Berufsausbildung: Vor diesen Irrtümern sollten sich Ausbilder schützen

Irrtum Nr. 7: „Ausbilder sind Alleskönner.“

Die Anforderungen an Ausbildungskräfte in Unternehmen sind seit Inkrafttreten der ersten Ausbilder-Eignungsverordnung Anfang der 1970er-Jahre stetig gestiegen: Lernziele definieren, Fachwissen auf dem neuesten Stand anschaulich vermitteln, Auszubildende motivieren und coachen, Lernblockaden lösen, Konflikte managen, Beurteilungen erstellen und besprechen. Und darüber hinaus sollen Ausbilder neben Fachkompetenz auch noch Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz mitbringen.

Der Ausbilder als Alleskönner oder „eierlegende Wollmilchsau“? – Wer ständig versucht, diesem Idealbild und seinen überhöhten Erwartungen gerecht zu werden, setzt sich selbst massiv unter Druck und wird im Ausbildungsalltag zwangsläufig Enttäuschung und Überforderung erleben. Dagegen hilft eine ordentliche Dosis Realismus.

Ausbilder haben nur begrenzten Einfluss

Auch wenn Ausbilder sich intensiv um ihre Schützlinge bemühen, werden sie bei der Betreuung von Auszubildenden immer wieder an Grenzen stoßen. Denn wie ein Auszubildender letztendlich handelt, ob er beispielsweise seine Lehre abbricht oder fortsetzt, entscheidet er nach subjektiven Kriterien ganz allein. In solchen Situationen sind Ausbilder gut beraten, gelassen zu akzeptieren, was außerhalb ihres Einflussbereichs liegt.

Zudem gilt in der Berufsausbildung eine Bring- und Holschuld. So wie es die Pflicht der Ausbilder ist, ihren Auszubildenden die Fertigkeiten und Kenntnisse laut Betriebsausbildungsplan zu vermitteln, haben Auszubildende die Pflicht, diese Inhalte auch zu lernen. Aktives Ausbilden verlangt aktives Lernen. Lernen ist nicht delegierbar. Auszubildende sind für ihr Lernen selbst verantwortlich, wie ggf. auch für ihre Lernverweigerung.

Ausbilder fallen nicht vom Himmel

Die Mehrheit der Ausbildungskräfte übernimmt das Ausbilden als zusätzliche Aufgabe, neben ihrer eigentlichen Funktion als Fachkräfte für exakt definierte berufliche Tätigkeiten. In der Regel sind ihre pädagogischen und psychologischen Kompetenzen zunächst überschaubar und werden schrittweise auf- und ausgebaut. Wenn überhaupt, dann haben manche von ihnen die Ausbilder-Eignungsprüfung abgelegt, auf die sich die Kandidaten ganz unterschiedlich vorbereiten können. Das Angebot reicht vom Online-Kurs über Crashkurse am Wochenende bis hin zum Intensivkurs mit einem Umfang von etwa 160 Stunden.

Ausbilder dürfen Schwäche zeigen

Erfolgreiche Ausbilder machen das, was sie zu tun haben, so gut sie können. Wer sein Bestes gibt und dennoch feststellen muss, dass dies von anderen als nicht genügend betrachtet wird, sollte sich mit seiner menschlichen Begrenztheit abfinden und von unrealistischen Erwartungen verabschieden. Um es ganz deutlich zu sagen: Ausbilder sind nicht perfekt. Sie können nicht alle Probleme lösen. Auch ihnen kommt der Alltag in die Quere. Sie fühlen sich manchmal hilflos. Sie machen mitunter Fehler. Und das ist völlig normal!

Beitrag von: Michael Kluge hat sich als Trainer, Coach und Publizist auf das Thema Berufsausbildung spezialisiert. Er gehört zum Autorenteam von „PersonalAusbilden“ und ist Autor des Fachbuchs „Der Ausbilder als Coach“. Foto: ©studiostoks-Fotolia.com

Alle Irrtümer im Überblick
 

Berufsausbildung: Vor diesen Irrtümern sollten sich Ausbilder schützen!©studiostoks-Fotolia.com

Irrtum Nr. 1: „Ausbilder sind Freunde des Auszubildenden.“

   
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Irrtum Nr. 2: „Nachsicht ist das A und O bei der Beurteilung von Auszubildenden.“

   
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Irrtum Nr. 3: „Auszubildende sind Mitunternehmer.“

   
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Irrtum Nr. 4: „Mangelnde Motivation der Auszubildenden ist die Wurzel allen Übels."

   
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Irrtum Nr. 5: „Die richtige Ausbildungsmethode ist der Garant für Erfolg.“

   
 

Irrtum Nr. 6: „Zu wenig Zeit zum Ausbilden ist hinnehmbar."