Flexible Arbeitswelt: Zeitarbeitnehmer dienen als Arbeitskraftreserve

Zeitarbeitnehmer verdrängen nicht die Mitarbeiter der Stammbelegschaft. Sie bilden hingegen eine Arbeitskraftreserve und bieten notwendige Flexibilität für Unternehmen, besagt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung über die Situation in der Zeitarbeitsbranche. Die Nachteile dieser Flexibilisierung tragen allerdings die Zeitarbeitnehmer. Für vergleichbare Tätigkeiten erhalten sie deutlich weniger Geld - bis zu 50 Prozent. Die Stiftung fordert daher für die Beschäftigen dieser Branche „Equal Pay“.

Nur selten ist laut Studie der Effekt zu beobachten, dass Zeitarbeiternehmer die Stammbelegschaft ersetzen. Selbst im Krisenzeitraum von Mitte 2008 bis Mitte 2009 hätten nur drei Prozent der Betriebe Stammarbeitskräfte entlassen und gleichzeitig Zeitarbeitnehmer eingestellt. Deutlich häufiger - 24 Prozent der Unternehmen - sei hingegen zu beobachten gewesen, dass bei einem Abbau von Zeitarbeitnehmern die Zahl der Festangestellten zunahm.

Insgesamt ist Zeitarbeit ein Instrument für mehr Flexibilisierung. Meist werde es sogar zusammen mit anderen betrieblichen Flexibilisierungsmaßnahmen eingesetzt. 58 Prozent aller Betriebe, die Zeitarbeit nutzen, nutzen auch Arbeitszeitkonten. Bei Firmen ohne Zeitarbeitskräfte sind es dagegen nur 20 Prozent. Auch Überstunden und befristete Verträge werden von Betrieben mit Zeitarbeitskräften intensiver genutzt.

Männlich und in der westdeutschen Industrie beschäftigt: So sieht der durchschnittliche Zeitarbeitnehmer in Deutschland im Jahr 2010 aus. Doch die Gehaltsunterschiede im Vergleich zu den durchschnittlichen Verdiensten in der Gesamtwirtschaft sind groß. In den alten Bundesländern verdient ein Zeitarbeitnehmer mit Berufsausbildung nur knapp die Hälfte (47 Prozent) und in Ostdeutschland 36 Prozent weniger als ein Arbeitnehmer mit gleichem Bildungsniveau in der Gesamtwirtschaft. In Euros bedeutet das: In Westdeutschland gehen Montierer in Metallberufen als Leiharbeiter mit 1.540 bis 2.990 Euro weniger Geld nach Hause als ein Stammbeschäftigter.

Zwar gilt seit 2011 ein allgemeinverbindlicher Mindestlohn in der Zeitarbeitsbranche. Dies sei aber nur ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung, sagte Aart De Geus von der Bertelsmann-Stiftung. Der folgerichtige zweite Schritt wäre nun die Einführung von gleicher Bezahlung nach einer Einarbeitungsphase. Die Stiftung schlägt daher vor, "Equal Pay" für alle Zeitarbeitnehmer zu verwirklichen, die länger als drei Monate im Entleihbetrieb tätig sind. Etwa 491.000 Leiharbeiter würden von einer solchen Regelung profitieren. Die daraus resultierenden Kosten beliefen sich auf etwa 410 Millionen Euro.

Die Studie wurde im Auftrag der Bertelsmann Stiftung vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) erstellt.

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