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Alkoholmissbrauch: Worauf es bei Interventionsgesprächen ankommt

Eine tatsächliche Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit, die schwerwiegende Auswirkungen auf das Befinden und die Arbeitsergebnisse des betreffenden Mitarbeiters haben kann. Deshalb sollten Arbeitgeber Interventionsgespräche wegen Alkoholmissbrauchs besonders vertraulich, sorgsam und verantwortungsbewusst führen. Vor allem aber, sich gut darauf vorbereiten. 

Fragen zur Gesprächsvorbereitung

  • Alkoholmissbrauch: Interventionsgespräche führen Wie sind Sie auf den starken Alkoholkonsum des Mitarbeiters aufmerksam geworden?
  • Haben Sie es selbst beobachtet?In welchen Situationen?
  • Wie oft fällt der Mitarbeiter durch übermäßigen Alkoholkonsum auf? 
  • Wie macht sich das bemerkbar? 
  • Wie ist die Entwicklung im Zeitverlauf? 
  • Gibt es ein bestimmtes Trink-Muster, beispielsweise immer montags oder bei hohem Arbeitsanfall, oder einen einschneidenden Anlass, beispielsweise eine Trennung oder schwere Krankheit in der Familie des Mitarbeiters?
  • Hat der Mitarbeiter eventuell private Probleme? 
  • Wie ist der Mitarbeiter im Privatleben sozial eingebunden? 
  • Trinkt der Mitarbeiter auch während der Arbeitszeit? 
  • Geht der Mitarbeiter offen mit seinem Alkoholkonsum um oder versucht er, diesen zu verheimlichen? 
  • Welche Auswirkungen hat das Trinkverhalten des Mitarbeiters auf seine Arbeitsergebnisse / Arbeitsgeschwindigkeit / Zuverlässigkeit / sein Sozialverhalten/ die Kollegen im Team? 
  • Gehen mit dem übermäßigen Alkoholkonsum noch andere Dinge einher, etwa herabgesetzte Hygiene-Standards oder Depressionen? 
  • Auf einer Skala von 1 bis 10, wie kritisch schätzen Sie das Trinkverhalten des Mitarbeiters ein?
  • Vermuten Sie, dass der Mitarbeiter alkoholkrank ist? 
  • Welche Ansprechpartner könnten Sie zu gegebener Zeit unterstützend mit ins Boot holen, beispielsweise Betriebsarzt, Personalabteilung oder Betriebsrat? 
  • An welche lokalen Hilfsangebote können Sie den Mitarbeiter verweisen, zum Beispiel an seinen Hausarzt, Sozialdienste, kirchliche Seelsorge oder die Anonymen Alkoholiker?

Gesprächsverlauf und mögliche Konsequenzen

Das Interventionsgespräch wegen übermäßigen Alkoholkonsums ist eine Gratwanderung zwischen der Kommunikation einer ganz klaren Erwartungshaltung einerseits (»Übermäßiger Alkoholkonsum, der sich auf die Arbeit auswirkt, ist nicht tolerierbar.«) und einer unterstützenden, helfenden Grundhaltung andererseits (»Sie finden eine Lösung, und ich helfe Ihnen dabei.«). Der Mitarbeiter ist frei in seiner Entscheidung, ob er diesen Weg mitgehen möchte. Für den Fall, dass er dies ablehnt, zeigt die Führungskraft Konsequenzen auf, beispielsweise das Hinzuziehen von Betriebsarzt und Personalabteilung oder auch eine Abmahnung. Es braucht also klare, unverrückbare Leitplanken, innerhalb derer Verständnis für die Situation des Mitarbeiters angezeigt ist.

Kernaussagen treffen:

  • Ich möchte Sie heute auf ein sehr persönliches Thema ansprechen: Mir ist aufgefallen, dass Sie häufig nach Alkohol riechen / eine Fahne haben.
  • Mir ist auch aufgefallen, dass Ihre Arbeitsergebnisse seit einiger Zeit nicht mehr die gewohnte Qualität aufweisen.
  • Das kann ich nicht tolerieren und ich erwarte, dass Sie mit dem Trinken aufhören.
  • Ich schätze Sie als Mitarbeiter, und wir verstehen uns ja auch persönlich gut, kurz – ich habe Sie gern in meinem Team. Deshalb ist mir viel daran gelegen, dass Sie Ihren Alkoholkonsum in den Griff bekommen.
  • Mir ist es wichtig, dass Sie in dieser Sache aktiv werden und für Abhilfe sorgen. Dabei unterstütze ich Sie, wenn Sie das wollen.
  • Übermäßiger Alkoholkonsum ist oft der Versuch einer Problemlösung. Ich biete Ihnen gern an, auch darüber zu sprechen, was vielleicht hinter dem Trinken steht, ob Sie vielleicht etwas bedrückt, sei es privat oder hier in der Firma.
  • Es gibt in der Stadt eine Reihe von Einrichtungen, an die Sie sich außerdem wenden können, um Hilfe zu bekommen. Ich habe Ihnen hier zwei aufgeschrieben.
  • Bitte überlegen Sie sich bis Ende der Woche, wie Sie mit dem Thema umgehen wollen, und lassen Sie uns am Freitag einen weiteren Gesprächstermin vereinbaren. Und wie gesagt, auf meine Unterstützung können Sie bauen, wenn Sie Ihr Trinkverhalten in den Griff bekommen wollen.
  • Was ich Ihnen auch sagen muss: Wenn Sie nichts ändern und ich weiterhin mitbekomme, dass Sie alkoholisiert zur Arbeit kommen, bin ich gezwungen, die Personalabteilung einzuschalten.

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Lesen Sie auch: "Alkohol am Arbeitsplatz: Rechte, Pflichten und Konsequenzen"

Autor: Jochen Gabrisch, „Die Besten im Gespräch“ (Auszug)