Bitcoin auf der Lohnabrechnung – Spielerei oder massentauglich?

Nur Bares ist Wahres, heißt es. Bitcoin beweist das Gegenteil: Vor allem in der Finanz- und IT-Branche steht man dem Krypto-Geld positiv gegenüber, weil es unter anderem fälschungssicher und unabhängig von Banken oder dem Staat ist. Ob und wann es sich flächendeckend durchsetzt, ist offen. Löhne und Gehälter in Bitcoin auszuzahlen, ist derzeit aber noch riskant.

Bitcoin: Virtuelles Geld

Kennen Sie Satoshi Nakamoto? Unter diesem Pseudonym veröffentlichte ein Anonymus (oder eine Gruppe) 2008 ein Dokument, in dem das Modell eines digitalen, dezentralen Zahlungssystems beschrieben wurde. Es beruht, vereinfacht ausgedrückt, auf einer Datenbank, der Blockchain, die von den Nutzern selbst verwaltet wird. Das Netzwerk besteht aus verschiedenen Clients, die jeweils die gesamte Blockchain auf ihrem Rechner gespeichert haben. Eine zentrale Abwicklungsstelle gibt es nicht. Kryptographische Techniken stellen sicher, dass jede Transaktion verifiziert wird, das virtuelle Geld beispielsweise nicht zweimal ausgegeben werden kann.

Das System wurde Opfer des eigenen Erfolgs. Vor allem die Schnelligkeit, mit der weltweit finanzielle Transaktionen durchgeführt werden konnten, ließ aufgrund der steigenden Nutzerzahl nach – und beraubte Bitcoin eines großen Vorteils. Anfang August kam es zu einer Aufspaltung in Bitcoin und Bitcoin Cash, mit dem gleichzeitig Updates eingespielt wurden, die die Effizienz wieder steigern sollten. Bitcoin Cash wird (noch) nicht von allen Bitcoin-Börsen anerkannt. Dagegen verlieh die Trennung Bitcoin Flügel: Zwei Wochen danach war ein Bitcoin erstmals mehr als 4000 Dollar wert. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs damit vervierfacht.

Erstes Experiment gescheitert

Dem Einsatz in der Lohn- und Gehaltsabrechnung in Unternehmen stehen aber noch zu viele Risiken gegenüber. Das Digitalmagazin t3n wagte sich als nach eigenen Angaben erster Arbeitgeber in Deutschland bereits 2015 aus der Deckung und bezahlte einen Teil der Gehälter in Bitcoin aus. Partner war das Start-up Pey aus Hannover, das sich auf Blockchain-Lösungen spezialisiert hat – und Bitcoin ist eine solche Anwendung. Zunächst wurde das Verfahren intern mit einigen Mitarbeitern getestet und dann unternehmensweit ausgerollt. Der Betrag, der in Bitcoin umgewandelt wurde, lag bei 20 Euro pro Lohnabrechnung.

Das Experiment ist mittlerweile schon wieder beendet. Der Kurs stieg zwar auch damals schon, aber die Bitcoin-Zahlungen wurden eingestellt: Pey hat den Service mangels Nachfrage aufgegeben. Der Arbeitgeber, t3n, hätte gerne weitergemacht, zitiert die FAZ den Gründer Andreas Lenz. Die Mitarbeiter seien „sehr zufrieden“ gewesen, doch gebe es noch zu wenig „Freaks wie ihn“, die sich damit auseinandersetzten. Ein Malermeister oder Tischler interessiere sich nicht für Bitcoin, „weil er gar nicht checkt, was das ist“.

Rechtliche Einordnung ist schwierig

Der Hauch des Mysteriösen, der das Krypto-Geld umweht, dürfte aber nur einer der Gründe für die Zurückhaltung der Unternehmen sein. Ein weiterer ist die Volatilität. Viele Branchenkenner schätzen Bitcoin weniger als Währung, sondern als Investment ein. Die Schwankungen sind mitunter enorm. Das zeigt nicht nur der rasante Kursanstieg in diesem Jahr. 2016 beispielsweise wurde eine Bitcoin-Börse in Hongkong Opfer eines Hackerangriffs. Die Täter erbeuteten umgerechnet rund 58 Millionen Euro, woraufhin der Kurs der Digitalwährung um mehr als 20 Prozent sank.

Nun mag es im Ermessen jedes Mitarbeiters liegen, was er mit seinen Bitcoins auf dem Gehaltszettel anstellt. Er benötigt jedoch ein sogenanntes Wallet, ein Portemonnaie, für den Empfang, und er muss für Transaktionen bezahlen. Noch diffiziler aber ist die rechtliche Beurteilung. Das Bundesfinanzministerium hat Bitcoins 2013 als Rechnungseinheiten eingestuft, berichtet die Kanzlei Röhl, Dehm & Partner. Sie sind keine Währung, weil sie unter anderem von keiner Notenbank ausgegeben werden und keiner staatlichen Deckung unterfallen. Auch fehlt es an Merkmalen, die Bitcoin als E-Geld klassifizieren würden.

Damit könnten sie als steuerfreie Prämie bis maximal 44 Euro abgerechnet werden. Die regulatorischen Konsequenzen aber sind unbekannt, urteilen einschlägige Blogs. Schwierigkeiten ergäben sich zudem bei der Buchhaltung und der Lohnabrechnung, weil das Krypto-Geld nicht zu einem festen Kurs in Euro umgerechnet werden kann. T3n sieht das anders: „Der Bitcoin ist die erste echte Währung, die sich den Status einer Währung unabhängig von staatlichen Institutionen und Zentralinstanzen erarbeitet hat.“ Ob deutsche Gerichte im Zweifelsfall auch so urteilen würden, darf zumindest derzeit noch angezweifelt werden.

Fazit

Für die große Masse ist das Bitcoin-System noch zu abstrakt und unbekannt. Zudem wiegen mögliche Vorteile wie die Unabhängigkeit von Staaten und Banken oder niedrige Transaktionsgebühren bei weltweiten Zahlungen noch nicht so schwer, als dass man eine neue Währung akzeptieren würde, die rechtlich zudem (noch) nicht als Währung anerkannt ist. Vielen erscheint der Spruch „Nur Bares ist Wahres“ immer noch als gültig: Bereits beim Einsatz von Kreditkarten zeigen sich die Deutschen im internationalen Vergleich eher zurückhaltend. Bitcoins auf der Lohnabrechnung sind derzeit noch längst nicht massentauglich. „Ihr seid drei Jahre zu früh dran“, soll einer der Pey-Chefs zu t3n-Gründer Lenz gesagt haben.

Autor: David Schahinian, freier Journalist, Frankfurt a. M.
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