Fachkräfte mit Berufsausbildung gewinnen

Qualifizierte Bewerber mit Berufsausbildung sind schwer zu finden. Vor allem in der Pflege sowie im Handwerk herrscht Mangel. Eine aktuelle Studie gibt Tipps, wie Unternehmen Nicht-Akademiker finden und binden können.

Wand mit Aufschrift

Wie unterschiedlich Akademiker und Nicht-Akademiker die Arbeitswelt wahrnehmen, hat der Stellenmarkt meinestadt.de in einer Studie näher betrachtet. Dazu hat das Marktforschungsinstitut respondi insgesamt 2.068 Teilnehmer befragt - davon die Hälfte mit akademischer Ausbildung, die andere Hälfte mit Berufsausbildung. Auf Basis der Studienergebnisse zeigt die Jobbörse auf, wie Bewerber zu überzeugen und Mitarbeiter im Unternehmen zu halten sind.

Auf Zufriedenheit im Job hinweisen

Der stärkste Konkurrent für die Berufsausbildung ist das Studium. Viele Schüler streben nach ihrem Abschluss eine akademische Laufbahn an, sie möchten eine Hochschule besuchen. Die Studie von meinestadt.de zeigt allerdings, dass ein Studium nicht unbedingt für mehr Zufriedenheit im Arbeitsleben sorgt. So finden Akademiker wie Nicht-Akademiker ihren Job nahezu zu gleichen Anteilen gut. Die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter können Arbeitgeber im Recruiting nutzen. Inwiefern Studium oder Ausbildung auf den Beruf vorbereiten, diesbezüglich sind hingegen deutliche Unterschiede erkennbar. Bei der Ausbildung fühlen sich 60,8 Prozent der Befragten gut vorbereitet, beim Studium sind es nur 34,2 Prozent. Auch dies sind Vorteile der Berufsausbildung, die sich im Recruiting kommunizieren lassen.

Gesundheit der Beschäftigten im Blick behalten

Die Studienergebnisse zeigen, dass Rückenleiden sowohl bei Akademikern (58,6 %) als auch bei Nicht-Akademikern (48,7 %) ein Thema sind. Selbstverständlich ist, dass körperliche Leiden in einigen Ausbildungsberufen häufiger vorkommen als in akademischen Berufszweigen. Bei Letzteren hingegen führt oftmals Stress zu Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Wer Mitarbeiter gesund halten und langfristig an das Unternehmen binden möchte, investiert in ein umfassendes Gesundheitsmanagement. Dazu sind psychische wie physische Belastungsfaktoren festzustellen und entsprechende Maßnahmen anzubieten. Ein Hinweis darauf in Stellenanzeigen lässt auf eine positive Arbeitskultur schließen.

Recruiting in der Umgebung

Die Umzugsbereitschaft von Menschen mit Berufsausbildung ist deutlich niedriger als die von Akademikern. Es liegt daher die Annahme nahe: Nicht-Akademiker bewerben sich eher bei einem Unternehmen in der Region. Fachkräfte mit Berufsausbildung von einem Umzug zu überzeugen, dazu brauche es eher greifbare Arbeitgeberleistungen als lediglich das Versprechen auf einen spannenden Job, heißt es. Ratsam ist es daher, Fachkräfte verstärkt regional zu rekrutieren.

Sinnstiftende Arbeit als Anreiz

Arbeit ist mehr als nur eine reine Einkommensquelle - dem stimmen auch Fachkräfte mit Berufsausbildung zu. So wollen nach einem Lottogewinn 64,2 Prozent der Nicht-Akademiker und 72,5 Prozent der Akademiker weiter arbeiten. Sinnstiftende Arbeit nur auf Akademiker zu beziehen, scheint in Anbetracht dieser Zahlen falsch. Das Jobportal empfiehlt, Fachkräfte aus dem Betrieb berichten zu lassen, wann ihnen bei der Arbeit "das Herz aufgeht".

Überzeugungsarbeit spezifisch gestalten

Für Arbeitgeber ist es wichtig zu wissen, nach welchen Faktoren Menschen über ihre Berufswahl entscheiden. Die Studienergebnisse zeigen je Gruppe unterschiedliche Prioritäten. Nicht-Akademiker entscheiden zu 54,2 Prozent nach ihren Interessen über die Wahl des Berufes. Bei Akademikern liegt die Zahl bei 70 Prozent. Darüber hinaus spielt bei Fachkräften mit Berufsausbildung das Thema Sicherheit eine wesentlich größere Rolle. Ebenfalls nicht zu unterschätzen - besondern bei Ausbildungsstellen - ist der Rat der Eltern. Vor allem bei jüngeren Personen nehmen sie Einfluss auf die Berufswahl. Das bedeutet für Unternehmen: Employer-Branding-Kommunikation ist nicht global auf Akademiker, sondern vielmehr spezifisch auf die verschiedenen Zielgruppen auszurichten. Beim Azubi-Marketing stellen beispielsweise auch Eltern eine Zielgruppe dar.

Autor: Sven Lechtleitner / Foto: © pixs:sell - Fotolia.com