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13.10.2020

Neuer Reformvorschlag für das Ehegattensplitting

Das Ehegattensplitting setzt Anreize für die Zweitverdiener - meist sind das Frauen -, nicht arbeiten zu gehen. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hat alternative Modelle untersucht. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass ein Realsplitting mit niedrigem Übertragungsbetrag sowohl die Frauenerwerbsbeteiligung fördert als auch zu Steuermehreinnahmen führen würde.

Das Ehegattensplitting wurde in den 1950er-Jahren eingeführt. Aufgrund der hohen Steuersätze bei Zweitverdienern reduziert sich jedoch die Arbeitsmarktbeteiligung vor allem von Frauen. Ansätze, dies zu ändern, gibt es bereits viele. Die Studienautoren haben sie unter die Lupe genommen und kamen zu dem Ergebnis, dass sie entweder nicht die gewünschten Effekte erzielen oder unerwünschte Nebenwirkungen haben.

Stattdessen schlagen sie ein eigenes Modell vor: ein Realsplitting mit einem niedrigen Übertragungsbetrag von maximal 9.696 Euro. "Dies würde bedeuten, dass nur Einkommen in Höhe des Grundfreibetrags von besserverdienenden Partnern oder Partnerinnen auf geringer verdienende Partner oder Partnerinnen übertragen werden könnten." Der Zweitverdienende müsste den Betrag als sonstiges Einkommen versteuern. Dadurch sei auch bei Alleinverdiener-Ehepaaren das Existenzminimum beider Partner steuerfrei gestellt.

Nach den Berechnungen des Autorenteams würden die Arbeitsstunden verheirateter Frauen bei dieser Reform um 1,7 Prozent und ihre Beteiligung am Arbeitsmarkt um 0,6 Prozentpunkte steigen. Außerdem würde sie zu zehn Milliarden Euro Steuermehreinnahmen pro Jahr führen, wovon allein zwei Milliarden Euro auf die Arbeitsmarkteffekte entfielen. Die Belastungen würden dabei zum Großteil von Paaren mit sehr hohen Einkommen getragen.

"Das zusätzliche Steueraufkommen könnte man dazu verwenden, Familien über höheres Kindergeld, Kinderfreibeträge oder auch eine bessere Kinderbetreuungsinfrastruktur breit zu entlasten", schlägt Stefan Bach vom DIW Berlin vor. Das würde insbesondere Familien mit kleineren Kindern viel mehr helfen "als die paar Euro, die sie beim Ehegattensplitting sparen".

Dieser Beitrag wurde erstellt von David Schahinian.


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