Brückenteilzeit: Rückkehrrecht auf Vollzeit kommt

Mit Jahresbeginn 2019 soll das neue "Brückenteilzeitgesetz" in Kraft treten. Beschäftigte können demnach befristet in Teilzeit arbeiten. Teilzeitkräfte haben es zukünftig leichter, wieder zurück in Vollzeit zu wechseln.

Paragrafen Zeichen

"Arbeitszeit, die zum Leben passt" - das möchte die Bundesregierung mit ihrem Gesetzentwurf zur sogenannten Brückenteilzeit ermöglichen. Der Bundestag hat Mitte Oktober 2018 das Gesetz beschlossen. Bereits im Juni hat das Bundeskabinett den Entwurf zur Änderung des Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) auf den Weg gebracht. Im November will der Bundesrat abschließend darüber beraten. In Kraft treten sollen die Neuerungen zum 1. Januar 2019.

Vorteile für Arbeitnehmer

Vor allem kommt das neue Gesetz Arbeitnehmern zugute. Sie sollen einfacher in Teilzeit arbeiten können, aber nicht unfreiwillig in Teilzeitarbeit verbleiben müssen, heißt es in dem Entwurf. Aktuell sieht das TzBfG zwar den Anspruch auf unbegrenzte Teilzeitarbeit vor. Aber für Mitarbeiter besteht das Risiko, dauerhaft in Teilzeit bleiben zu müssen. In Zukunft können Beschäftigte, die ihre Arbeitszeit nur zeitlich begrenzt verringern, nach Ablauf des Zeitraums wieder zu ihrer ursprünglich vertraglich vereinbarten Arbeitszeit zurückkehren. Die Neuregelung soll ebenso für Beschäftigte gelten, die bereits unbefristet in Teilzeit arbeiten und ihre Arbeitszeit wieder erhöhen wollen. Zukünftig muss der Arbeitgeber beweisen, keine entsprechenden freien Stellen zu haben oder belegen, dass ein Teilzeitmitarbeiter mit Vollzeitwunsch nicht über die gleiche Eignung wie andere Bewerber verfügt.

Das Rückkehrrecht im Einzelnen

Der neue Rechtsanspruch auf Brückenteilzeit ist an keinen bestimmten Grund geknüpft - anders als beispielsweise beim Familienpflegezeitgesetz (FPfZG). Neben dem bestehenden Anspruch auf zeitlich unbegrenzte Teilzeitarbeit enthält das TzBfG zukünftig einen gesetzlichen Anspruch auf zeitlich begrenzte Teilzeit. Wie bisher: Das Arbeitsverhältnis muss dafür mindestens sechs Monate bestanden haben. Dann kann ein Mitarbeiter seine vertraglich vereinbarte Arbeitszeit für einen Zeitraum von einem bis zu fünf Jahren verringern. Wichtig: Der Zeitraum ist im Vorfeld festzulegen und gilt verbindlich. Ein weitere Verringerung oder Erhöhung der Arbeitszeit ist während der Brückenteilzeit nicht möglich. Dies soll Arbeitgebern Planungssicherheit geben. Ist der Zeitraum abgelaufen, kehrt der Mitarbeiter wieder zu seiner ursprünglich vereinbarten Arbeitszeit zurück. Ein Teilzeitantrag muss in Textform - zum Beispiel per E-Mail - spätestens drei Monate vor Beginn beim Arbeitgeber eingehen.

Ausnahmen für kleine Unternehmen

Der Gesetzgeber möchte kleine Betriebe nicht überfordern. Für Unternehmen mit bis zu 45 Beschäftigten gelten die neuen Regelungen zur Brückenteilzeit nicht. Beschäftigte in Betrieben dieser Größenordnung haben keinen Rechtsanspruch auf befristete Teilzeitarbeit. Für Arbeitgeber mit 46 bis 200 Mitarbeitern sieht das Gesetz eine Zumutbarkeitsgrenze vor. Unternehmen dieser Größe müssen pro 15 Beschäftigten nur jeweils einem Antrag auf befristete Teilzeitarbeit genehmigen. Das Gesetz verpflichtet Arbeitgeber zudem, Veränderungswünsche hinsichtlich Arbeitszeit mit ihren Beschäftigten zu besprechen. Diese Regelung gilt unabhängig der Betriebsgröße.

Änderungen bei Arbeit auf Abruf

In Zukunft soll für Beschäftigte, die Arbeit auf Abruf leisten, mehr Planungs- und Einkommenssicherheit bestehen. Dazu beschränkt der Gesetzgeber mögliche abrufbare Zusatzarbeit. Einseitig vom Arbeitgeber abgerufene Arbeit darf zukünftig nicht mehr als 25 Prozent der vereinbarten wöchentlichen Mindestarbeitszeit betragen. Ist eine Höchstarbeitszeit vereinbart, beträgt das flexible Volumen 20 Prozent der Arbeitszeit. Wenn keine wöchentliche Arbeitszeit festgelegt ist, gilt in Zukunft eine Arbeitszeit von 20 Stunden als vereinbart.

Autor: Sven Lechtleitner / Foto: © sk_design - Fotolia.com