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19.07.2019

Viele Arbeitnehmer noch immer ohne Mindestlohn

Laut einer aktuellen Studie erhielten im Jahr 2017 über eine Million Beschäftige weniger als den vorgeschriebenen Mindestlohn, obwohl ihnen ein Stundenlohn von 8,84 Euro zugestanden hätte - nach einer gerade erfolgten Mindestlohnerhöhung zu Beginn des gleichen Jahres.

Zahlreiche anspruchsberechtigte Arbeitnehmer würden den vor rund vier Jahren in Deutschland eingeführten allgemeinen Mindestlohn nicht bekommen, so neue Berechnungen auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. 1,3 Millionen Beschäftige in Haupttätigkeit und rund eine halbe Million in Nebentätigkeit erhielten demnach während des Jahres 2017 weniger als 8,84 Euro pro Stunde. Diese Werte entsprächen im Kern den Ergebnissen bisheriger Erhebungen: "Nach wie vor bekommen in Deutschland viele Beschäftigte nicht den Stundenlohn, der ihnen gesetzlich zusteht".

Das gelte besonders für Branchen wie das Gastgewerbe, den Einzelhandel, bei persönlichen Dienstleistungen und in der Leih- und Zeitarbeit. Auch spiele die Betriebsgröße eine Rolle, denn in Klein- und Kleinstbetrieben würde eher unterhalb der Mindestlohngrenze bezahlt als in größeren Firmen. Unterschiede gebe es zudem zwischen den alten und neuen Bundesländern, da im Osten der Mindestlohn seltener gezahlt werde, benachteiligt seien außerdem junge Arbeitnehmer bis 24 Jahren, Frauen sowie ausländische Beschäftigte.

Angesichts dieser Fakten fordern Experten praktikable Lösungen: "Unternehmen, die den Mindestlohn einhalten, sollten keine Wettbewerbsnachteile gegenüber Arbeitgebern haben, die das nicht tun. Denkbar wäre eine ,Fair Pay'- Plakette als Anreiz."

Der Handlungsbedarf sei enorm, "denn flächendeckende und intensive Kontrollen des Zolls, der die Einhaltung des Mindestlohns kontrollieren soll, gibt es mangels Personal bisher praktisch nicht", darin sind die Fachleute sich einig. Eine "Fair Pay"-Plakette würde jedoch den Arbeitgebern quasi ein Zertifikat ausstellen, das die Arbeitszeit ihrer Angestellten wirksam dokumentiere. "Die Verbraucherinnen und Verbraucher könnten dann mit ihrem Geldbeutel etwas bewegen, da sie sich bewusst dafür entscheiden können, zum Beispiel in Restaurants mit der ,Fair Pay'-Plakette zu essen", so ihr Fazit. "Dies wäre ein Beitrag im Sinne der Konsumentensouveränität."

Dieser Beitrag wurde erstellt von Dr. Frank Walpuski.


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