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28.04.2020

Niedriges Gehalt, hohes Infektionsrisiko: Geringqualifizierte leiden in der Corona-Krise doppelt

Geringverdiener trifft die Corona-Krise besonders hart. Während Hochqualifizierte vom Homeoffice profitieren, werden Beschäftigte mit niedrigem Bildungsabschluss eher zu Stundenreduzierungen gezwungen. Zudem arbeiten sie oft in Branchen, die mit einem erhöhten Infektionsrisiko einhergehen. Das zeigt eine Studie aus den Niederlanden, deren Ergebnisse aber auf Deutschland übertragbar sein dürften.

Für das Forschungsprojekt Covid Impact Lab wurden in der zweiten Märzhälfte rund 5.550 Personen im Nachbarstaat befragt. Demnach verdoppelte sich der Anteil der Arbeitnehmer, die mindestens zwei Stunden pro Tag im Homeoffice arbeiten, von 27 auf 54 Prozent. Allerdings lag die Quote bei den Hochqualifizierten bei 76 Prozent, während von den Geringqualifizierten nur 31 Prozent von zu Hause aus arbeiteten.

"Ein Grund besteht darin, dass Beschäftigte mit niedrigerer Qualifikation öfter in Berufen arbeiten, in denen sich die Tätigkeit nicht ins Homeoffice verlagern lässt, etwa im Einzelhandel oder der Gastronomie", berichtet das Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA), das an der Studie beteiligt ist. Bei ihnen komme es daher häufiger zu Entlassungen oder deutlichen Stundenreduzierungen. Da sie den entgangenen Arbeitslohn mangels finanzieller Rücklagen in den kommenden Monaten nur schwer wieder ausgleichen können, würden sie in besonderem Maße auf staatliche Unterstützung angewiesen sein.

Ein weiterer Faktor ist der gewählte Beruf: Geringqualifizierte sind häufig in systemrelevanten Bereichen wie der Pflege oder dem Lebensmitteleinzelhandel tätig. "Ihr Job ist zwar aktuell gesichert, sie sind jedoch einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt", konstatieren die Forscher. Im Gegensatz dazu seien Arbeitnehmer im Homeoffice doppelt geschützt: vor Infektionen und Einkommensverlusten.

Die Datenerhebung in Deutschland ist noch im Gange. "Es zeigen sich aber erste Tendenzen, die in dieselbe Richtung gehen", erklärt Hans-Martin von Gaudecker von der Universität Bonn. Es werde deutlich, dass Nicht-Akademiker auch hier das Nachsehen haben und ihre Arbeit nicht von zu Hause ausüben können.

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.


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