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10.08.2017

Kronzeugenprogramme sind effektives Mittel gegen Kartelle

Kronzeugenregelungen sind ein wirksames Mittel, um Kartellen auf die Spur zu kommen. Das zeigt eine empirische Analyse des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Stellen sich verstrickte Unternehmen als Kronzeuge zur Verfügung, können sie nach EU-Recht drohende Geldbußen schmälern oder sogar ganz vermeiden. Ob jemand spricht, sei aber Ergebnis heterogener Einzelentscheidungen.

Für die Studie hat das ZEW 76 Entscheidungen der EU-Kommission zu Kartellvergehen zwischen 2000 und 2011 analysiert. Davon waren 442 Unternehmen und gegebenenfalls mithaftende Tochterfirmen betroffen. Die Wissenschaftler haben untersucht, worin sich Unternehmen mit vollständigem Bußgelderlass von solchen unterscheiden, die bestraft wurden.

Die Macht des Geldes

"Der Zusammenbruch eines Kartells beziehungsweise das Ausscheren eines Mitglieds aus der illegalen Vereinbarung sind Ergebnisse von heterogenen Einzelentscheidungen", erklärt Professor Dr. Kai Hüschelrath, Mitautor der Studie. Die Ergebnisse zeigten, dass Wiederholungstäter vor Einführung des revidierten Kronzeugenprogramms erst ab einer bestimmten Höhe des vorherigen Bußgeldes mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu Kronzeugen wurden.

2002 überarbeitete die EU das Programm. Seitdem wurden Wiederholungstäter mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu Kronzeugen. "Je höher der Grundbetrag der Geldbuße gegen ein Kartellmitglied, desto eher trat dieses Unternehmen als Kronzeuge gegen seine ehemaligen Komplizen auf", so Hüschelrath weiter.

Unternehmen mit starker Marktposition werden eher zu Kronzeugen

Darüber hinaus gibt es auch einen positiven Zusammenhang zwischen dem Kronzeugenstatus und dem Multinationalitätsgrad des Unternehmens sowie der Größe seines Marktanteils. Wenn ein an einem Kartell beteiligtes Unternehmen in mehreren Ländern aktiv ist und ohnehin eine starke Marktposition innehat, wird es eher zum Kronzeugen.

Aktueller Kartellverdachtsfall in der Autoindustrie

Die Anreize für Unternehmen, sich der Europäischen Kommission als Kronzeuge zur Verfügung zu stellen, wirken also offensichtlich. Möglicherweise spielte das auch im aktuellen Kartellverdachtsfall in der Autoindustrie eine Rolle. Medienberichten zufolge reichte Daimler offenbar Selbstanzeige ein, kam VW damit zuvor und könnte am Ende auf Straffreiheit hoffen.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.


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