Berufsausbildung: Vor diesen Irrtümern sollten sich Ausbilder schützen

Irrtum Nr. 6: „Zu wenig Zeit zum Ausbilden ist hinnehmbar.“

Der Ausbildungsplan ist Bestandteil des Ausbildungsvertrages. Jedes ausbildende Unternehmen verpflichtet sich, ihn zu erstellen und auch einzuhalten. Er ist das wichtigste Instrument zur zeitlichen und sachlichen Gliederung der Berufsausbildung. Damit werden – auf Grundlage der jeweiligen Ausbildungsordnung und unter Berücksichtigung der betrieblichen Gegebenheiten – die Ziele, Inhalte, Orte und Zeiten der Ausbildung, gegebenenfalls auch die Ausbildungsmethoden und -mittel festgelegt.

Plan trifft Realität

Doch trotz sorgfältiger Vorbereitung und großen Engagements erleben Fachausbilder immer wieder Situationen, in denen es ihnen unmöglich ist, die Vorgaben der „am Reißbrett“ erstellten Ausbildungspläne einzuhalten. Deshalb leiden erschreckend viele Ausbildungskräfte in ihrem Job, empfinden den Ausbildungsalltag als überfordernd und sich selbst als defizitär.

Die häufigste Ursache dafür: akuter Zeitmangel, zum Beispiel wegen Stellenabbaus, zunehmender Arbeitsverdichtung und stetig steigenden wirtschaftlichen Drucks. Erschwerend kommt hinzu, dass die Aufbau- und Ablauforganisation von Unternehmen nicht unbedingt prioritär nach den Bedürfnissen der beruflichen Ausbildung strukturiert ist.

Mut zur Wahrheit

Mit der Ansage „Augen zu und durch!“ ist hier niemandem geholfen. Im Gegenteil, damit verschlimmern Sie die Stress-Spirale. Aus der Zeitfalle führt nur ein Weg: Leiden Sie nicht mehr stumm, sondern signalisieren Sie Ihrer Ausbildungsleitung, dass Sie wegen Überlastung eine ordnungsgemäße Ausbildung nicht sicherstellen können. Bitten Sie offiziell um Unterstützung.

Das mag ernüchternd klingen, ist aber realistisch. Nur die Selbstoffenbarung „Mir bleibt zu wenig Zeit zum Ausbilden“ kann zum Umdenken und zu entsprechenden Maßnahmen im Unternehmen führen. In letzter Konsequenz ist vielleicht sogar eine Überprüfung und Modifizierung der Ausbildungspläne erforderlich.

Sollte die Ausbildungsleitung einen solchen Hilferuf ignorieren und Ihnen die Unterstützung verweigern, so würde damit billigend ein Vertragsbruch in Kauf genommen – nicht Ihnen als Ausbilder, sondern Ihren Auszubildenden gegenüber.

In der nächsten Folge erfahren Sie mehr über Irrtum Nr. 7: „Ausbilder sind Alleskönner.“

Beitrag von: Michael Kluge hat sich als Trainer, Coach und Publizist auf das Thema Berufsausbildung spezialisiert. Er gehört zum Autorenteam von „PersonalAusbilden“ und ist Autor des Fachbuchs „Der Ausbilder als Coach“. Foto: ©studiostoks-Fotolia.com

Alle Irrtümer im Überblick
 

Berufsausbildung: Vor diesen Irrtümern sollten sich Ausbilder schützen!©studiostoks-Fotolia.com

Irrtum Nr. 1: „Ausbilder sind Freunde des Auszubildenden.“

   
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Irrtum Nr. 2: „Nachsicht ist das A und O bei der Beurteilung von Auszubildenden.“

   
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Irrtum Nr. 3: „Auszubildende sind Mitunternehmer.“

   
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Irrtum Nr. 4: „Mangelnde Motivation der Auszubildenden ist die Wurzel allen Übels."

   
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Irrtum Nr. 5: „Die richtige Ausbildungsmethode ist der Garant für Erfolg.“

   
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