Berufsausbildung: Vor diesen Irrtümern sollten sich Ausbilder schützen

Irrtum Nr. 1: „Ausbilder sind Freunde des Auszubildenden.“

Ausbilder sind Freunde des Auszubildenden
Wer sich innerhalb einer Hierarchie als Freund seines Auszubildenden sieht, hat eine Wahrnehmung, die den Rahmenbedingungen einer betrieblichen Berufsausbildung nicht gerecht wird. Denn ein Ausbilder ist nach wie vor auch disziplinarischer Vorgesetzter seines Auszubildenden. Und eine Freundschaft ist gewöhnlich nicht dadurch gekennzeichnet, dass der eine anordnen darf, während der andere diesen Anweisungen Folge zu leisten hat.

Aber wenn ein Auszubildender kein „Freund“ ist –
was ist er dann?

Die Antwort auf diese Frage ist so einfach wie ernüchternd: ein Auszubildender! Und ein Auszubildender ist laut Berufsbildungsgesetz eine Person, die eingestellt wird, um ihr die Fertigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln, die zum Erreichen des Ausbildungszieles erforderlich sind. Mehr nicht, aber auch nicht weniger.

Wer innerhalb einer Berufsausbildung so tut, als ob die hierarchischen Verhältnisse nicht gegeben sind, der möchte sich vielleicht vor Auseinandersetzungen schützen, die er in seiner Vorstellung als bedrohlich oder zumindest als unangenehm antizipiert.

Wer seinen Auszubildenden als „vollwertiges Teammitglied“ behandeln möchte, tut dies eventuell in der Hoffnung, dem möglicherweise konfliktträchtigen beruflichen Erziehungsauftrag aus dem Weg gehen zu können. Als Begründung dafür wird oft angeführt, die Auszubildenden seien ja schließlich (fast) erwachsen und müssten insofern selbst wissen, welches Verhalten in der Arbeitswelt angemessen ist.

Praxistipp

Ausbilder sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie in einer vertraglich vereinbarten Zusammenarbeit nicht die Freunde ihrer Auszubildenden werden können. Unter anderem befinden sich die Jugendlichen lebensphasenbedingt in einem Ablösungsprozess. Auf diesem Weg kann es zu extremem und Grenzen überschreitendem Verhalten kommen.

Deshalb sollten sich Ausbilder immer noch als die Berufserziehenden der Jugendlichen zeigen, also als diejenigen, die mit dem Setzen von Grenzen auch gleichzeitig Orientierung und den nötigen Halt bieten. Wer als Ausbilder seinen Erziehungspflichten glaubwürdig nachkommt, verhält sich im Allgemeinen kollegialer als ein „verkappter Freund“, der früher oder später als disziplinarischer Vorgesetzter in Erscheinung treten muss.

Beitrag von: Michael Kluge hat sich als Trainer, Coach und Publizist auf das Thema Berufsausbildung spezialisiert. Er gehört zum Autorenteam von „PersonalAusbilden“ und ist Autor des Fachbuchs „Der Ausbilder als Coach“. Foto: ©studiostoks-Fotolia.com


Alle Irrtümer im Überblick
 

Berufsausbildung: Vor diesen Irrtümern sollten sich Ausbilder schützen!©studiostoks-Fotolia.com

Irrtum 1: „Ausbilder sind Freunde des Auszubildenden.“

   
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Irrtum 2: „Nachsicht ist das A und O bei der Beurteilung von Auszubildenden.“

   
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Irrtum 3: „Auszubildende sind Mitunternehmer.“

   
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Irrtum 4: „Mangelnde Motivation der Auszubildenden ist die Wurzel allen Übels."

   
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Irrtum 5: „Die richtige Ausbildungsmethode ist der Garant für Erfolg.“

   
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Irrtum 6: „Zu wenig Zeit zum Ausbilden ist hinnehmbar."

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