10 Tipps, wie Sie mit Fehlern in der Ausbildungspraxis umgehen

5. Tipp: Erlauben Sie Ihren Auszubildenden das Fehlermachen!

Aus Fehlern zu lernen, kann nur gelingen, wenn a) gemachte Fehler sachlich analysiert, b) ihre Ursachen herausgearbeitet und c) Maßnahmen eingeleitet werden, um einer Wiederholung vorzubeugen. Dafür aber ist es zwingend erforderlich, sie aus dem Halbdunkel des Vertuschens, Verbergens und Verleugnens ans Tageslicht zu holen. Und es ist weiter erforderlich, dass es möglich ist, über Fehler offen, ehrlich und ohne Selbstverteidigungsreflexe zu reden. Das wiederum setzt ein Lernklima voraus, das weitgehend frei von Ängsten ist.

Stellen Sie beispielsweise in Ihrer Werkstatt oder in Ihrem Büro eine Pinnwand auf, an der Sie eigene und fremde Fehler dokumentieren. So sehen Ihre Auszubildenden von Anfang an, dass Fehler passieren – Ihnen und den Vorgängern. Allein dieser Anblick wirkt in aller Regel sehr entlastend und fördert positiv das Lernen.

Transportieren Sie Ihre Erlaubnis zum Fehlermachen in Gestalt einer Story. Die meisten Menschen lieben Geschichten, weil sie Bilder und Emotionen erzeugen. Sie sind der Hauptgrund, warum Menschen etwas verstehen und sich merken. Erzählen Sie zum Beispiel folgende Geschichte: In einem amerikanischen Unternehmen nähert sich ein Angestellter mit gebeugtem Haupt seinem Vorgesetzten in der Erwartung, fristlos gekündigt zu werden, weil er dem Unternehmen durch einen "Fehler" Millionen gekostet hat. Der Manager aber stellt fest: "Sie glauben doch nicht etwa, dass ich Sie jetzt entlassen werde, wo ich doch gerade ein Vermögen in Ihre Ausbildung investiert habe."

Autor: Michael Kluge hat sich als Trainer, Coach und Publizist auf das Thema Berufsausbildung spezialisiert. Er gehört zum Autorenteam von "PersonalAusbilden" und ist Autor des Fachbuchs "Der Ausbilder als Coach". / Foto: © ivector - Fotolia.com