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25.01.2019

Familienunternehmen - traditionelle Werte im Digital-Zeitalter

Der überwiegend klassisch konservative Wertekanon deutscher Familienunternehmen wird nur selten zur Steigerung von Bekanntheit und Umsatz eingesetzt, wie eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zeigt. Dabei könnten Unternehmenswerte auch bei der Mitarbeitersuche von Vorteil sein.

In 53 Ländern wurden für den "Family Business Survey 2018" von PwC nahezu 3.000 Familienunternehmer befragt, 171 davon aus Deutschland. Deutliche Wertvorstellungen spielen demnach in deutschen Familienunternehmen eine große Rolle, mehr als drei Viertel von ihnen bekennen sich dazu. Allerdings sehen laut Erhebung nur 52 Prozent eine Steigerung von Profitabilität und Umsatz aufgrund dieser Werte, an einen wertbedingt höheren Bekanntheitsgrad der eigenen Marke glauben lediglich 45 Prozent.

"Tue Gutes, rede aber nicht darüber - das scheint weiter der Leitsatz deutscher Familienunternehmer zu sein", erläutert ein Experte von PwC. "Doch so sympathisch Bescheidenheit auch ist: Klappern gehört heute mehr denn je zum Geschäft. Werte zu haben und Werte zu leben, ist ein großer Vorteil, den Familienunternehmen im Wettbewerb um Mitarbeiter und Kunden ausspielen sollten." Ein verantwortungsvolles Unternehmertum sei für 88 Prozent der deutschen Familienunternehmen Pflicht - mit traditionellen Werten wie Integrität und Ehrlichkeit, Mitarbeiterorientierung, Respekt und Nachhaltigkeit.

"Diese Werte sind nach wie vor enorm wichtig, weil sie in disruptiven Zeiten für Stabilität sorgen und sich Familienunternehmen damit gegenüber den von ihren Quartalsergebnissen getriebenen Großkonzernen abgrenzen können", so die Expertenmeinung. "Aber in einer Zeit, in der Digitalisierung, Fachkräftemangel, politische Instabilität im In- und Ausland und Urbanisierung die ,neue Normalität' darstellen, ist es notwendig, den klassisch-konservativen Kanon zu erweitern. Mut, Offenheit, Flexibilität, Fehlerkultur sollten den Wertekanon ergänzen oder Teile ersetzen. Diese Eigenschaften tragen wesentlich zum Erfolg eines Unternehmens bei und können sogar eine existenzielle Bedeutung bekommen."

Der zentralen Herausforderung eines unaufhaltsamen digitalen Wandels wollen sich der Studie zufolge 70 Prozent der Familienunternehmen erfolgreich stellen, allerdings planten nur neun Prozent grundlegende Veränderungen ihres Geschäftsmodells - und lediglich 13 Prozent gingen von Umsatzsteigerungen durch neue Produkte und Services aus. Mit einer Gefährdung der eigenen Firma durch Digitalisierung rechne knapp ein Viertel der Befragten. Fachleute warnen: "Vom digitalen Wandel wird ausnahmslos jedes Unternehmen in den kommenden Jahren in irgendeiner Form betroffen sein."

Angesichts des gravierenden Fachkräftemangels, den 84 Prozent der Familienunternehmen als größtes Zukunftsrisiko einschätzten, könnten die Betriebe bei Stellenangeboten gerade mit den besonderen firmeneigenen Werten punkten: Schließlich wäre für 91 Prozent der Befragten das wichtigste Ziel der kommenden zwei Jahre die Gewinnung und Bindung von Talenten. Empfehlenswert sei es daher, "Werte bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter offensiv nach außen zu kommunizieren", lautet ein Resümee der Erhebung. "Die jüngere Mitarbeitergeneration definiert die Attraktivität eines Arbeitgebers nicht so sehr über Aufgaben und Geld, sondern auch darüber, ob sich ein Unternehmen im gesellschaftlichen, ökologischen und sozialen Bereich engagiert und über einen zeitgemäßen Wertekanon verfügt."

Dieser Beitrag wurde erstellt von Dr. Frank Walpuski.


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