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24.09.2020

Datenschutz spielt bei Zeiterfassung per Fingerabdruck besondere Rolle

Die Arbeitszeiterfassung per Fingerabdruck ist technisch möglich und kann helfen, Missbrauch mit den klassischen Stempelkarten zu unterbinden. Sie darf aber nur unter strengen Voraussetzungen genutzt werden, hebt Dr. Jörn Voßbein von der Beratung UIMC mit Verweis auf ein aktuelles Gerichtsurteil hervor. Er rät dazu, eine solche Maßnahme im Vorfeld mit einem Datenschutzbeauftragten abzuklären.

In dem konkreten Fall führte der Arbeitgeber in seiner radiologischen Praxis ein neues Zeiterfassungssystem ein. Mitarbeiter mussten sich per Fingerabdruck an- und abmelden. Hierzu wurden individuelle Fingerlinienverzweigungen herausgefiltert und mit den zuvor im Erfassungsterminal gespeicherten Daten verglichen.

Ein Mitarbeiter verweigerte die Teilnahme an dem Verfahren und erhielt dafür zwei Abmahnungen, die er gerichtlich wieder entfernt wissen wollte. Sein Arbeitgeber hielt die Verarbeitung dagegen für erforderlich, da Stempelkarten oder PINs an Kollegen weitergegeben und damit betrogen werden könne. Sowohl das Arbeitsgericht (ArbG) Berlin als auch das Landesarbeitsgericht (LAG Berlin-Brandenburg, Az.: 10 Sa 2130/19) entschieden jedoch auf Entfernung der Abmahnungen aus der Personalakte.

Zur Begründung hieß es, dass es sich um biometrische Daten handele, auch wenn das System nur Fingerlinienverzweigungen verarbeite. Sie fallen damit unter die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und als personenbezogene Daten auch unter das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG). Eine Verarbeitung sei nur möglich, wenn der Arbeitnehmer dieser zustimme, eine entsprechende Kollektivvereinbarung geschlossen werde oder die Datenverarbeitung zwingend erforderlich sei.

"Das Unternehmen hat mit dem Fingerprintsystem sicherlich einen ordentlichen Betrag in den Sand gesetzt", kommentiert UIMC-Geschäftsführer Dr. Jörn Voßbein das Ergebnis. Besser wäre es aus seiner Sicht gewesen, wenn das Unternehmen im Vorfeld einen Datenschutzbeauftragten konsultiert hätte: "Das hätte Geld und Ärger gespart sowie das Betriebsklima geschont."

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.


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