Reihe Ausbildung

Vor diesen Irrtümern sollten sich Ausbilder schützen /Bild: ©Studistocks-Fotolia.com

Vor diesen Irrtümern sollten sich Ausbilder schützen!

In unserer Online-Reihe deckt Experte Michael Kluge Ansichten und Vorstellungen in der Berufsausbildung auf, die sich bei näherer Betrachtung als Irrtümer erweisen. 

Alle Irrtümer im Überlick. 
 

Berufsausbildung: Sind Sie ein Ausbildertyp?

Sich in der betrieblichen Erstausbildung zu engagieren, bringt Vorteile mit sich. Schließlich sorgen Betriebe so für ihr eigenes Fachkräftepotenzial. Doch wer selbst ausbilden möchte, sollte gewisse Kriterien erfüllen – und ein Stück weit ein Ausbildertyp sein.

Persönliche Eignung

Laut Berufsbildungsgesetzt darf nur ausbilden, wer persönlich geeignet ist. Eine persönliche Eignung liegt demnach vor, wenn die potenzielle Ausbildungskraft Kinder und Jugendliche beschäftigen darf. Der Verantwortliche darf nicht wiederholt oder schwer gegen das Berufsbildungsgesetz oder die auf Grund dieses Gesetzes erlassenen Vorschriften und Bestimmungen verstoßen haben. Kurzum: Wer ein lupenreines polizeiliches Führungszeugnis vorlegen kann, ist aus rechtlicher Sicht für die Tätigkeit des Ausbilders persönlich geeignet.

Fachliche Kompetenz

Neben der persönlichen Eignung ist die fachliche Kompetenz die zweite Voraussetzung. Einzelne Wirtschaftszweige definieren die fachliche Eignung zwar unterschiedlich. Aber in aller Regel setzt sie als Minimum eine bestandene Abschlussprüfung in einer dem Ausbildungsberuf entsprechenden Fachrichtung voraus. Alternativ kann auch ein Hochschulabschluss oder ein anderer Berufsabschluss infrage kommen – vorausgesetzt, dass jeweils eine angemessene Praxis in dem Beruf, der ausgebildet werden soll, vorliegt. Außerdem muss der Ausbilder das 24. Lebensjahr vollendet haben.

Pädagogische Kompetenz

Zu der fachlichen Kompetenz gehört der Nachweis einer berufs- und arbeitspädagogischen Qualifikation. Als Nachweis gilt für die meisten Berufszweige das Bestehen der Ausbildereignungsprüfung oder einer vergleichbaren Prüfung.

Ausbilder müssen diese formalen Anforderungen nicht in jedem Einzelfall erfüllen. Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen hauptamtlichen Ausbildern und nebenberuflichen Ausbildungsbeauftragten. Das heißt: Hauptamtliche Ausbilder müssen gleich dreifach kompetent sein: persönlich, fachlich und pädagogisch. Nebenberufliche Ausbildungsbeauftragte, die zusätzlich zu ihrer eigentlichen Arbeit mit Ausbildungsaufgaben betraut sind, müssen lediglich persönlich und fachlich geeignet sein. Eine pädagogische Kompetenz ist also kein Muss – obwohl diese durchaus von Vorteil wäre.

Checkliste: Bin ich ein Ausbildertyp?

Sind Sie für eine Ausbildungstätigkeit motiviert? Klären Sie diese Frage mithilfe der nachstehenden Checkliste! Antworten Sie mit einem Ja oder Nein. Nutzen Sie die Checkliste als Gratis-PDF-Download.

  1. Arbeiten Sie im Allgemeinen gerne mit anderen Menschen zusammen?
  2. Haben Sie im Besonderen Interesse und Freude am Kontakt mit jungen Menschen?
  3. Sind Sie jugendlichen Modetrends, Interessen und Problemen gegenüber aufgeschlossen?
  4. Trauen Sie sich den Umgang mit unterschiedlichen Jugendlichen zu?
  5. Sind Sie dazu bereit, sich die privaten Probleme der Auszubildenden anzuhören? 
  6. Wollen Sie ausbilden, weil Ihnen die Ausbildung junger Menschen am Herzen liegt? 
  7. Sind Sie selbst von Ihrem Fachgebiet begeistert? 
  8. Haben Sie prinzipiell Freude daran, Ihre Arbeitsinhalte methodisch so aufzubereiten, dass die zu vermittelnden Kenntnisse und Fertigkeiten von Ihren Auszubildenden gut aufgenommen werden können? 
  9. Sind Sie in diesem Zusammenhang auch dazu bereit, sich auf das jeweilige Lerntempo Ihres Auszubildenden einzustellen? 
  10. Sind Sie unter Umständen sogar dazu bereit, auch nach der "fünften" fehlgeschlagenen Vermittlung eines Sachverhalts nach einem Weg zu suchen, der am Ende zum gewünschten Lernziel führt? 
  11. Und sind Sie gegebenenfalls dazu bereit, das Zeitbudget zu erweitern, wenn Sie feststellen, dass die geplanten Zeiten nicht zum gewünschten Ergebnis führen? 
  12. Trauen Sie sich grundsätzlich zu, in einem Beurteilungsgespräch klar Position zu beziehen und mit einem Auszubildenden Klartext zu reden? 
  13. Sind Sie dazu bereit, sich Auseinandersetzungen zu stellen und zu versuchen, Konflikte konstruktiv auszutragen? 
  14. Wie schätzen Sie sich selbst ein: Würden Sie sich schnell von "schwierigen" Auszubildenden aus der Bahn werfen lassen? 
  15. Oder wären Sie in der Lage, emotionale Spannungen, die durch Konflikte entstehen, anzunehmen und zu regulieren? 
  16. Trauen Sie sich zu, trotz vorliegender Konflikte immer wieder auf Ihren jeweiligen Auszubildenden zuzugehen?

Auswertung

Je mehr Fragen Sie bejaht haben, desto ausgeprägter dürfte Ihre Motivation zum Ausbilden sein. Gehen Sie jedoch nicht einfach über die verneinten Fragen hinweg. Möglicherweise verdeutlichen gerade diese Fragen, an welchen Punkten Sie im beruflichen Ausbildungsalltag auf Schwierigkeiten stoßen könnten. Ob dies eher im Bereich der bevorzugten Arbeitsform, der Methodik oder Konfliktbereitschaft passiert, können Sie Ihren Verneinungen entnehmen. Denn Ihre Antworten auf die Fragen eins bis fünf zeigen, ob Sie eher ein Individualist oder Teamplayer sind. Anhand Ihrer Antworten auf die Fragen sechs bis elf erkennen Sie, wie es um Ihre Grundmotivation und methodische Flexibilität gestellt ist. Und der untere Fragenbereich zwölf bis sechzehn zeigt, ob Sie sich generell auf Konflikte einlassen und ob Sie nach eigener Einschätzung für Auseinandersetzungen dieser Art über die nötige emotionale Stabilität verfügen.

Autor: Michael Kluge hat sich als Trainer, Coach und Publizist auf das Thema Berufsausbildung spezialisiert. Er gehört zum Autorenteam von "PersonalAusbilden" und ist Autor des Fachbuchs "Der Ausbilder als Coach".
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