Betriebliches Demografiemanagement: Teilweise am Bedarf vorbei gezielt

Sowohl bei den betrieblichen Maßnahmen zur Alters- als auch zur Gesundheitsvorsorge klaffen Lücken zwischen Angebot und Nachfrage. Das geht unter anderem aus einer Studie hervor, die die Gothaer Versicherung gemeinsam mit dem FAZ-Institut durchführte.

Ordner mit der Beschriftung VorsorgeDie Gothaer Versicherung AG und das FAZ-Institut haben für die Studie "Betriebliches Demografiemanagement aus Arbeitnehmersicht 2013" im Dezember 2012 1.000 erwerbstätige Personen aus Unternehmen jeder Größe im Alter von 16 bis 60 Jahren vom Marktforschungsinstitut Forsa befragen lassen. Drei Themenblöcke standen im Fokus: Die Sorgen der Arbeitnehmer hinsichtlich finanzieller Absicherung im Alter und Gesundheit, der Status quo der Vorsorgeangebote seitens der Arbeitgeber und die Erwartungen und Wünsche an entsprechende Leistungen.

Einkommen im Alter reicht nicht
Zunächst wollten die Studienmacher wissen, bei welchen Zukunftsrisiken die Beschäftigten die Eintrittswahrscheinlichkeit für am größten halten. Hier zeigt sich ein klares Ergebnis. "Die meisten Erwerbstätigen gehen davon aus, dass sie im Alter nicht über genügend Einkünfte verfügen werden, um ihren Lebensunterhalt zu gestalten", erläutert Michael Kurtenbach, Vorstandschef der Gothaer Versicherung und Personalvorstand des Gothaer-Gesamtkonzerns. So sind 61 Prozent der Befragten überzeugt, dass die Leistungen aus der gesetzlichen Rente und der privaten Altersvorsorge nicht ausreichen werden. Eine nüchterne Vision von ihrer Situation im Alter haben die Arbeitnehmer jedoch nicht nur bezogen auf die finanzielle Absicherung: 49 Prozent halten sogar eine eigene Berufsunfähigkeit für wahrscheinlich. In der Realität muss heute knapp jeder Vierte krankheitsbedingt seinen Beruf vorzeitig aufgeben.

Zweiklassengesellschaft bei der bAV
Angesichts der oben beschriebenen Sorge vor sinkendem Lebensstandard im Alter verwundert es nicht, dass hier die betriebliche Altersversorgung (bAV) am weitesten verbreitet ist. In den Genuss der arbeitgeberfinanzierten Variante kommen 40 Prozent der Befragten – die über 45-Jährigen allerdings deutlich häufiger (44 Prozent) als die jüngeren Kohorten (37 Prozent). Dieser Umstand hängt nach Ansicht Kurtenbachs auch mit dem 2010 geänderten Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) zusammen, das heute höhere Rückstellungsverpflichtungen beinhaltet und dazu führte, dass manche Firmen ihre bAV-Angebote auf Eis legten. Eine Entwicklung mit Potenzial für Unzufriedenheit: "Viele jüngere Arbeitnehmer wissen in diesem Zusammenhang um eine Art Zweiklassengesellschaft in ihrem Unternehmen", warnt der Gothaer-Vorstand, der hinzufügt. "Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels müssten Unternehmen eigentlich verstärkt in das Thema einsteigen. Der Druck, arbeitgeberfinanzierte Modelle wieder einzuführen, wird deshalb spätestens dann wachsen, wenn die Altlasten zurückgehen." Die Studie zeigt: Bei den Befragten aller Altersklassen steht die arbeitgeberfinanzierte bAV schon heute ganz oben auf dem Wunschzettel.

Drohende Versorgungslücke
Ein stärkeres diesbezügliches Engagement mahnte kürzlich auch die Initiative das Demografie Netzwerk (ddn) anlässlich der Veröffentlichung des "Vorsorgeatlas Deutschland 2013" an, den das Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg im Auftrag von Union Investment erstellte. Den Forschern zufolge wird es selbst für fast die Hälfte der Menschen mit Riester-Verträgen und bAV-Ansprüchen schwierig werden, den heutigen Lebensstandard im Alter fortzuführen. Es sei alles dafür zu tun, Menschen zu einer höheren Eigeninitiative in Sachen Altersvorsorge zu bewegen, so der ddn. Dazu bedürfe es auch neuer, ungewöhnlicher Wege. "Eigentlich müssten wir über deutlich mehr und variablere Möglichkeiten der bAV und die Verbindung mit Wertguthabenregelungen sprechen", fordert ddn Vorstand Rudolf Kast. "Unsere Vorstellungen, wie Altersvorsorge und der Eintritt in die Rente aussehen, sind deutlich starrer als die Lebenswirklichkeit der Menschen. Die stehen heute vor der Herausforderung, Beruf und Familie zu vereinbaren, immer kürzere Technologiezyklen durch Weiterbildungen zu bewältigen oder in der Spätphase des Arbeitslebens Rücksicht auf ihre Gesundheit nehmen zu müssen."

Mehr für die Gesundheit tun
Auf eine Angebotslücke lassen auch die Befunde der Studie von Gothaer und FAZ zur betrieblichen Gesundheitsförderung schließen. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten gibt an, ihr Unternehmen böte keine einzige der sechs abgefragten Einzelmaßnahmen der Gesundheitsförderung. 29 Prozent der Befragten geben an, ihr Arbeitgeber würde sie überhaupt nicht über derartige Angebote informieren.

Unter den Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, die Arbeitgeber anbieten, rangieren die Bewegungsangebote für Rücken und Ausdauer mit 31 Prozent Zustimmung an erster Stelle. Es folgen Gesundheitstage (28 Prozent), ergonomisches Coaching am Arbeitsplatz (22 Prozent) und Stressmanagement (19 Prozent) vor Angeboten zur gesunden Ernährung (18 Prozent) und weiteren Hilfen und Beratungsleistungen (9 Prozent). Allerdings würde mehr als die Hälfte der Befragten gerne eine arbeitgeberfinanzierte Zusatzversicherung für Zahnersatz (69 Prozent), für zahnmedizinische Behandlungen (56 Prozent) oder ein Tagegeld im Pflegefall (53 Prozent) in Anspruch nehmen können.

Autor: Alexander Kolberg / Bild: © DOC RABE Media - Fotolia.com

Weiterführende Informationen zum Thema:

  • Das Demographie Netzwerk e.V. (Hrsg.): "Betriebliche Vorsorgeinstrumente im demographischen Wandel". Analysen, Bestandsaufnahmen undLösungsmodelle. Bremerhaven 2012.
  • Gothaer Versicherungsbank VVaG/FAZ-Institut (Hrsg.): Betriebliches Demografiemanagement aus Arbeitnehmersicht 2013, Köln/Frankfurt 2013.
  • Thomas Jasper/Jens Denfeld: Was Mitarbeiter wollen, Sonderheft bAV, Personalwirtschaft 07/2012, Seiten 12-14.
  • Henner Hentze/Rainer Schandry/Roman Schenk: Gesundheitsmanagement und Altersdynamik, Sonderheft Betriebliches Gesundheitsmanagement, Personalwirtschaft 11/2012, Seiten 16-18.
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