Reihe Ausbildung

Vor diesen Irrtümern sollten sich Ausbilder schützen /Bild: ©Studistocks-Fotolia.com

Vor diesen Irrtümern sollten sich Ausbilder schützen!

In unserer Online-Reihe deckt Experte Michael Kluge Ansichten und Vorstellungen in der Berufsausbildung auf, die sich bei näherer Betrachtung als Irrtümer erweisen. 

Alle Irrtümer im Überlick. 
 

10 Tipps, wie Sie sich auf das neue Ausbildungsjahr vorbereiten

Damit die Berufsausbildung optimal verläuft, kommt es auf die richtige Vorbereitung einzelner Stationen an. Welche Aufgaben dazu gehören und worauf Ausbilder achten sollten, erfahren Sie in diesen Tipps.

Nicht immer ist der Start einer Berufsausbildung von Unternehmensseite optimal organisiert. Manchmal ist kein eigener Arbeitsplatz vorbereitet, die Zugangsdaten für den Computer liegen noch nicht vor oder es ist kein Ansprechpartner benannt. Vor allem wirken Hilfsarbeiten, die sonst niemand machen will, auf Auszubildende oftmals abschreckend. Dabei lässt sich Beginn und Verlauf einer Berufsausbildung durchaus positiv gestalten.

Tipp 1: Stellen Sie sicher, dass Ihnen der Ausbildungsstart Ihres Auszubildenden bekannt ist!

Im Extremfall erfahren einzelne Ausbilder erst offiziell von dem Kommen des neuen Auszubildenden, wenn der Vorgesetzte ihnen diesen an seinem ersten Ausbildungstag vorstellt. In dieser Situation dürfte es schwerfallen, als Ausbilder noch einen guten ersten Eindruck zu erzeugen. Diese für alle Beteiligten Stress auslösende Situation können Sie vermeiden. Fragen Sie von sich aus frühzeitig bei der Personalabteilung oder Unternehmensleitung nach, ob und wann ein neuer Auszubildender kommt. Notieren Sie sich das Datum des Ausbildungsbeginns in Ihren Terminkalender und stellen Sie sicher, dass Sie an diesem Tag auch anwesend sind.

Tipp 2: Kontaktieren Sie im Vorfeld Ihren künftigen Auszubildenden!

Nehmen Sie im Vorfeld telefonisch Kontakt auf. Teilen Sie Ihrem Auszubildenden bei dieser Gelegenheit mit, wann er am ersten Tag in Ihrer Fachabteilung da sein soll. Unterrichten Sie ihn gegebenenfalls darüber, welche Bekleidungsgepflogenheiten in Ihrem Bereich bestehen.

Tipp 3: Legen Sie fest, wo der neue Auszubildende sitzen soll!

Bereiten Sie nach dem telefonischen Austausch seinen Ausbildungsplatz vor. In einem Büro sollte dieser mit einem Computer, einem Telefon und einem "Starterpaket" ausgestattet sein. Zu einem Starterpaket gehören die wesentlichen Schreibtischutensilien wie etwa Schreibblock, Kugelschreiber, Locher, Schere oder Tacker. Im gewerblich-technischen Bereich sind unter anderem Werkzeugkoffer, Arbeitskleidung und Arbeitsschuhe vorzubereiten.

Existiert bereits ein Ausbildungsplatz, sollte auf keinen Fall die erste "Amtshandlung" des Neuen darin bestehen, alte Unterlagen seines Vorgängers aus den Schubladen des Schreibtisches zu entsorgen oder dessen Spind im Umkleideraum auszuräumen.

Tipp 4: Denken Sie daran, notwendige Laufwerkszugriffe oder Systemsoftware frühzeitig zu beantragen!

Wichtige Ausbildungsmittel für den Arbeitsalltag sollten bereits zu Beginn der Ausbildung oder des jeweiligen Ausbildungsabschnittes verfügbar sein. Auf diese Weise sorgen Sie dafür, dass Lernfortschritte nicht ins Stocken geraten.

Tipp 5: Informieren Sie sich über betriebliche Gesundheitsvorkehrungen!

Die Corona-Krise macht auch vor der dualen Berufsausbildung nicht Halt. Um Ihren neuen Auszubildenden vor einer Infektion mit dem Corona-Virus zu schützen, müssen (Ausbildungs-)Unternehmen einiges bedenken. Prüfen Sie beispielsweise, ob das Einhalten von Hygiene- und Abstandsregeln gewährleistet ist – am Ausbildungsplatz und auf den Zwischenwegen im Betrieb. Und: Bereiten Sie sich darauf vor, Ihren Auszubildenden regelmäßig über weitere (geplante) Schutzmaßnahmen zu informieren. Diese Transparenz signalisiert ihm, dass die Gesundheit für das Unternehmen einen hohen Stellenwert hat.

Tipp 6: Informieren Sie alle Beteiligten über den Einsatz des künftigen Auszubildenden!

Teilen Sie Ihren Kollegen mit,

  • wie der Auszubildende heißt, 
  • in welchem Beruf er seine Ausbildung beginnt,
  • wie lange sein Aufenthalt in der Abteilung voraussichtlich dauern wird,
  • wo sein Arbeitsplatz sein wird
  • und für welche Arbeitsaufgaben er zunächst vorgesehen ist.

Wenn Sie ein Eröffnungsfrühstück mit Ihrem Vorgesetzten und allen Kollegen planen, um einen unverkrampften Einstieg für beide Seiten zu ermöglichen, dann laden Sie am besten alle Beteiligten ein, sich ebenfalls den Ausbildungsbeginn im Terminkalender zu notieren.

Tipp 7: Verschaffen Sie sich einen Überblick über die zu vermittelnden Lerninhalte!

Ein Blick in die berufsbezogene Ausbildungsordnung und ein Abstimmungsgespräch mit Ihrem Ausbildungsleiter können diesen Vorgang erleichtern. Danach entwickeln Sie aus dem Pool der Informationen ein übergeordnetes Ziel, das grundsätzlich die Richtung aufzeigt, in der das Lernen des Auszubildenden erfolgen soll. Leiten Sie daraus etwa fünf bis zehn überprüfbare Lernziele ab – je nachdem, wie lange der Aufenthalt Ihres Auszubildenden voraussichtlich dauern wird.

Tipp 8: Erarbeiten Sie einen Einsatzplan!

Dieser dient der Orientierung – für Ihren Auszubildenden und für Sie selbst. Daher ist es sinnvoll, zumindest für die ersten Tage festzulegen, was der Neue unbedingt wissen muss. Dazu zählt ebenso, was er erfahren und kennenlernen muss, um optimal eingeführt zu sein und mit seiner "Arbeit" beginnen zu können. Klären Sie, welche Informationen auch später gegeben werden können. Entscheiden Sie, welche ersten Aufgaben Sie dem Auszubildenden übertragen können. Welche Fertigkeiten, Kenntnisse oder Arbeitsabläufe soll der Auszubildende zunächst lernen? Berücksichtigen Sie bei dieser Planung Ihre definierten Lernziele.

Tipp 9: Erstellen Sie einen Durchlaufplan!

Legen Sie in diesem abteilungsspezifischen Plan fest, welche Aufgaben der Auszubildende in welchem Zeitraum und bei welchen Kollegen lernen soll. Gehen Sie möglichst frühzeitig mit den Kollegen diesen Ablauf durch. Teilen Sie ihnen bei dieser Gelegenheit mit, was Sie von ihnen erwarten. Dadurch erhalten Ihre Kollegen die Möglichkeit, sich ebenfalls frühzeitig auf das eigene Mitwirken bei der Ausbildung des Neuen einzustellen und vorzubereiten.

Tipp 10: Organisieren Sie den "Plan B": Arbeiten im Homeoffice!

Grundsätzlich sollen laut Berufsbildungsgesetz Auszubildende nicht im Homeoffice arbeiten. Die Corona-Krise, die eine Herausforderung ist, erfordert jedoch Flexibilität. Deshalb ist es vertretbar, ausnahmsweise das Vertiefen und Lernen von bereits erworbenen Ausbildungsinhalten von Zuhause aus für Auszubildende zuzulassen, wenn ein Ausbildungsunternehmen dies betrieblich ermöglichen kann.

Bei dieser zeitlich befristeten Behelfsregelung ist es wichtig, dass ein Ausbilder seine Schützlinge begleitet und unterstützt. So fühlen sie sich nicht alleingelassen. Zu den regelmäßigen Gesprächen gehört die Klärung der Arbeitsfortschritte und fachlicher Details. Gleiches gilt auch für Fragen, die in erster Linie der Beziehungspflege zwischen Ausbilder und Auszubildenden dienen. Dazu zählen zum Beispiel: "Wie geht es Ihnen?", "Haben Sie alles, was Sie brauchen?" oder „Wie kann ich Ihnen helfen, gut durch diese befristete Ausnahmesituation zu kommen?". Welches Kommunikationsmittel Sie für die Gespräche wählen, ist unerheblich. Entscheidend ist, dass Ihr Betrieb die notwendigen technischen Voraussetzungen und die entsprechende Software für die Arbeit zur Verfügung stellt.

Fazit: Im besten Fall fängt eine Ausbildung schon vor der Ausbildung an – nämlich mit einer guten Vorbereitung. Wer die genannten zehn Tipps umsetzt, legt gerade in der ersten Phase einer Berufsausbildung den Grundstein für die Leistungsbereitschaft. Gleichzeitig schaffen Sie eine innere Bindung und Identifikation mit dem neuen Ausbildungsbetrieb.

Autor: Michael Kluge hat sich als Trainer, Coach und Publizist auf das Thema Berufsausbildung spezialisiert. Er gehört zum Autorenteam von "PersonalAusbilden" und ist Autor des Fachbuchs "Der Ausbilder als Coach".
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