Ausbildung in Teilzeit – mit Familienfreundlichkeit punkten

Der Arbeitsmarkt stellt viele Personaler vor Herausforderungen: Fehlende Fachkräfte und unbesetzte Vakanzen sind an der Tagesordnung. Abhilfe versprechen familienfreundliche Ausbildungsmodelle – junge Eltern und Arbeitgeber profitieren gleichermaßen. Was bei Teilzeitausbildung zu beachten ist, erfahren Sie hier.

BEM-Wiedereingliederung

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) ruft zu mehr Familienfreundlichkeit am Arbeitsplatz auf. Durch die Vereinbarkeit von Kind und Beruf sollen Auszubildende sowie Unternehmen neue Möglichkeiten nutzen. Die Lösung: Mit einer Teilzeitausbildung bekämen vor allem junge Mütter und Väter eine realistische Chance, einen Berufsabschluss anzustreben. Viele von ihnen haben aufgrund ihrer Elternschaft die Erstausbildung nach hinten verschoben oder die Berufsausbildung unterbrochen. Junge Eltern können so Kind und Ausbildung miteinander vereinbaren.

Unternehmen übernehmen mit Teilzeitausbildungen soziale Verantwortung. Die Vorteile reichen aber durchaus weiter: Viele Betriebe erfahren durch ihre Familienfreundlichkeit einen Imagegewinn. Sie erhalten die Gelegenheit, Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden. Familienorientierte Personalpolitik sei ein wesentlicher Wettbewerbs- und Standortvorteil. „Und die Unternehmen können sich die Potenziale einer hoch motivierten und verantwortungsbewussten Zielgruppe erschließen und ihren Fachkräftenachwuchs sichern“, sagt Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, in der BiBB-Ausgabe Jobstarter Praxis.

Berufsausbildung in Teilzeit, wie geht das?

Die Berufsausbildung ist in erster Linie auf Vollzeit ausgerichtet. Aber: Nach § 8 Berufsbildungsgesetz (BBiG) ist die Teilzeitausbildung seit dem Jahr 2005 in allen anerkannten Berufen des dualen Ausbildungssystems möglich. Gesetzlich erlaubt ist demnach nicht nur eine Verlängerung der Ausbildung, sondern auch eine Verkürzung. Auf gemeinsamen Antrag der Auszubildenden und Ausbildenden hat die zuständige Stelle die Ausbildungszeit zu kürzen. Voraussetzung: Es ist zu erwarten, dass das Ausbildungsziel in der gekürzten Zeit erreicht wird. Der Antrag kann sich neben einer verkürzten Ausbildungsdauer auch auf die Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit beziehen – jedoch nur bei berechtigtem Interesse. Dieses sei beispielsweise dann gegeben, wenn Auszubildende

  • ein eigenes Kind zu betreuen haben,

  • einen pflegebedürftigen Angehörigen zu betreuen haben oder

  • vergleichbare schwerwiegende Gründe vorliegen.

Arbeitszeit verkürzen, dafür aber länger ausbilden?

Betrieb und Auszubildende müssen sich absprechen. Einigen sie sich auf eine Regelarbeitszeit über 75 Prozent, ist keine Verlängerung der Ausbildungszeit notwendig. Die Arbeitszeit kann sich in diesem Fall beispielsweise auf sechs Stunden täglich reduzieren, ohne Auswirkung auf die Ausbildungszeit. Liegt die Regelarbeitszeit unter 75 Prozent, verlängert sich die Ausbildungszeit ggf. um maximal ein Jahr. Wichtig dabei: Die Anwesenheitspflicht in der Schule bleibt davon unberührt – der Berufsschulunterricht findet in Vollzeit statt.

In Teilzeit ist die Berufsausbildung daher in zwei Formen möglich:

  • Ohne Verlängerung der Ausbildungszeit: Die wöchentliche Ausbildungszeit einschließlich Berufsschulunterricht beträgt mindestens 25 Stunden und maximal 30 Stunden.

  • Mit Verlängerung der Ausbildungszeit: Die wöchentliche Ausbildungszeit einschließlich Berufsschulunterricht bewegt sich von mindestens 20 Stunden bis zu maximal 30 Stunden.

Auch Umschulungen können in Teilzeit erfolgen – sie dauern meist zwischen 24 und 36 Monate. Die Ausbildungsdauer der Umschulung hängt unter anderem von der Regelausbildungszeit des jeweiligen Berufs ab.

Weiterführende Informationen zum Thema:

Ausbildung in Teilzeit – Ein Gewinn für alle, JOBSTARTER PRAXIS – Band 7, Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB)

Autor: Sven Lechtleitner/ Bild: © Kyrylo Grekov - Fotolia.com