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09.04.2020

Insolvenz-Befürchtungen bei vielen Unternehmen in Deutschland

Laut einer aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) erwarten mehr als 80 Prozent aller deutschen Unternehmen für das Jahr 2020 ein deutliches Umsatzminus. Zugleich geht fast jede fünfte Firma in Deutschland von einer drohenden Insolvenz aus.

Wie die DIHK-Blitzumfrage unter 15.000 Betrieben aller Branchen und Regionen bundesweit zeigt, schreibt zurzeit jedes vierte Unternehmen mehr als die Hälfte seines Umsatzes für das Gesamtjahr 2020 ab. Innerhalb eines Zeitraums von drei Wochen habe sich die Anzahl der von der Corona-Krise stark betroffenen Firmen nahezu verdoppelt - und wegen schwindender Liquidität stehe bereits die Existenz zahlreicher Betriebe auf dem Spiel.

Noch einen Monat zuvor seien nur knapp 50 Prozent der Unternehmen so pessimistisch gewesen, wie eine Vorumfrage Anfang März bei den Branchen aller Regionen Deutschlands ergeben habe. Inzwischen werde die Pandemie-Krise laut DIHK als "epochale Herausforderung" angesehen, die für "einen einmaligen Einbruch der deutschen Wirtschaft" verantwortlich sei.

"Damit spitzt sich die Krise dramatisch zu", kommentiert DIHK-Präsident Eric Schweitzer die Ergebnisse der Erhebung. "Das sollte nun alle Alarmleuchten angehen lassen: Wenn wir uns dieser Entwicklung nicht entschieden entgegenstellen, erleben wir wirtschaftliche Schäden von historischem Ausmaß." Gerade noch vier Prozent aller Unternehmen gingen davon aus, das Jahr ohne Umsatzminus zu überstehen.

"Das Paket der Bundesregierung bietet vor allem Sofortzuschüsse für Kleinstunternehmen und in Notfällen auch direkte Kapitalspritzen für große Unternehmen an", erläutert Schweitzer. "Es tut sich aber noch eine gefährliche Lücke insbesondere bei mittelständischen Unternehmen auf. Dort kann die Liquiditätslücke bei aktuellen Umsätzen nahe Null und absolut unsicherer Perspektive nicht mit Kreditprogrammen im banküblichen Verfahren geschlossen werden."

Neben den Liquiditätsengpässen, die vier von zehn Firmen belasteten, stelle vor allem der Stillstand des Geschäftslebens 43 Prozent der Unternehmen vor erhebliche Probleme. "Deshalb ist es so wichtig, dass die versprochenen Hilfen jetzt wirklich ankommen. Denn wenn der Umsatz über Nacht wegbricht und viele Kosten gleichzeitig weiterlaufen, ist das ein Wettlauf mit der Zeit", mahnt Schweitzer. "Die Zahl der betroffenen Unternehmen hat sich durch die angeordneten Einschränkungen des öffentlichen Lebens von Woche zu Woche schnell erhöht. Bislang ist von den Hilfen noch wenig angekommen." Dementsprechend werde es gerade zum Monatswechsel "für viele ganz eng".

Unter den versprochenen Hilfsmaßnahmen sehen, so die Umfrage, 84 Prozent der Betriebe das Kurzarbeitergeld als besonders relevant an. Staatliche Zuschüsse seien für mehr als zwei Drittel der Firmen eigenen Angaben zufolge überlebenswichtig. "Für kleine Betriebe ist das die wichtigste Unterstützung", stellt der DIHK-Präsident klar. "Ein zentrales Element sind Steuerstundungen sowie die Anpassung der Steuervorauszahlungen (60 Prozent). Damit bleibt Geld in den Betrieben, um sie in dieser schwierigen Phase zu stabilisieren."

Dieser Beitrag wurde erstellt von Dr. Frank Walpuski.


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