppen nehmen laut Erhebung die Softwareentwickler mit 88 Prozent wie erwartet den Spitzenplatz ein, das Schlusslicht bildeten die Vertriebsspezialisten mit 21 Prozent. Auch die Unternehmensgröße spiele eine Rolle: Beschäftigte in Konzernen besitzen demnach mit 41 Prozent deutlich mehr digitale Fachkompetenzen als Mitarbeiter in kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU).

"Wenn der Aufbau digitaler Fachkompetenzen bei den KMU langsamer vorangeht, muss man fragen, ob diese besondere Unterstützung benötigen", geben die Spezialisten zu bedenken. "Wichtig ist, dass Weiterbildung praxisnah und bedarfsorientiert erfolgt und in enger Abstimmung zwischen Unternehmen und Beschäftigten. Die Unternehmen wissen um die Bedeutung von Weiterbildung: Sie investieren schon heute jährlich 33,5 Milliarden Euro in die Weiterbildung ihrer Beschäftigten."

Erhebliche Unterschiede bei den Angaben zu digitaler Fachkompetenz seien übrigens im Vergleich deutscher Großstädte auszumachen: Gegenüber München mit dem Top-Wert von 45 Prozent stehe etwas Leipzig mit gerade einmal 29 Prozent; Berlin komme auf 42 Prozent. "Wenn alle an den Vorteilen der Digitalisierung teilhaben sollen, muss die Politik darauf achten, dass sich diese Ungleichheiten nicht verstärken", lautet daher das abschließende Statement des ifo Zentrums.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Dr. Frank Walpuski.


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