Chancen von Quereinsteigern auf dem Arbeitsmarkt wachsen

Fachkräfte dringend gesucht: Aufgrund der demografischen Entwicklung nimmt der Wettbewerb um gut ausgebildete und qualifizierte Mitarbeiter zu. Damit rücken auch Quereinsteiger verstärkt in den Fokus. Eine aktuelle Auswertung zeigt, dass Seiteneinsteiger immer öfter gezielt von Unternehmen umworben werden.

Demografische Entwicklung: Bevölkerungszahl schrumpft zusehends
Niedrige Geburtenraten und eine steigende Lebenserwartung sorgen schon seit geraumer Zeit für eine grundlegende Veränderung in der bundesdeutschen Bevölkerung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes werden unter gleichbleibenden Bedingungen im Jahr 2050 rund sieben Millionen Menschen weniger in Deutschland leben. Bis 2060 soll die Bevölkerungszahl sogar um 17 Millionen Menschen abnehmen. Hinzu kommt, dass jeder Dritte Deutsche dann älter als 65 Jahre alt sein wird.

Das hat Folgen für alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, etwa den Städtebau oder die Infrastruktur. Bei den Unternehmen ist die Entwicklung heute schon zu spüren. Sie haben es zunehmend schwerer, ihre Fach- und Führungspositionen adäquat zu besetzen. Wie so oft hilft der Blick über den eigenen Tellerrand. Auch wenn Quereinsteiger insgesamt immer noch vergleichsweise selten konkret in Stellenanzeigen adressiert werden, ist ein rasanter Zuwachs zu beobachten. Das hat eine aktuelle Auswertung der Personalberatung „personal total“ ergeben.

Quereinsteiger werden zunehmend umworben
102 Printmedien sowie 20 Online-Stellenbörsen wurden für die Untersuchung herangezogen. Ein Ergebnis: Die Anzahl an Stellenanzeigen, die explizit Quereinsteiger ansprachen, ist im Vergleich zum letzten Quartal des vergangenen Jahres um 33 Prozent gestiegen. Rund 3.900 Unternehmen hätten insgesamt 13.400 Stellenanzeigen geschaltet, in denen sie auch Seiteneinsteiger zur Bewerbung aufforderten.

Dabei zeigten sich teilweise große Unterschiede zwischen verschiedenen Branchen. Vor allem im Vertrieb und im Verkauf stehen die Chancen für Quereinsteiger derzeit besonders gut. Mit 5.100 geschalteten Anzeigen im ersten Quartal 2012 entfielen rund 38 Prozent der Inserate, die sich auch an Fachfremde richteten, auf diesen Bereich. Mit weitem Abstand folgen der Bereich IT und Telekommunikation sowie technische Berufe.

Insgesamt sind Stellenanzeigen für Quereinsteiger jedoch immer noch eine Seltenheit. Auf das gesamte Jahr 2011 gesehen hätten lediglich rund 2,6 Prozent der betrachteten Unternehmen diese Gruppe direkt angesprochen. Nach Ansicht von Tilmann Gante, Vorstand der personal total AG, könnte sich dies jedoch durchaus lohnen. Viele potenzielle Bewerber hätten sich ihr Wissen außerhalb der klassischen Berufslaufbahn angeeignet und könnten mit einer Vielzahl an praktischen Erfahrungen auftrumpfen.

Neue Denkweisen und Rekrutierungsmethoden sind gefragt
Einen neuen Ansatz verfolgt beispielsweise die Jobbörse "talentfrogs.de". Dort werden dem eigenen Motto zufolge "Talente, und keine Lebensläufe" vermittelt. Das Konzept stammt aus Neuseeland und stellt die gesuchten beziehungsweise angebotenen Kompetenzen in den Mittelpunkt. Potenzielle Bewerber können Jobs nach einem oder mehreren von insgesamt 20 geforderten Talenten wie etwa "Analysefähigkeit" oder "Führungsstärke" filtern. Klassische Suchkriterien wie Region oder Branche stehen ebenfalls zur Verfügung. Das Projekt konnte sich für das Finale des diesjährigen HRInnovationSlam qualifizieren, der Ende September auf der Messe "Zukunft Personal" in Köln stattfindet.

Quereinsteiger sind weit davon entfernt, eine Notlösung für die Unternehmen zu sein. Im Gegenteil: Oftmals können sie besondere Stärken wie etwa branchenübergreifendes Denken oder eine hohe Selbstmotivation vorweisen. Auch die Unzufriedenheit mit dem bisherigen Arbeitsverhältnis kann gut qualifizierte Mitarbeiter dazu bewegen, sich ein neues Tätigkeitsfeld zu suchen. Grund genug für Personaler, sich dem Potenzial von Quereinsteigern stärker zu widmen.

Autor: David Schahinian / Foto: © Sandra Thiele - Fotolia.com