Arbeitsrecht: Au-pairs sind keine billigen Arbeitskräfte

Au-pairs sind junge Menschen, die als "Familienmitglied auf Zeit" in Gastfamilien aufgenommen werden. Im Vordergrund stehen dabei immer der Erwerb von Bildung und ein reger Erfahrungsaustausch, um das Gastland besser kennen zu lernen. Doch nicht selten werden Au-pairs als preiswerte Haushaltshilfen ausgenutzt. Au-pair-Verhältnisse sind jedoch keine klassischen Arbeitsverhältnisse, sondern unterliegen den folgenden Anforderungen.

Au-pairs sind keine billigen Arbeitskräfte

Der Begriff "au pair" kommt aus dem Französischen und bedeutet sinngemäß "auf Gegenseitigkeit", "ohne Bezahlung" oder "Leistung gegen Leistung".

Die Tätigkeit als Au-pair ist in der Regel kein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis i.S.d. § 7 Abs. 1 SGB IV. Die Frage, ob es ein Vertragsverhältnis eigener Art, ein arbeitnehmerähnliches Rechtsverhältnis oder ein echtes Arbeitsverhältnis ist, hängt vom Einzelfall ab. Die Gastfamilie schuldet in der Regel auch nur ein Taschengeld, keine Arbeitsvergütung. Es besteht dementsprechend auch keine Arbeitspflicht wie bei Arbeitnehmern.

Um allen Beteiligten Klarheit zu verschaffen, empfiehlt sich ein schriftlicher Au-pair-Vertrag, der die wechselseitigen Rechte und Pflichten sorgfältig und detailliert regelt.

Während die Beschäftigung von Au-pairs aus EU- und EWR-Mitgliedsstaaten sowie der Schweiz ausländerrechtlich kaum Probleme macht, benötigen Au-pairs aus Drittländern in der Regel einen Aufenthaltstitel. Auch wenn es keine rechtliche Verpflichtung dazu gibt: es ist in der Regel sinnvoll, die Vermittlung eines Au-pairs über eine professionelle Agentur laufen zu lassen.

Mindestanforderungen an eine Au-pair-Beschäftigung

Der Europarat hat 1969 das "Europäische Abkommen über die Au-pair-Beschäftigung" verabschiedet (abrufbar über http://conventions.coe.int/Treaty/GER/Treaties/Html/068.htm). Dieses Abkommen ist zwar von der Bundesrepublik nicht bestätigt und in nationales Recht umgesetzt worden. Trotzdem besteht ein Konsens über folgende Punkte:

  • die gegenseitigen Rechte und Pflichten sind in einem schriftlichen Vertrag niederzulegen,
  • minderjährige Au-pairs benötigen die schriftliche Erlaubnis ihrer Erziehungsberechtigten, sie sollten das 17. Lebensjahr vollendet haben; das Mindestalter für Au-pairs bei Beginn der Beschäftigung ist grundsätzlich 18 Jahre, bei Au-pairs aus anderen EU-/EWR-Staaten und aus der Schweiz 17 Jahre,
  • die Au-pairs sollen in die deutsche Gastfamilie aufgenommen werden,
  • die Dauer der Au-pair-Beschäftigung muss mindestens sechs Monate betragen und ist auf maximal ein Jahr begrenzt,
  • die reguläre Beendigung des Au-pair-Verhältnisses erfolgt in der Regel mit Ablauf der vereinbarten Dauer automatisch,
  • die vorzeitige Beendigung des Au-pair-Verhältnisses kann einvernehmlich oder durch eine außerordentliche Kündigung erfolgen,
  • Au-pairs dürfen mit leichten Hausarbeiten (z.B. putzen, bügeln, kochen) und der Kinderbetreuung beschäftigt werden (insgesamt nicht mehr als sechs Stunden pro Tag und 30 Stunden in der Woche),
  • ein Tag pro Woche und mindestens vier Abende sollen beschäftigungsfrei bleiben, dabei muss der beschäftigungsfreie Tag mindestens einmal monatlich auf einen Sonntag fallen,
  • für die Teilnahme an Sprachkursen, religiösen und kulturellen Veranstaltungen muss eine Freistellung erfolgen, die Kosten dafür braucht die Gastfamilie allerdings nicht zu übernehmen,
  • sollten im gegenseitigen Einvernehmen einmal Überstunden anfallen, sind diese Überstunden zeitlich auszugleichen,
  • den Jahres-Au-pairs steht ein bezahlter Urlaub von mindestens vier Wochen zu (bei kürzerem Aufenthalt: zwei Werktage pro vollem Kalendermonat),
  • die Versicherung gegen Krankheit und Unfall sowie für Schwangerschaft und Geburt erfolgt über die Gastfamilie,
  • die Gastfamilie zahlt - und zwar unabhängig von der Dauer des häuslichen Einsatzes - ein Taschengeld (wobei zurzeit immer noch 260 Euro als angemessen gelten),
  • selbstverständlich haben Au-pairs Anspruch auf eine angemessene Verpflegung und Unterkunft, d. h. in der Regel ein eigenes Zimmer in der Wohnung der Gastfamilie.

Ist das Au-pair-Verhältnis beendet, ist keine weitere Au-pair-Beschäftigung mehr möglich. Selbst dann nicht, wenn sie noch innerhalb der einjährigen - und bis dahin nicht ausgeschöpften - Höchstdauer liegen sollte.

Weitere Informationen zu dem Thema "Au-pairs sind keine billigen Arbeitskräfte" finden Sie im Wissenspool der personalpraxis24.de. 

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Quelle: Auszug aus dem Stichwort "Au-pair-Beschäftigung" des Arbeitsrechtslexikons im Wissenspool der Personalpraxis24.de./©Jörg Lantelme -Fotolia.com

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