Berufsausbildung: Vor diesen Irrtümern sollten sich Ausbilder schützen

Irrtum Nr. 2: „Nachsicht ist das A und O bei der Beurteilung von Auszubildenden.“

Kennen Sie das? – Wer Beurteilungskonflikte mit Auszubildenden scheut, wählt gerne mal den Weg des geringsten Widerstands und erteilt milde Bewertungen. Frei nach dem Motto: „Tu ich dir nichts, tust du mir nichts.“

Für allzu wohlwollende Beurteilungen bezüglich Leistung oder Verhalten findet sich leicht eine plausible Erklärung. Ein typischer Satz lautet: „Ich will den Auszubildenden doch nicht die Zukunft verbauen.“

Bei dieser oder ähnlichen Begründungen handelt es sich um Formen von Rationalisierung. Der Begriff steht in der Psychologie dafür, dass dem Handeln nachträglich vernünftig erscheinende Erklärungen zugeschrieben werden. Dabei wird oft übersehen, dass vermeintlich gute Taten nicht reichen, um Entwicklung zu fördern, – und manchmal sogar schaden.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

Keine Frage: Wenn Ausbilder bei der Beurteilung Milde walten lassen, damit ihre Auszubildenden nicht enttäuscht oder sauer sind, ersparen sie ihnen zunächst ein Frusterlebnis. Jedoch nehmen sie ihnen gleichzeitig auch die Gelegenheit, negative Bewertungen zu verarbeiten und innerhalb ihrer Möglichkeiten etwas für die eigene Zufriedenheit zu tun.

Wer Auszubildende bei der Beurteilung zu sehr schont, bringt sie um Lernchancen und verhindert Lernzuwachs. Folglich erreichen Ausbilder, die Leistungsanforderungen senken oder geschöntes Feedback geben, nicht das gewünschte Ausbildungsziel. Ihr Selbstschutz geht zu Lasten der Auszubildenden.

Die „Abwertung“ eines Auszubildenden besteht nicht darin, seine Defizite offen zu diskutieren, sondern sie zu verschweigen. Wenn bei der Beurteilung so getan wird, als ob alles in Ordnung wäre, obwohl die Fakten dagegen sprechen, schwingt unterschwellig die Botschaft mit: „Du bist es nicht wert, dass wir uns über deine Schwächen bzw. dein Verbesserungspotenzial austauschen.“

Praxistipp

Sinn und Zweck einer Beurteilung ist es, den Auszubildenden den aktuellen Stand ihrer persönlichen Entwicklung und ihren Zielerreichungsgrad aufzuzeigen. Bekennen Sie daher ruhig Farbe. Junge Menschen brauchen aufmerksame und starke Ausbilder, die durch ehrliche Einschätzung Orientierung geben und Beurteilungskonflikte aushalten.

Egal, wie locker die Beteiligten sonst miteinander umgehen, wie sehr die hierarchischen Grenzen im betrieblichen Alltag verwischen, gerade in der Beurteilungssituation ist kumpelhaftes Verhalten nicht hilfreich.

Beitrag von: Michael Kluge hat sich als Trainer, Coach und Publizist auf das Thema Berufsausbildung spezialisiert. Er gehört zum Autorenteam von „PersonalAusbilden“ und ist Autor des Fachbuchs „Der Ausbilder als Coach“. Foto: ©studiostoks-Fotolia.com


Alle Irrtümer im Überblick
 

Berufsausbildung: Vor diesen Irrtümern sollten sich Ausbilder schützen!©studiostoks-Fotolia.com

Irrtum 1: „Ausbilder sind Freunde des Auszubildenden.“

   
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Irrtum 2: „Nachsicht ist das A und O bei der Beurteilung von Auszubildenden.“

   
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Irrtum 3: „Auszubildende sind Mitunternehmer.“

   
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Irrtum 4: „Mangelnde Motivation der Auszubildenden ist die Wurzel allen Übels."

   
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Irrtum 5: „Die richtige Ausbildungsmethode ist der Garant für Erfolg.“

   
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Irrtum 6: „Zu wenig Zeit zum Ausbilden ist hinnehmbar."

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