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Brennpunkt Betriebsfrieden: Beleidigung von Kollegen kann fristlose Kündigung nach sich ziehen

von Frank Strankmann 

Arbeitgeber müssen es nicht hinnehmen, wenn ein Beschäftigter andere Mitarbeiter – zumal vor Kunden – beleidigt oder gar bedroht. Ein derartiges Verhalten rechtfertige im Zweifelsfall sogar die fristlose Kündigung, entschied kürzlich das Landesarbeitsgerichts Schleswig-Holstein. Zur Begründung verwies die 3. Kammer auf die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, die ihn anhalte, "den Betriebsfrieden und ein gedeihliches Miteinander zu gewährleisten" (3 Sa 224/09).

Hintergrund für den Rechtstreit ist das Verhalten einer 31-jährigen Bäckereifachverkäuferin, die eine kurz zuvor eingestellte Auszubildende mehrfach offen vor Kunden kritisiert hatte. Dies war der Verkaufsleitung während eines Gespräches mit der Auszubildenden im Rahmen eines Besuches in der Filiale mitgeteilt worden. Daraufhin wurde die spätere Klägerin noch am gleichen Tag dazu angehalten, die Kollegin "vernünftig zu behandeln und Kritik nicht vor Kunden zu äußern".

Nachdem die Filialleiterin der Geschäftsführung in der Folgewoche melden musste, dass sich das Verhalten der Frau eben nicht zum Besseren verändert, sondern sogar noch verschlimmert hatte, wurde sie nunmehr formal zu einem Personalgespräch gebeten. Darin forderte man sie auf, "einen angemessenen Ton zu wahren" und "insbesondere Beschimpfungen und Bedrohungen zu unterlassen". Zudem wurde sie angewiesen, mit der Auszubildenden ein aussöhnendes Gespräch zu führen und auch ihr ruppiges Verhalten gegenüber einer zwischenzeitlich neu eingestellten Verkäuferin abzustellen. Schließlich wurde ihr mitgeteilt, dies sei ihre "letzte Chance".

Anstatt die Zeichen der Zeit zu verstehen und ihr Verhalten entsprechend zu verändern, fuhr die soeben Abgemahnte allerdings anschließend direkt an ihren Arbeitsplatz, wo sie die Auszubildende nach Darstellung des Arbeitgebers in Anwesenheit der Filialleiterin beleidigte und bedrohte. Als Folge erhielt sie am übernächsten Tag die außerordentliche, hilfsweise ordentliche Kündigung. In der darauffolgenden Woche besuchte die Frau schließlich erneut die Filiale und soll dabei der Auszubildenden gesagt haben, wegen "dir kleine Schlampe, du Bitch, bin ich gekündigt worden. Du bist so ein Kollegenschwein. Du bist die größte Schlampe auf der Welt! Ich hoffe, du wirst die Probezeit nicht überstehen!" Folge: Eine erneute außerordentliche Kündigung, die auch unstrittig zugegangen ist.

Mit ihren dagegen eingelegten Kündigungsschutzklagen stieß die 31-Jährige sowohl vor dem Arbeitsgericht als auch vor der 3. Kammer des LAG allerdings auf wenig Gehör. Die Richter folgten dem Argument, die Frau habe keine Vertragspflichten verletzt, sondern "sich allenfalls etwas burschikos verhalten", nicht.

Vielmehr sahen es die Richter als erwiesen an, dass sich die Klägerin "nicht nur in einer burschikosen Art geäußert hat, sondern beide [Kolleginnen] in einer untragbaren Art eingeschüchtert, teilweise sogar bedroht und damit ein gedeihliches Zusammenarbeiten nachhaltig gestört hat". Dieses Verhalten habe der Arbeitgeber "zu Recht mit dem Ausspruch einer fristlosen Kündigung geahndet". Schließlich sei die Klägerin "angesichts ihres unangemessenen Umgangstons" zuvor bereits zweimal aufgefordert worden, ihr Verhalten zu ändern. Überdies sei ihr beim letzten Gespräch gesagt worden, dass "dieses nunmehr ihre letzte Chance sei". Damit sei – trotz gegenteiliger Auffassung der klagenden Partei – "zweifelsfrei" eine Abmahnung im arbeitsrechtlichen Sinne ausgesprochen worden.

Verhalten rechtfertigt trotz langjähriger Betriebszugehörigkeit den Rauswurf

Aus alledem ergebe sich, dass der Ausspruch der außerordentlichen Kündigung gerechtfertigt und es für den Arbeitgeber unzumutbar gewesen sei, das Vertragsverhältnis "auch nur bis zum Ablauf der Kündigungsfrist fortzusetzen".

Dies gelte, so das Gericht abschließend, angesichts der "fehlenden Einsichtsfähigkeit sowie der zeitnahen Wiederholungen des mehrfach beanstandeten Umgangsstils" trotz der langen Betriebszugehörigkeit der Klägerin.

Urteil des Landesarbeitsgerichts Schleswig-Holstein vom 21.10.2009 (3 Sa 224/09).

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