Ausbildungsvergütung - auf die Branche kommt es an

Bald ist es wieder soweit: Im August und September beginnen viele Jugendliche ihre Berufsausbildung. Mit Vertragsbeginn entstehen dabei zahlreiche Rechte und Pflichten – für Auszubildende und Betriebe. Neben Ausbildungsinhalten und Vertragsbestandteilen ist auch der Vergütungsanspruch per Gesetz klar geregelt.

Ausbildungsvergütung

Ausbildungsbetriebe haben mit ihren Auszubildenden vor Beginn der Berufsausbildung einen Vertrag zu schließen, so schreibt es das Berufsbildungsgesetz (BBiG) vor. Wichtig dabei ist: Bei minderjährigen Auszubildenden muss ein gesetzlicher Vertreter zustimmen. Im Vertrag fixieren beide Parteien schriftlich das Ziel der Berufsausbildung sowie deren sachliche und zeitliche Gliederung.

Zu weiteren Pflichtangaben zählen:

- Beginn und Dauer der Ausbildung

- Ausbildungsmaßnahmen außerhalb
  des Betriebes

- Dauer der regelmäßigen täglichen
  Ausbildungszeit

- Dauer der Probezeit

- Dauer des Urlaubs

- Kündigungsvoraussetzungen

- Hinweise auf Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen, die auf das
  Berufsausbildungsverhältnis anzuwenden sind

- Zahlung und Höhe der Vergütung

Rechte und Pflichten im Ausbildungsverhältnis

Während der Berufsausbildung sollen Auszubildende sich bemühen, die Kenntnisse und Fähigkeiten zu erlernen, die zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich sind. Sie verpflichten sich, die übertragenen Aufgaben sorgfältig auszuführen, Weisungen des Ausbilders zu befolgen und am Berufsschulunterricht teilzunehmen. Darüber hinaus gilt: Auszubildende müssen über Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse stillschweigen bewahren und die im Ausbildungsbetrieb geltenden Ordnungen beachten.

Ausbildungsbetriebe sorgen hingegen dafür, dass Auszubildende innerhalb der vorgesehenen Zeit das Ausbildungsziel erreichen können. Dazu zählt unter anderem die zeitliche und planmäßige Gliederung der Ausbildungszeit sowie das Bereitstellen von kostenlosen Ausbildungsmitteln. Sie sollen ihre Auszubildenden auch zum Führen von Berichtsheften anhalten und müssen sie für den Berufsschulunterricht freistellen. Betriebe dürfen ihnen nur Tätigkeiten übertragen, die dem Ausbildungszweck dienen und den körperlichen Kräften entsprechen. Auszubildende brauchen keine Arbeiten durchführen, die mit ihrer Ausbildung nicht im Zusammenhang stehen.

Vergütungsanspruch für Auszubildende

Ausbildungsvergütungen richten sich in erster Linie nach der Branche. Berufsspezifika spielen dabei keine wesentliche Rolle. Das bedeutet: Auszubildende erhalten unabhängig von ihrem Ausbildungsberuf eine einheitliche Vergütung, wenn sie im selben Unternehmen tätig sind. Innerhalb eines Ausbildungsbetriebes gelten daher die gleichen Vergütungssätze.

Nach § 17 BBiG sind Ausbildungsbetriebe dazu verpflichtet, während der Berufsausbildung eine angemessene Vergütung zu zahlen. Tarifgebundene Betriebe richten sich dabei nach den Vorgaben der für sie geltenden Tarifverträge. Im Ausbildungsvertrag dürfen sie keine niedrigeren Vergütungssätze als Tarifsätze vereinbaren. Für nicht tarifgebundene Ausbildungsbetriebe gilt: Die vertraglich vereinbarte Vergütung darf die Tarifsätze um nicht mehr als 20 Prozent unterschreiten (BAG - 5 AZR 226/90; 10.04.1991). Auch sie müssen sich somit weitestgehend an tarifliche Vorgaben halten.

Und: Die Vergütung ist nach dem Alter des Auszubildenden so zu bemessen, dass sie mit fortschreitender Ausbildungszeit, mindestens jährlich, ansteigt. Auszubildende sollen die Vergütung für den laufenden Kalendermonat spätestens am letzten Arbeitstag des Monats erhalten. Stellen Ausbildungsbetriebe Sachleistungen wie bspw. Unterkunft bereit, müssen mindestens 25 Prozent der Ausbildungsvergütung anrechnungsfrei bleiben. Die anderen 75 Prozent dürfen Arbeitgeber mit eventuellen Sachleistungen verrechnen. Leisten Auszubildende Überstunden und überschreiten die vereinbarte tägliche Ausbildungszeit, erhalten sie dafür entsprechenden Freizeitausgleich oder gesonderte Vergütung.

Auszubildende haben auch einen Vergütungsanspruch für Berufsschul- und Prüfungszeiten. Ausbildungsbetriebe müssen für diese Zeit der Freistellung die Ausbildungsvergütung entsprechend fortzahlen. Dazu gehören auch Pausen- sowie Wegezeiten, die während der Berufsschulzeiten entstehen und in die vereinbarte regelmäßige tägliche Ausbildungszeit fallen.

Weiterführende Informationen zum Thema:

Autor: Sven Lechtleitner/Bild: © lassedesignen - Fotolia.com

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