10 Tipps, wie Sie mit Fehlern in der Ausbildungspraxis umgehen

8. Tipp: Beachten Sie das 3-W-Prinzip der Rückmeldung!

Wollen Sie in einem Gespräch das Fehlverhalten eines Ihrer Auszubildenden ansprechen? Für diese Rückmeldung hat sich nach Manfred Gührs und Claus Nowak (Das konstruktive Gespräch, Meezen 1995, S. 240 f.) das 3-W-Prinzip bewährt: Wahrnehmung, Wirkung und Wunsch mitteilen. Nach diesem Prinzip gehen Sie wie folgt vor:

Legen Sie anhand von konkreten Informationen dar, worin der Fehler besteht, ohne dabei zu werten: "Ich habe beobachtet, dass ..."

Schildern Sie sachlich, welche Auswirkungen das Verhalten Ihres Auszubildenden für die Abteilung, für das Unternehmen hat. Wie hoch ist der eventuell entstandene Schaden? Benennen Sie – je nach Situation – die menschlichen, fachlichen oder organisatorischen Folgen: "Unsere Zusammenarbeit wird dadurch ...", "Das hat zur Folge, dass ..."

Diese Hinwiese helfen Ihrem Auszubildenden, Sie besser zu verstehen. Wenn er die Zusammenhänge sieht, dürfte sich die Akzeptanz erhöhen und der Fehler wird eher nicht noch einmal passieren.

Wie kann der Fehler in Zukunft vermieden werden? Wie soll sich Ihr Auszubildender künftig am besten verhalten? Beschreiben Sie konkret, was Sie zur Lösung des Problems von Ihrem Auszubildenden erwarten – als Bitte, Wunsch, Forderung oder Anweisung: "Ich bitte Sie daher ...", "Ich erwarte von Ihnen, dass Sie ...", "Meine Forderung an Sie ist ..."

Statt eine Lösung vorzugeben, ist es empfehlenswert, den Auszubildenden einzubeziehen. Denn wenn Sie dem Auszubildenden eine Lösung überstülpen, dann wird er das vermutlich abnicken. Aber die Wahrscheinlichkeit einer tatsächlichen Verhaltensänderung steigt, wenn die Lösung vom Auszubildenden selbst kommt. "Was sagen Sie dazu?", "Was werden Sie das nächste Mal anders machen?", "Was brauchen Sie noch an Informationen oder Ressourcen?"

Wenn es noch etwas zu klären gibt, können Sie auch alternativ eine Frage stellen, die Ihr Auszubildender beantworten soll: "Ich möchte von Ihnen erfahren, ..."

Aber aufgepasst! Rutschen Sie beim Fragen nicht in die "Verstehens-Falle": Der Versuch, Ihren Auszubildenden zu verstehen, führt Sie weg von dem, was Sie wollen. Selbst wenn Sie wissen, was in Ihrem Auszubildenden vor sich geht, besteht das Fehlverhalten nach wie vor. Natürlich dürfen Sie ein Ohr für die privaten Nöte Ihres Auszubildenden haben. Aber verwechseln Sie dieses Verständnis nicht mit der beruflichen Lösung des bestehenden Problems. Beides gehört zur Führung: Verständnis und Problemlösung – mal in dieser, mal in umgekehrter Reihenfolge. Je nachdem, was die Situation gerade erfordert.

Autor: Michael Kluge hat sich als Trainer, Coach und Publizist auf das Thema Berufsausbildung spezialisiert. Er gehört zum Autorenteam von "PersonalAusbilden" und ist Autor des Fachbuchs "Der Ausbilder als Coach". / Foto: © ivector - Fotolia.com