Betriebliche Prävention ohne Hysterie: Mit Plan gegen die Neue Grippe

 von Sigrun Knoche

Die Neue Grippe („Schweinegrippe“) ist in aller Munde, auch wegen der gerade angeordneten Impfkampagne. Trotzdem sind die meisten Unternehmen kaum oder überhaupt nicht auf die Auswirkungen dieser oder anderer sehr ansteckender Krankheiten vorbereitet. Lesen Sie hier, wie sich Personalabteilungen auf plötzliche große Personalausfälle vorbereiten können.

Riskante Herbstzeit

Nur etwa ein Viertel der bisher in Deutschland mit der Neuen Grippe infizierten Personen haben sich bisher im Inland angesteckt. Die meisten haben sich das Virus als unangenehmes Reiseandenken aus dem Urlaub mitgebracht – oder vom Flughafen. Auch deshalb rechnen Experten gerade im Spätherbst, wenn die Sommerurlauber zurückgekommen und viele Menschen ohnehin gesundheitlich angeschlagen sind, mit einer größeren Krankheitswelle. Solange noch kein ausreichender Impfschutz besteht, ist eine weitere sehr schnelle Verbreitung oder sogar eine Mutation des Erregers nicht ausgeschlossen.

So gefährlich ist die Neue Grippe doch gar nicht ...

Derzeit verläuft die Neue Grippe meist glimpflich und kann leicht mit Grippemedikamenten bekämpft werden, das könnte sich im Fall einer Mutation des Erregers jedoch leider schnell ändern. Da sie aber nur eine von vielen hoch ansteckenden Krankheiten ist, stellt sich für viele vor allem kleinere und mittelständische Unternehmen die grundsätzliche Frage nach einem Notfallplan: Was passiert, wenn plötzlich etwa ein Viertel der Belegschaft ausfällt, weil sie selbst erkrankt ist oder erkrankte Angehörige pflegen muss? Wie kann sichergestellt werden, dass der Betrieb zumindest rudimentär weiterläuft? Einen für diese Fälle notwendigen „Pandemieplan“ und entsprechende Verantwortliche gibt es nur in relativ wenigen Unternehmen.

Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden?

Gibt es keinen Krisenplan, so kommt auf die Personalverantwortlichen viel Arbeit zu. Das erste Interesse sollte sein, eine weitere Ausbreitung der Krankheit im Unternehmen zu vermeiden. Hierzu sollten die Arbeitnehmer, die räumlich und organisatorisch eng mit den erkrankten Personen zusammengearbeitet haben, für die Inkubationszeit isoliert oder freigestellt werden. Der Arbeitsplatz des Erkrankten sollte gründlichst gelüftet, gereinigt und desinfiziert werden, der Raum sollte zumindest für den ersten Tag nach Krankmeldung nicht mehr genutzt werden. Bereiten Sie schriftliche Informationen über die Hygieneempfehlungen, den Umgang mit Erkrankten im Betrieb sowie die Pflege erkrankter Personen zu Hause vor, um Panik zu vermeiden.

Denkbar ist auch eine zeitweilige Einrichtung von Heimarbeitsplätzen, wenn dies möglich ist. Dienstreisen sollten während der Hauptausbruchszeit der Krankheit vermieden werden, ebenso größere interne oder externe Veranstaltungen – empfehlen Sie stattdessen z.B. Telefonkonferenzen. Kommunizieren Sie per Aushang etc. intensiv die Hygieneempfehlungen des Robert-Koch-Instituts (s. unten), und weisen Sie auch darauf hin, dass die Nutzung von Aufzügen und Kantinen nicht ratsam ist – lassen Sie ggf. Lunchpakete ausgeben. Sämtliche Flächen und Gegenstände, die von vielen Menschen berührt werden (Türklinken etc.), sollten mehrmals am Tag desinfiziert werden.

Die Meldung des Grippefalls oder eines Verdachts hat übrigens der Arzt, nicht die Personalabteilung vorzunehmen. Hingegen ist der Arbeitnehmer bei einer hochgradig ansteckenden Krankheit wie etwa der Neuen Grippe verpflichtet, seinen Arbeitgeber über die Art der Erkrankung zu unterrichten. Der konkrete Verdacht der Erkrankung geht hier als sachlicher Grund für die Freistellung gegen Gehaltsfortzahlung dem Beschäftigungsanspruch des Arbeitnehmers vor. Die Krankmeldung sollte in jedem Falle telefonisch angenommen werden, eine evtl. AU-Bescheinigung am besten per Fax – das Original können Sie sich später nachreichen lassen.

Laufenden Betrieb sicherstellen

Die größte Gefahr bei einer Pandemie ist eine betriebsgefährdende Anzahl von Mitarbeiterausfällen. Der Pandemieplan sollte also dafür sorgen, dass zumindest eine Basis-Betriebsfähigkeit erhalten bleibt. Hierfür sollten Zuständigkeiten, Schlüsselfunktionen sowie wesentliche Prozesse festgelegt und im Plan aufgezeichnet werden. Ständig aktualisierte Vertretungsregeln und ein Plan für die eventuelle (Re-) Aktivierung älterer oder externer Mitarbeiter helfen, auch für Schlüsselpositionen immer eine Ersatzperson zur Verfügung zu haben.

Zudem müssen die laufenden vertraglichen Verpflichtungen des Unternehmens analysiert und priorisiert werden. Falls die Pandemie-Erkrankung Auswirkungen auf die Nachfrage der produzierten Güter oder Dienstleistungen hat, sollte dies ebenfalls im Pandemieplan berücksichtigt werden. Zudem müssen eventuelle Ausfälle an Zulieferern (auch Gas, Wasser, Strom, Telefon, Internet) durchgespielt und ggf. Vorratshaltung an notwendigen Rohstoffen sowie Datensicherungen auf unabhängigen Systemen vorbereitet werden.

Das „Worst Case Szenario“

Sollten all diese Planungen und Vorsichtsmaßnahmen nichts nützen und der Betrieb geschlossen werden, muss der Arbeitgeber die Vergütungen der Mitarbeiter weiterzahlen (Betriebsrisiko). Möglich ist allerdings die Nutzung der Kurzarbeit, sofern die erforderlichen Voraussetzungen erfüllt sind und der Betriebsrat der Einführung der Kurzarbeit zustimmt bzw. entsprechende einzelvertragliche Regelungen abgeschlossen werden können.

Wie sich Ihre Mitarbeiter selbst vor der Neuen Grippe schützen können –
zum Aushang bzw. zur Mitarbeiterinformation per E-Mail/Intranet

  • Waschen Sie Ihre Hände regelmäßig gründlich mit Wasser und Seife, besonders vor dem Zubereiten von Speisen, vor dem Essen, nach dem Toilettengang und wenn Sie nach Hause kommen.

  • Halten Sie Ihre Hände vom Gesicht fern, um die Erreger nicht auf die Schleimhäute von Augen, Nase und Mund zu übertragen.

  • Wenn Sie husten, wenden Sie sich von anderen Menschen ab und husten Sie nicht in die Hand, sondern in den Ärmel bzw. die Armbeuge.

  • Meiden Sie große Menschenansammlungen – Fußballspiele und Rockkonzerte ebenso wie Flughäfen und U-Bahnen zur Stoßzeit.

Wenn Sie trotzdem Krankheitsanzeichen an sich bemerken, bleiben Sie bitte zu Hause und vereinbaren Sie mit Ihrem Arzt telefonisch einen gesonderten Termin. Halten Sie sich von anderen Menschen (auch Angehörigen) mindestens 1 m weit fern und lüften Sie geschlossene Räume, in denen Sie sich aufhalten, regelmäßig.