Nachrichten

10.09.2019

Office 365 steht weiter in der Kritik von Datenschützern

Seit Monaten wird wiederholt über Datenschutz-Probleme und Verstöße gegen die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) beim Microsoft-Produkt Office 365 berichtet. Ein Experte kommt nun zu der Einschätzung, dass der Konzern zwar nachgebessert hat. Von einem datenschutzkonformen Einsatz könne aber nach wie vor nicht ausgegangen werden. Er rät Unternehmen, Alternativen in Betracht zu ziehen.

"Das Thema ist immer noch hochaktuell und keineswegs gelöst", sagt Dr. Jörn Voßbein, Datenschutzexperte bei der Beratung UIMC. Bereits 2018 sei die niederländische Regierung zu dem Ergebnis gekommen, dass Microsoft gegen die DSGVO verstoße. Seinerzeit hieß es, dass das Unternehmen systematisch und in großem Umfang Daten über die individuelle Nutzung von Word, Excel, PowerPoint und Outlook sammele, ohne die Nutzer oder das einsetzende Unternehmen zu informieren. Daraufhin sagte der Konzern Änderungen zu.

Nun sei zwar nach unabhängigen Untersuchungen ein "relativ hohes Datenschutzniveau" für Inhaltsdaten erreicht, heißt es bei UIMC weiter. Risiken durch die Verarbeitung der Telemetrie- und Diagnosedaten würden aber weiterhin bestehen. Im April 2019 hatte das Fachportal Heise berichtet, dass Office 365 Telemetrie-Daten noch vor der Zustimmung zur zugehörigen Einverständniserklärung an Microsoft sende.

Für Unternehmen ergebe sich daraus die Notwendigkeit einer Datenschutzfolgenabschätzung, heißt es bei UIMC weiter. Dazu könne eine Konsultation der Aufsichtsbehörde notwendig sein. "Ungeklärt und hochproblematisch" bleibe es, dass nicht alle Risiken vom Anwender selbst entschärft werden können. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann aufgrund der Faktenlage nicht von der Möglichkeit eines datenschutzkonformen Einsatzes ausgegangen werden", fasst Voßbein zusammen.

Unternehmen sollten daher genau prüfen, ob die Vorteile oder die Nachteile durch den Einsatz des Produktes überwiegen und eventuell Alternativen in Betracht zu ziehen. Die Wirtschaftlichkeit, aber auch die im Raum stehenden hohen Geldstrafen bei Verstößen gegen die DSGVO sollten dabei berücksichtigt werden.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.


Top-Themen

Arbeitsrecht

Aus- und Fortbildungskosten: Was darf der Arbeitgeber zurückfordern?


Foto: © Zerbor - Fotolia.com
Arbeitgeber benötigen qualifizierte Mitarbeiter. Diese zu finden ist nicht immer leicht. Das bringt Unternehmen dazu, Aus- und Fortbildung selbst in die Hand zu nehmen – und damit gehen sie ein teures Wagnis ein.

mehr...
 
Personalbeschaffung

Active Sourcing als Recruiting-Instrument


Foto: © Africa Studio - Fotolia.com

Recruiting-Strategien gibt es viele. Stellenanzeigen in Jobbörsen oder auf der eigenen Homepage erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Doch auch Active Sourcing kann sich für Arbeitgeber als erfolgreiche Variante der Personalbeschaffung erweisen.

mehr...

 
Arbeitsrecht

Mitarbeitergespräche: Pflicht zur Teilnahme – aber nicht in jedem Fall!


Foto: © BartPhoto - Fotolia.com

Arbeitgeber haben das Weisungsrecht, Mitarbeitergespräche anzuordnen. Dieser Anordnung müssen Arbeitnehmer aber nicht immer Folge leisten. In welchen Fällen Arbeitgeber kein Gespräch verlangen dürfen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

mehr...

 
Digitalisierung

Big Data: Brauchen wir eine Rechenschaftspflicht für Algorithmen?


Foto: ©  kentoh - Fotolia.com

Entscheidungen, mitunter auch lebenswichtige, werden zunehmend mit Unterstützung von Algorithmen getroffen. Der rechtliche Regelungsrahmen hinkt ihrem tatsächlichen Einfluss bislang stark hinterher. Daher fordern nicht nur IT-Experten immer lauter, die Entwickler für ihre Software verantwortlich zu machen – etwa mit einer Rechenschaftspflicht für Algorithmen.

mehr...

Recruiting

Bewerbungsprozess: Unternehmen müssen mit offenen Karten spielen

Junge Frau unterschreibt Arbeitsvertrag
Foto: © nd3000 - Fotolia.com

Der Arbeitgeber ist rechtlich verpflichtet, den Bewerber auf Umstände hinzuweisen, die von erheblicher Bedeutung für die Entscheidung zum Abschluss eines Arbeitsvertrages sein können. Verletzt er diese „Aufklärungspflicht“, hat das rechtliche Konsequenzen. Welche das sind, zeigt unser Beitrag.

mehr...

 
Softwareprozesse

Digitale Transformation zu Ende gedacht


Foto: © kentoh - Fotolia.com

Wenn die Abläufe in einer Personalabteilung auf elektronischen Workflow umgestellt werden, kann es zu Schwierigkeiten kommen. Worauf Personalabteilungen bei der Suche nach Softwareunterstützung für ihre HR-Prozesse achten müssen.

mehr...

   
Empfehlungsmarketing

Recruitingstrategie: Mitarbeiterempfehlungsprogramm

Zwei junge Frauen sitzen vor einem Laptop
Foto: © Antonioguillem - Fotolia.com

Viele Personaler setzen bei der Suche nach Talenten auf das Prinzip "Mitarbeiter werben Mitarbeiter" – aus gutem Grund. Von diesem Empfehlungsmarketing profitiert nicht nur das Recruiting, sondern das Unternehmen als Ganzes.

mehr... 

 

Entgeltfortzahlungsgesetz

Arbeitsunfähig im Ausland: Regeln beachten, Konflikte vermeiden

Arzt sitzt Patient gegenüber
Foto: © Syda Productions - Fotolia.com
Wenn Beschäftigte im Ausland erkranken, schreibt ihnen das Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) besondereVerhaltensregeln vor. Halten sie sich nicht an diese gesetzlichen Vorgaben, kann der Arbeitgeber zum Beispiel die Lohnfortzahlung einstellen. So weit muss es nicht kommen, wenn beide Seiten die im Beitrag aufgeführten Regeln beachten. 

mehr... 

 

>Weitere Top-Themen