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29.01.2020

Präsentismus ist schädlich, aber verbreitet

Präsentismus, also trotz Krankheit zur Arbeit zu gehen, ist in Deutschland weitverbreitet. Gründe dafür gibt es mehrere, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Gegensteuern lohnt sich, weil das Phänomen erhebliche Kosten und Produktivitätsverluste für Arbeitgeber verursachen kann. Beschäftigte und Unternehmen sind gleichermaßen in der Pflicht.

Wer krank zur Arbeit geht, riskiert nicht nur, sein Leiden zu verschleppen. Gegebenenfalls können auch Kollegen oder gar Kunden angesteckt werden. Besonders gravierend kann sich Präsentismus beispielsweise im Pflegebereich auswirken, wo Patienten gesundheitlich ohnehin schon angeschlagen sind. Eine Studie hat darüber hinaus belegt, dass Personen, die öfter als sechsmal im Jahr krank zur Arbeit erscheinen, im Vergleich zu Personen, die nicht oder nur einmal im Jahr krank zur Arbeit erscheinen, eine um 74 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit aufweisen, später länger als zwei Monate krankheitsbedingt auszufallen.

Präsentismus ist keine Randerscheinung. Einer Beschäftigtenbefragung von 2017 zufolge gaben 68,6 Prozent an, 2016 mindestens einmal krank zur Arbeit erschienen zu sein. Es gibt mehrere Gründe dafür, warum eine Krankheit mitunter ignoriert wird, berichtet das IAB weiter. Dazu können das individuelle Arbeitsethos und ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl zählen. Die Unternehmenskultur könne ebenfalls eine Rolle spielen - etwa, wenn die physische Anwesenheit der Beschäftigten als sehr wichtig erachtet wird oder hoher Termindruck besteht. Darüber hinaus können auch konjunkturelle Faktoren Präsentismus begünstigen.

Die Wissenschaftler heben auf Grundlage der Ergebnisse hervor, dass der Krankenstand allein nicht ausreicht, um belastbare Aussagen darüber zu treffen, wie gesund eine Belegschaft ist. Anreize, die Abwesenheit reduzieren sollen, seien eher kritisch zu bewerten. Auch sei ein Umdenken im öffentlichen Bewusstsein nötig: Eine krankheitsbedingte Abwesenheit vom Arbeitsplatz dürfe nicht stigmatisiert werden.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.


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