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11.07.2018

Neue Bewegungen in der Lebensversicherung - Provisionsdeckel ja oder nein?

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) will ihn und auch das Bundesfinanzministerium (BMF) denkt laut darüber nach: einen Provisionsdeckel in der Lebens- und Rentenversicherung. Dem BMF geht laut Evaluierungsbericht zu dem 2014 verabschiedeten Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) der Rückgang bei den Provisionen und Courtagen nicht weit genug.

Zwar gibt es laut BMF in absoluten Zahlen deutlich geringere Vergütungen für den Außendienst als noch 2013. Doch da vor allem im Jahr 2017 das Neugeschäft deutlich zurückgegangen ist, ließen sich die Zahlen nicht eins zu eins vergleichen. Dennoch ist eine Entwicklung zu erkennen.

5 % weniger Vermittlungsgebühren

Laut BMF machen die Vergütungen für gebundene und freie Vermittler nach wie vor das Gros der Abschluss- und Verwaltungsgebühren aus, nämlich fast zwei Drittel. Durch das LVRG sind sie ausgehend vom Jahr 2013, als sie rund 5,4 Mrd. EUR betrugen, auf etwa 4,7 Mrd. EUR im Jahr 2017 gesunken, also etwa um 13 % bzw. 700 Mio. EUR. Um beide Größen vergleichen zu können, hat das BMF mit tatsächlich gezahlten Geldern in Kosteneinheiten gerechnet, die sich auf die Laufzeit beziehen. Auf dieser Basis seien die Vermittlervergütungen im Jahr 2017 5,1 % niedriger gewesen als 2013. Daher betrage die Kostenentlastung nicht 700 Mio. EUR, sondern nur 200 Mio. EUR - zu wenig für die Finanzbeamten. Daher seien "weitere Anstrengungen der Lebensversicherer" nötig. Die Kostensenkung soll nach dem Willen des Ministeriums mithilfe eines Provisionsdeckels erreicht werden. Wo genau die Deckelung liegen soll, ließ das Papier offen.

Auffällig an den BMF-Zahlen ist der drastische Anstieg der laufenden Provisionen um gut 45 %. Dagegen sanken die Zuwendungen bei Neuverträgen. Die größten Einbußen durch das LVRG mussten die Makler hinnehmen. Während ihre Einnahmen aus Courtagen um 7,3 % sanken, mussten die Vertreter nur knapp 2,9 % Einbußen hinnehmen.

"Eingriff in die Gewerbefreiheit"

Die Branche reagiert mit Unverständnis auf den BMF-Vorstoß. So hat etwa der Vorstand der Bayerischen, Martin Gräfer, in einer Stellungnahme des Versicherers betont: "Eine politische Regulierung ist schlicht nicht notwendig, der Vorschlag führt zu einem unnötigen weiteren staatlichen Eingriff in die private Wirtschaft und in die verfassungsrechtlich garantierte Gewerbefreiheit. Und das ohne Not." Eine qualifizierte Beratung habe einen wesentlichen Wert und koste daher auch Geld. Provisionen seien dabei eine wichtige Einnahmequelle für Versicherungsvermittler, ergänzte er. In seinem Hause beispielsweise betrug der Rückgang bei Abschlussprovisionen für die Altersvorsorge rund 20 %. Gleichzeitig aber sei der Aufwand für qualifizierte Beratung deutlich gestiegen.

Insgesamt würden Versicherungsvermittler weitaus weniger verdienen als andere beratende Berufe, wenn man den Aufwand sehe, so Gräfer weiter. Nach Untersuchungen zum Beispiel des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute würden viele Versicherungsvermittler weniger als 50.000 EUR im Jahr verdienen - wobei sie überdies über lange Zeiträume für die einmal ausgezahlte Vergütung haften. Zum Vergleich würden Steuerberater und Rechtsanwälte im Schnitt fast 80.000 EUR verdienen. Ein gesetzlicher Provisionsdeckel, der alle Sparten der Lebensversicherung trifft - also neben den Produkten der Altersvorsorge auch die biometrischen Produkte - werde dazu führen, dass sich die Anzahl der qualifizierten Berater weiter reduziert und breite Bevölkerungsschichten so keinen Zugang zu einer Vorsorgeberatung erhalten. "Und ob es vorteilhaft ist, Produkte online und ohne Beratung selbst einzukaufen, wage ich zu bezweifeln", betont der Chef der Bayerischen.

Neugeschäft und schrumpfende Bestände

Die Unternehmen reagieren unterschiedlich auf die Krise der Lebensversicherung. Während sich einige - wie die Generali - dazu entschließen, ihre Bestände zu verkaufen und damit ein echtes Vertrauensproblem in einer Branche verursachen, die ohnehin ein denkbar schlechtes Image hat, versuchen andere aus eigener Kraft die Situation in den Griff zu bekommen. Beispiel Allianz: Sie plant offenbar speziell für junge Kunden ein neues Lebensversicherungs-Produkt, um die Rückwärtsentwicklung aufzufangen. Es handelt sich um ein digitales und flexibles Produkt ohne feststehende Ein- und Auszahlungstermine. Möglich ist daher, dass die Beitragszahlung jederzeit pausieren oder in ihre Höhe angepasst werden kann. Auch Teilauszahlungen und Sondereinzahlungen liegen nahe. Ob damit der Rückgang im Neugeschäft - nicht nur der Allianz - aufgehalten werden kann, ist fraglich. Seit 2014 sind branchenweit gut 10 % weniger Lebensprodukte abgeschlossen worden. Der Bestand ist von 89,6 Mio. Verträge im Jahr 2013 auf 84,1 Mio. Ende 2017 geschrumpft.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Elke Pohl.


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