Berufsausbildung: Vor diesen Irrtümern sollten sich Ausbilder schützen

Irrtum Nr. 3: „Auszubildende sind Mitunternehmer.“

Mitunternehmer! Das klingt vielversprechend, oder? Der Begriff suggeriert Partizipation, Verantwortung, Entscheidungskompetenz und Gewinnbeteiligung. Doch im Kontext der betrieblichen Ausbildung ist er mit Vorsicht zu genießen, weil er übersteigerte Erwartungen weckt.

Denn um ein echter Mitunternehmer zu werden, bedarf es üblicherweise entsprechender finanzieller und rechtlicher Vereinbarungen. Überspitzt formuliert:

Ist Mitunternehmer-Status etwa Gegenstand von Ausbildungsverträgen? Werden neuerdings vor Beginn der Berufsausbildung Mitunternehmerverträge unterzeichnet? Und gibt es als Begrüßungsgeschenk für die Auszubildenden ein Aktienpaket? Wenn der Auszubildende Mitunternehmer ist, darf er dann konsequenterweise seinen Ausbildungsleiter als „Mitarbeiter“ bezeichnen?

Selbstständigkeit fördern

Ohne Zweifel: Ausbildungskonzepte, die Selbstständigkeit und eigenverantwortliches Handeln fördern, sind wichtig. So haben heutzutage viele Auszubildende die Möglichkeit, sich in Lerninseln, Projekten oder Juniorfirmen selbstständig zu qualifizieren. Darüber hinaus qualifizieren sie auch andere, engagieren sich zum Beispiel als „Paten“ für jüngere Kollegen oder als IT-Trainer für ältere. Dabei werden sie von ihren Ausbildern fachlich und didaktisch begleitet.

Wenn aber unter dem Deckmantel der Eigenständigkeit die Pflichten eines Ausbildungsbetriebs auf die Auszubildenden abgewälzt werden, dann läuft etwas grundlegend falsch und dem Ausbildungsauftrag zuwider. Um es ganz deutlich zu sagen: Auszubildende sind definitiv keine Mitunternehmer. Sie lenken weder die Geschicke des Unternehmens, noch sind sie am Unternehmensgewinn beteiligt.

Realistisch bleiben

Für das Ausbildungsmarketing bedeutet das: Formulieren Sie Ihre Anforderungen an und die Perspektiven für Auszubildende klar und realistisch. Versprechen Sie nur, was Ihr Unternehmen als Ausbildungsbetrieb auch wirklich halten kann.

Für die Ausbildungspraxis heißt das: Bleiben Sie achtsam. Suchen Sie den Dialog und vergewissern Sie sich regelmäßig, wie viel Eigenständigkeit bzw. Unterstützung Ihre Auszubildenden je nach persönlichem Entwicklungsstand brauchen, um die Ausbildungsziele zu erreichen.

Beitrag von: Michael Kluge hat sich als Trainer, Coach und Publizist auf das Thema Berufsausbildung spezialisiert. Er gehört zum Autorenteam von „PersonalAusbilden“ und ist Autor des Fachbuchs „Der Ausbilder als Coach“. Foto: ©studiostoks-Fotolia.com


Alle Irrtümer im Überblick
 

Berufsausbildung: Vor diesen Irrtümern sollten sich Ausbilder schützen!©studiostoks-Fotolia.com

Irrtum Nr. 1: „Ausbilder sind Freunde des Auszubildenden.“

   
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Irrtum Nr. 2: „Nachsicht ist das A und O bei der Beurteilung von Auszubildenden.“

   
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Irrtum Nr. 3: „Auszubildende sind Mitunternehmer.“

   
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Irrtum Nr. 4: „Mangelnde Motivation der Auszubildenden ist die Wurzel allen Übels."

   
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Irrtum Nr. 5: „Die richtige Ausbildungsmethode ist der Garant für Erfolg.“

   
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Irrtum Nr. 6: „Zu wenig Zeit zum Ausbilden ist hinnehmbar."

   
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