Ältere Mitarbeiter: Entwicklungen am Arbeitsmarkt

An den Themen demographische Entwicklung und Fachkräftemangel kommt keine Personalabteilung mehr vorbei. Was die Einstellung von älteren Mitarbeiter betrifft, scheint in den vergangenen Jahren bei Personalern ein Umdenken eingesetzt zu haben. Die gestiegene Wertschätzung älterer Arbeitnehmer spiegelt sich auch in zwei aktuellen Arbeitsmarktberichten wider.

Ältere Mitarbeiter steigern die Produktivität

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wird die Anzahl der Personen im erwerbsfähigen Alter bis zum Jahr 2030 um insgesamt 6,3 Millionen zurückgehen. Hinzu kommt, dass Arbeitnehmer im Durchschnitt älter sein werden als das heute der Fall ist. Diese Entwicklung muss für Unternehmen allerdings nicht unbedingt von Nachteil sein.

Im Gegenteil, wie der Fortschrittsreport "Altersgerechte Arbeitswelt" zeigt, den Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen vor kurzem präsentierte. Nach Berechnungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung steigt die Produktivität eines Unternehmens um bis zu zwei Prozent, wenn der Anteil an Mitarbeitern im Alter von 45 bis 49 Jahren an der Gesamtbelegschaft zunimmt. Dieser positive Produktivitätseffekt zeige sich auch in der Altersgruppe Ü50, falle dort jedoch etwas geringer aus. Als Gründe für die Produktivitätssteigerung werden vor allem die berufliche Erfahrung älterer Mitarbeiter und ihre große Motivation angeführt.

Unternehmen sind gefordert

Die Produktivitätssteigerung fällt Unternehmen allerdings nicht in den Schoß und wird nur erreicht, wenn sie für altersgerechte Arbeitsplätze sorgen. Ansonsten schlägt der Produktivitätseffekt der Studie zufolge mit lediglich 0,5 Prozent zu Buche. Fazit der Autoren: "Die Wirkungen spezifischer personalpolitischer Maßnahmen auf die Produktivität der Beschäftigten sind ganz erheblich." Angesichts der kaum beeinflussbaren zunehmenden Alterung der Gesellschaft scheint eine frühzeitige Weichenstellung in diese Richtung mehr als angebracht.

Viel erreicht, noch viel zu tun

Auch die Bundesagentur für Arbeit hat die aktuelle Situation älterer Menschen am Arbeitsmarkt eingehender analysiert. Zwar befinde sich die Beschäftigungsquote der über 60-jährigen mit 27,5 Prozent noch immer auf niedrigem Niveau, doch sei der Anteil an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen gerade in dieser Altersgruppe besonders stark gestiegen. Dieser Zuwachs sei nicht allein auf die zunehmende Alterung der Bevölkerung zurückzuführen. Die Erwerbstätigenquote in dieser Gruppe klettert seit Jahren kontinuierlich nach oben. Waren im Jahr 2000 nur 19,9 Prozent in dieser Altersklasse berufstätig, hat sich die Quote bis zum Jahr 2010 auf 40,8 Prozent mehr als verdoppelt. Der Trend ist unverkennbar, zumal sich die Erwerbstätigenquote in dieser Altersgruppe im vorangegangenen Jahrzehnt kaum verändert hatte.

Dennoch scheint es noch ein weiter Weg bis zu einer vollkommenen Gleichberechtigung älterer Arbeitnehmer zu sein. Die Arbeitsagentur kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Arbeitslosigkeit der 55- bis unter 65-Jährigen seit dem Jahr 2007 vervierfacht hat, was jedoch hauptsächlich mit dem Auslaufen vorruhestandsähnlicher Regelungen begründet wird. Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist für diese Altersgruppe zwar geringer. Auf der anderen Seite haben es ältere Arbeitnehmer schwerer als jüngere, einen Weg aus der Arbeitslosigkeit zu finden. Darüber hinaus arbeiten viele ältere Arbeitnehmer lediglich in Minijobs. 22 Prozent der aktuell 2,49 Millionen geringfügig entlohnten Minijobs werden von Arbeitnehmern zwischen 50 und 65 Jahren ausgeübt. Während sich ihre Anzahl über alle Altersklassen hinweg verdoppelt hat, hat sich die Zahl bei den älteren Arbeitnehmern nahezu verdreifacht.

Autor: David Schahinian / Foto: © Yuri Arcurs - Fotolia.com

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