Lohnabrechnung Ferienjob: Was Arbeitgeber beachten müssen!

Damit nicht mit der Lohnabrechnung das böse Erwachen kommt, sollten Arbeitgeber und Ferienjobber vor Aufnahme der Ferientätigkeit prüfen, ob sozialversicherungs- und lohnsteuerrechtliche Besonderheiten für das Arbeitsverhältnis vorliegen. Welche das sein können, zeigt der folgende Beitrag.

Lohnabrechnung Ferienjob

In der Regel gilt: Ferienbeschäftigungen von Schülern fallen wegen Kurzfristigkeit unter die Geringfügigkeitsregelungen nach § 8 Abs. 1 Nr. 2 SGB IV und sind daher auch bei Verdiensten über 450 EUR monatlich versicherungsfrei in Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung. 

„Kurzfristig“ bedeutet nach dem neuen § 115 SGB IV – gültig bis 31.12.2018: Beschäftigungen, die innerhalb eines Kalenderjahres auf längstens drei Monate oder 70 Arbeitstage (vorher zwei Monate bzw. 50 Arbeitstage) begrenzt sind. Dabei ist die 70-Arbeitstage-Grenze maßgebend, wenn die Tätigkeit an weniger als fünf Arbeitstagen wöchentlich ausgeübt wird.

Mehrere kurzfristige Arbeitsverhältnisse 

Um sicherzugehen, dass die Zeitgrenze nicht überschritten wird, sollten Arbeitgeber auf jeden Fall prüfen, ob der Ferienjobber innerhalb des gleichen Kalenderjahres bereits weitere kurzzeitige Beschäftigungen ausgeübt hat, ggf. auch bei anderen Arbeitgebern. Für die Ermittlung sind alle Arbeitsverhältnisse innerhalb des Kalenderjahres zusammenzurechnen. 450-EUR-Jobs bleiben anrechnungsfrei, wenn sie als Minijob behandelt wurden. Hat sie der Arbeitgeber aber als kurzfristige Beschäftigung (mit Angabe der Personengruppe 110) gemeldet, müssen sie angerechnet werden. 

Versicherungspflicht bei berufsmäßiger Beschäftigung

Wird die Tätigkeit dagegen berufsmäßig ausgeübt, besteht Versicherungspflicht auch, wenn sie kürzer als drei Monate bzw. 70 Arbeitstage ausgeübt wird. 

Beispiel: Der 19-Jährige A. hat seine Schulausbildung mit dem 15.06. abgeschlossen. Am 01.09. nimmt er eine Ausbildung zum Industriemechaniker auf. Vom 15.07. bis 31.08. arbeitet er im Unternehmen B. Der Verdienst beträgt monatlich 1.500 EUR brutto. 

Berufsmäßigkeit liegt nach den einschlägigen Regelungen vor, wenn sie für den Mitarbeiter nicht von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung ist. Durch die Beendigung der Schulausbildung und die Aufnahme einer Ausbildung muss der Arbeitgeber davon ausgehen, dass Herr A. künftig als Arbeitnehmer seinen Lebensunterhalt verdienen wird. Da außerdem der Verdienst über der Geringfügigkeitsgrenze von 450 EUR liegt, besteht ab 15.07. Versicherungspflicht in der Sozialversicherung. 

Ist die Beschäftigung auf einen kürzeren Zeitraum als einen Monat befristet, ist nach den Geringfügigkeits-Richtlinien der Sozialversicherungsträger statt der 450 EUR eine anteilige Grenze zugrunde zu legen. Dies hat des LSG Hessen verworfen (06.02.2014 – L 1 KR 31/12 – Revision zugelassen). Nach Auffassung des Gerichts ist die Bildung einer anteiligen Grenze durch das Gesetz nicht vorgesehen. Im gleichen Sinne hat das LSG Bayern (21.10.2015 – L 16 R 755/13) entschieden. Dagegen ist unter dem Az. B 12 R 10/15 R ein Revisionsverfahren beim BSG anhängig. 

Handelt es sich nur um eine gelegentliche Beschäftigung, ist Berufsmäßigkeit in der Regel zu verneinen und es tritt nur Versicherungspflicht ein, wenn die Zeit- und Entgeltgrenzen des § 8 SGB IV überschritten werden. Dies ist bei Tätigkeiten von Schülern während der Ferien in der Regel nicht anzunehmen.

Praxistipp: Es ist sinnvoll, in solchen Fällen eine Entscheidung über die Versicherungspflicht bei der zuständigen Einzugsstelle anzufordern und ggf. Widerspruch einzulegen.

Weiterbeschäftigung des Schülers nach den Ferien

Falls der Schüler nicht nur in den Ferien, sondern längerfristig arbeitet, gelten die allgemeinen Vorschriften über die Versicherungspflicht. Solche Tätigkeiten werden meist unter die Mini-Job-Regelungen fallen.

Falls der Jugendliche im Rahmen eines Minijobs arbeitet, besteht grundsätzlich Versicherungspflicht in der Rentenversicherung. Davon kann sich der Mitarbeiter befreien lassen. Da die jungen Leute meist noch nicht geschäftsfähig sind, ist die Unterschrift des gesetzlichen Vertreters erforderlich, damit der Befreiungsantrag rechtswirksam ist.

Besteuerung bei kurzfristiger Beschäftigung

Bei kurzfristigen Beschäftigungen erfolgt die Besteuerung anhand der steuerlichen Merkmale im ELSTAM–Verfahren. Ist der Ferienjobber ansonsten nicht berufstätig, wird die Steuer in der Regel erstattet, da der Grundfreibetrag nicht erreicht wird. 

Unter den Voraussetzungen des § 40a Abs. 1 EStG kann der Arbeitslohn auch pauschal mit 25 Prozent versteuert werden. Voraussetzung dafür ist, dass

  • die Beschäftigung 18 zusammenhängende Tage nicht überschreitet, 
  • der Stundenlohn 12 EUR nicht überschreitet,
  • der Arbeitslohn pro Tag 68 EUR nicht übersteigt (Ausnahme: Der Ferienjobber muss zu einer unvorhergesehenen Mehrarbeit herangezogen werden). 

Beim Kindergeld kann sich der Ferienjob nachteilig auswirken, soweit es sich um erwachsene Mitarbeiter handelt. Grundsätzlich fällt bei diesem Personenkreis das Kindergeld weg, wenn eine Beschäftigung an mehr als 20 Stunden wöchentlich ausgeübt wird. Ausgenommen sind nur Auszubildende und Mini-Jobber. Schüler und Studenten dürfen die 20-Stunden-Grenze in höchstens zwei Monate im Jahr überschreiten. Voraussetzung ist allerdings, dass die Grenze im Jahresdurchschnitt eingehalten wird.

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Quelle: Wissenspool der Personalpraxis24.de, Stichwort: Stolpersteine – Ferienjobs

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