Arbeitskosten in Deutschland steigen langsam, aber stetig

Die Arbeitskosten in Deutschland liegen erheblich über dem EU-Durchschnitt. Das geht aus einer aktuellen Mitteilung des Statistischen Bundesamtes Destatis hervor. Im Mittel gaben privatwirtschaftliche Arbeitgeber in der Bundesrepublik 30,10 Euro pro geleisteter Arbeitsstunde aus. Im verarbeitenden Gewerbe lagen die durchschnittlichen Kosten für eine Arbeitsstunde bei 34,30 Euro. Doch auch Arbeitnehmer haben mit einer hohen Abgabenlast zu kämpfen.

Geringster Zuwachs aller Euro-Länder
Arbeitskosten setzen sich aus Bruttolöhnen und -gehältern und Lohnnebenkosten zusammen. Im Vergleich mit den anderen Mitgliedern der Europäischen Union liegt Deutschland bei den Arbeitskosten auf dem siebten, beim verarbeitenden Gewerbe auf dem fünften Rang. Am teuersten ist eine geleistete Arbeitsstunde in Belgien. Dort schlägt sie mit 39,30 Euro in der Privatwirtschaft und 40,60 Euro im verarbeitenden Gewerbe zu Buche. Auf den weiteren Plätzen folgen Schweden (39,10/40,50 Euro) und Dänemark (38,90/37,60 Euro).

Mit 3,50 Euro beziehungsweise 2,80 Euro liegt Bulgarien am anderen Ende der Skala. Durchschnittlich liegen die Kosten für eine Arbeitsstunde in der Europäischen Union bei 22,80 Euro (Privatwirtschaft) und 23,20 Euro (verarbeitendes Gewerbe).

Die Arbeitskosten in Deutschland sind damit jeweils 32 beziehungsweise 48 Prozent höher als der EU-weite Durchschnitt. Diese Zahlen zeigen jedoch nur eine Seite der Medaille. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden weiter berichtet, sind die Arbeitskosten in der deutschen Privatwirtschaft zwischen den Jahren 2001 und 2011 zwar um 19,4 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist dies jedoch der mit Abstand geringste Zuwachs aller 27 EU-Länder. In Frankreich beispielsweise wurde im gleichen Zeitraum ein Anstieg der Arbeitskosten um 39,2 Prozent errechnet.

Bei den Lohnnebenkosten liegt Deutschland im europäischen Durchschnitt
Im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen ist auch ein Blick auf die Lohnnebenkosten interessant. Zu ihnen zählen unter anderem die gesetzlichen Arbeitgeberbeiträge zu den Sozialversicherungen sowie Aufwendungen für die betriebliche Altersversorgung. Sie wurden von Destatis ins Verhältnis mit den Bruttoverdiensten gesetzt, um sie EU-weit unabhängig vom Lohnniveau beurteilen zu können.

In der deutschen Privatwirtschaft mussten die Arbeitgeber auf einen Bruttoverdienst von 100 Euro durchschnittlich Lohnnebenkosten in Höhe von 28 Euro bezahlen. Damit liegt die Bundesrepublik im Vergleich zu den anderen Mitgliedsländern der EU lediglich im hinteren Mittelfeld. In Schweden, Frankreich und Belgien liegen die Lohnnebenkosten mit 52, 50 und 47 Euro nahezu doppelt so hoch wie in Deutschland. Privatwirtschaftliche Arbeitgeber in Luxemburg und Dänemark müssen dagegen zusätzlich lediglich 15 Euro, in Malta sogar nur 10 Euro zahlen. Der EU-Durchschnitt liegt bei 32 Euro.

Belastung der Arbeitnehmer wächst
Arbeitnehmer haben nach wie vor mit einer hohen Abgabenlast zu kämpfen. Der Anteil der Steuern und Abgaben an den Gesamtarbeitskosten in Deutschland ist in den vergangenen Jahren zwar kontinuierlich gesunken. Dieser Trend wurde jedoch 2011 gebrochen, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bekanntgab. Ihre aktuelle Studie „Taxing Wages“ kommt zu dem Ergebnis, dass es in insgesamt sieben von acht untersuchten Arbeitnehmer-Haushaltstypen zu Mehrbelastungen kam - allerdings in begrenztem Maße, die zusätzliche Belastung lag bei maximal  1,1 Prozent. Für den Anstieg in Deutschland seien vor allem die gestiegenen Sozialabgaben verantwortlich. 

Autor: David Schahinian / Foto: © Jakub Krechowicz - Fotolia.com

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