10 Tipps, wie Sie mit Fehlern in der Ausbildungspraxis umgehen

9. Tipp: Zeigen Sie die Grenzen des Fehlermachens auf!

Manche Fehler macht man nur einmal. Selbst wenn dieser Satz etwas makaber klingt, weist er auf einen wahren Kern hin: Die Möglichkeit, innerhalb des Lernens von auftretenden Fehlern zu profitieren, stößt an Grenzen, wenn es um die Sicherheit von Menschen, Materialien und Einrichtungen geht. Nicht umsonst lernt beispielsweise ein angehender Pilot zunächst das Steuern eines Flugzeuges unter schwierigsten Bedingungen in einem Flugsimulator. Dabei sind Bruchlandungen normal und sogar erwünscht, um zu erkennen, was mit der Maschine machbar ist und was nicht – wohlgemerkt: in einem Flugsimulator.

Wenn sie manchmal auch übertrieben wirken – Normen, Standardisierungen und Sicherheitsbestimmungen wurden aus guten Gründen erlassen und eingeführt. Daher wäre es natürlich Unsinn und zudem grob fahrlässig, zum Beispiel einem angehenden Chemielaboranten die Erlaubnis zu erteilen, beim Anmischen gefährlicher Substanzen die Schutzbrille wegzulassen, nur um selbst herauszufinden: "Das hätte ins Auge gehen können!"

Selbst wenn es gut klingt und sich auch zweifelsohne anzustreben lohnt, Fehler als Chance zum Lernen zu begreifen, geht es doch nicht darum, die Anzahl solcher Lernchancen mutwillig zu erzeugen, nur damit beispielsweise ein Meister zu seinem Lehrling sagen kann: "Morgen melden wir Insolvenz an – damit du das auch mal lernst!" Auch an diesem Fehler können die Beteiligten zugrunde gehen, auch wenn es "nur" ökonomischer Art ist.

Keine Frage: Jenseits der Norm liegen viele Möglichkeiten – aber zum Teil auch gefährliche Überraschungen. Deshalb wird in der Berufsausbildung nicht das Ziel verfolgt, die Lust am Fehlermachen zu steigern und die Anzahl der Schwere der gemachten Fehler zu vergrößern, um daraus noch besser und mehr zu lernen. Ganz im Gegenteil: Es geht um eine Verringerung und Vermeidung von Fehlern – wohl wissend, dass das Anstreben einer Fehlerfreiheit einem weltfremden Ideal entspricht. Der Weg zu diesem Ziel führt über die sachliche Fehleranalyse und den daraus abgeleiteten Präventionen, nicht über eine "Augen-zu-und-durch"-Strategie.

Autor: Michael Kluge hat sich als Trainer, Coach und Publizist auf das Thema Berufsausbildung spezialisiert. Er gehört zum Autorenteam von "PersonalAusbilden" und ist Autor des Fachbuchs "Der Ausbilder als Coach". / Foto: © ivector - Fotolia.com