Ferienjobs – so machen Arbeitgeber 2017 alles richtig

Mit der Beschäftigung von Schülern können Arbeitgeber in der Ferienzeit Personalengpässe und Arbeitsausfälle vermeiden. In unserem Beitrag zeigen wir Ihnen, welche  arbeits- und sozialrechtlichen Vorgaben Sie dabei beachten müssen. 

Immer im Blick: das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG)

In den meisten Fällen kommen Schüler eher wegen ihrer Konsumwünsche in Ihren Betrieb, als um einen Blick in die Arbeitswelt zu werfen. Ein legitimes Interesse – dem der Gesetzgeber jedoch Grenzen zieht: Sie dürfen keine Schüler unter 15 Jahren beschäftigen. Diese Schüler sind Kinder i. S. des JArbSchG und Kinderarbeit ist verboten. Das JArbSchG kennt zwar einige Ausnahmen vom Verbot der Kinderarbeit, für echte Ferienjobs sind diese Ausnahmen jedoch uninteressant.

Jugendliche Schüler, die schon 15 – aber noch keine 18 – Jahre alt sind und der Vollzeitschulpflicht unterliegen, stehen Kindern gleich. Bei dieser Altersgruppe erlaubt Ihnen der Gesetzgeber allerdings eine Beschäftigung „während der Schulferien für höchstens vier Wochen im Kalenderjahr“. Erst Lernende über 18, die nicht mehr vollzeitschulpflichtig sind, fallen aus dem Jugendarbeitsschutz heraus. Für sie gilt „normales“ Arbeitsrecht. Sie dürfen auch mehr als vier Wochen im Jahr und auch außerhalb der Schulferien arbeiten.

Soweit das JArbSchG greift, beachten Sie unbedingt, dass die Arbeitszeit Ihrer Jugendlichen nicht mehr als acht Stunden täglich und nicht mehr als 40 Stunden in der Woche betragen darf. Bei einer täglichen Arbeitszeit von mehr als viereinhalb bis zu sechs Stunden müssen Sie diesen Schülern eine 30-minütige Pause gewähren, eine 60-minütige bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden. Zudem gilt für Jugendliche die 5-Tage-Woche. Samstags und sonntags dürfen Sie jugendliche Arbeitnehmer nur ausnahmsweise nach Maßgabe der §§ 16, 17 JArbSchG beschäftigen.

Urlaubsansprüche – und das gilt altersunabhängig – haben Ihre Schüler erst, wenn sie einen vollen Kalendermonat bei Ihnen tätig sind. Während der 4-wöchigen Beschäftigung jugendlicher Schüler mit Vollzeitschulpflicht kann also nie ein Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub entstehen. Erwachsene Schüler, die mindestens einen vollen Monat arbeiten, haben unter den gleichen Voraussetzungen Anspruch auf Urlaub wie Ihre Stammbelegschaft: entweder nach dem Bundesurlaubsgesetz oder nach den bei Ihnen geltenden Tarifbestimmungen.

Gut zu wissen: Schülerbeschäftigung ist in der Regel sozialversicherungsfrei

Die großen Ferien sind überschaubar. Sie haben in dieser Zeit die Möglichkeit, Ihre Schüler geringfügig entlohnt, geringfügig kurzfristig oder sonst wie zu beschäftigen. Da bei Lernenden außerhalb der Tätigkeit für Ihren Betrieb der Erwerb von Bildung im Vordergrund steht, bleiben „Personen, die während der Dauer … ihrer Ausbildung an einer allgemeinbildenden Schule“ eine Beschäftigung ausüben, in der Arbeitslosenversicherung in jedem Fall versicherungsfrei. Hier zahlen weder Sie noch Ihre Ferienjobber Beiträge.

Beschäftigen Sie Ihre Schüler geringfügig kurzfristig, also nicht länger als drei Monate oder 70 Arbeitstage (bis 31.12.2018, danach wieder zwei Monate und 50 Arbeitstage), sind sie auch in den übrigen Zweigen der Sozialversicherung versicherungs- und damit beitragsfrei. Sie brauchen für Ihre Schüler also weder Beiträge an die Renten- noch an die Kranken- und Pflegeversicherer abzuführen. In der Kranken- und Pflegeversicherung bleiben Schüler bei Ihnen auch mit einem 450-Euro-Job versicherungsfrei. Sie sind gegen die Risiken Krankheit und Pflegebedürftigkeit in der Regel über die Eltern via Familienversicherung abgesichert. In der Rentenversicherung dagegen sind arbeitende Schüler auch im Minijob versicherungspflichtig. Sie können allerdings auf diese Versicherungspflicht verzichten.

Liegen die Voraussetzungen einer geringfügig entlohnten oder geringfügig kurzfristigen Beschäftigung nicht vor, sind Schüler – mit Ausnahme der Arbeitslosenversicherung (s. o.) – wie Ihre „richtigen“ Mitarbeiter versicherungspflichtig. Steuerrechtlich ist der Lohn für den Ferienjob Arbeitsentgelt und wie Arbeitsentgelt zu versteuern – insoweit haben Ihre Schüler keinen Sonderstatus.

Nicht immer zu zahlen: der Mindestlohn

Seit dem 1. Januar 2017 beträgt der gesetzliche Mindestlohn in der Bundesrepublik Deutschland 8 Euro und 84 Cent. Zu viel für einen unerfahrenen Schüler als Ferienjobber? Nun, das Mindestlohngesetz (MiLoG) sieht in § 22 Abs. 2 eine wichtige Ausnahme vor, die Sie unbedingt kennen sollten: „Personen im Sinne von § 2 Absatz 1 und 2 des Jugendarbeitsschutzgesetzes ohne abgeschlossene Berufsausbildung gelten nicht als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Sinne dieses Gesetzes.“ Klartext: kein gesetzlicher Mindestlohn für Kinder und Jugendliche.

Die mindestlohnfreie Zone für Personen unter 18 bedeutet allerdings nicht, dass Sie bei der Bemessung des Arbeitsentgelts Ihrer minderjährigen Schüler völlig frei sind. Besteht zwischen Arbeit und Arbeitsentgelt ein auffälliges Missverhältnis, ist die zugrunde liegende Vereinbarung nämlich wegen Lohnwuchers sittenwidrig und nichtig. Das ist beispielsweise der Fall, wenn die Arbeitsvergütung nicht mal zwei Drittel des in der Branche gezahlten Tarifentgelts erreicht. Mit dem Ergebnis, dass der völlig unterbezahlte Schüler dann Anspruch auf die in Ihrem Wirtschaftszweig übliche Vergütung hat.

Sind Ihre Schüler 18 Jahre und älter, zahlen Sie den Mindestlohn. Und sieht ein Tarifvertrag für Sie eine höhere Vergütung vor, zahlen Sie diese höhere Vergütung. Das Merkmal „Schüler“ ist kein Grund für eine Schlechterstellung gegenüber vergleichbaren Arbeitnehmern aus Ihrer Stammbelegschaft. Und Vereinbarungen, die den Anspruch auf Mindestlohn unterschreiten, sind von Rechts wegen eh unwirksam.

Sicher, Schüler sind kein vollwertiger Ersatz für Ihr qualifiziertes Fachpersonal. Aber es gibt genug Hilfstätigkeiten, die für die Beschäftigung des Nachwuchses ideal sind. Das verschafft der übrigen Stammbelegschaft die notwendigen Freiräume und Sie haben die Chance, die Ferienzeit erfolgreich zu überbrücken.

Autor: Dr. Heinz J. Meyerhoff, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Fachanwalt für Sozialrecht, Greven